Man könnte meinen, dass sich die Welt mittlerweile schnell genug dreht. Und gerade die britischen Autohersteller waren ja diesbezüglich immer noch so ein bisschen der Anker der Zurückgebliebenen. Und das ist nicht einmal despektierlich gemeint – Bentley, Jaguar, Morgan, Aston Martin sind altehrwürdige Unternehmen mit mehr oder weniger Manufakturanteil, deren Autos noch nach Öl, Benzin, Leder und Holz riechen dürfen. Langsam aber sicher wird auch das der Vergangenheit angehören und die Autoromantiker unter uns werden sich anderem zuwenden müssen. Bei Bentley versucht man nun mit einem Bentayga Diesel, die Abwärts-C-Prominenz für das geflügelte B zu begeistern, Aston Martin kooperiert mit Mercedes-AMG und Jaguar schenkte uns kürzlich den F-Pace, der – mit Verlaub – nicht mehr ist als die Karikatur eines britischen SUV.

Jaguar i-Pace Concept

Nun paced Jaguar erneut und weil man wohl – mit Blick auf BMW und Apple – nicht allzu viel Phantasie aufbringen mochte, nannte man das erste Elektroauto aus Coventry I-Pace. Und weil man es offenbar nicht schaffte, mehrere Anschauungsmodelle zur Weltpremiere zusammenzuzimmern (oder einfach anders sein wollte), zeigte man es außerhalb der Los Angeles Auto Show der Weltöffentlichkeit nur mittels 3D-Brillen und VR-Technik. Toll. Doch was man Jaguar lassen muss: wenn der I-Pace im Jahr 2018 so auch zum Anfassen und auf die Straße kommt, wie die Mannschaft rund um Ian Callum und Ian Hoban (ebenfalls nur virtuell) erklärt, dann sind sie den übrigen Hauptakteuren auf dem europäischen Automarkt um einiges voraus.

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Dank zweier in Eigenentwicklung entstandenen Elektromotoren in kompakter Bauweise (jeweils nur 50 Zentimeter lang) an Vorder- und Hinterachse leistet das I-Pace Concept 400 PS und bietet mit 700 Newtonmetern ab Start exakt das Drehmoment eines F-Type SVR. Auch die 90 kWh starke Lithium-Ionen-Batterie stammt aus dem Hause Jaguar Land Rover und soll – zumindest nach NEFZ-Zyklus – eine Reichweite von über 500 Kilometern bieten. Mittels Schnelllader ist sie binnen zwei Stunden wieder aufgeladen, wer ein 150 kW-Ladegerät in den Stecker haut, darf sich innerhalb von 10 Minuten über 100 Kilometer Reichweite freuen. Und sogar im Winter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt soll der lautlose Jaguar dank einer Wärmepumpe, die zum Heizen nicht die Bordbatterie sondern die Energie der Außenluft nutzt, nicht viel von seiner nominellen Reichweite verlieren.

Jaguar I-Pace Concept

Und die Optik? Nun, Jaguar hat sein innovatives Technikpaket in eine vergleichsweise harmlose Hülle gesteckt. Das I-Pace Concept erinnert an der Front mit dem typischen Markengesicht an den F-Pace, hat in Seiten- und Heckansicht jedoch ein deutlich abfallendes Stufenheck, das irgendwo einer Mischung aus Range Rover Evoque und Tesla Model X ähnelt. In den Abmessungen ist der I-Pace mit 4,68 Metern Länge und 1,89 Metern Breite kürzer und schmaler als ein F-Pace. Bei Preis und Gewicht für das Elektroauto, das 2018 in Serie gehen soll, hält sich Jaguar noch bedeckt.

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