Flughafen München, irgendwann im Februar. Um uns herum geschäftige Leute mit großen Rollkoffern, sie starren auf die Abflugtafel, die auffällig viele Ziele im warmen Süden der Welt anzeigt, liegen sich in den Armen und ein Teil davon wird wahrscheinlich gleich in einen der Ferienflieger steigen, um sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. In München herrscht derweil einer der trübsten Tage des Jahres, zuvor hat es in Strömen geregnet und aktuell liegt die Temperatur bei knapp über Null. Ideale Temperaturen zum Wegfliegen aber nicht unbedingt zum Wegfahren, oder?

Da kann die Aussicht auf die jährlichen Wintertests in Süddeutschland nur wenig trösten, auch wenn Volvo sie ausrichtet. Doch et kütt wie et kütt, so sagt es der Kölner, und zumindest die Aussicht auf einen Platz vorne links hinter dem beheizten Lenkrad des neuen V90 Cross Country lässt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, dass die folgenden 24 Stunden recht behaglich werden dürften. Sie wurden.

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Der V90 Cross Country ist der jüngste Sprössling aus Volvos Schönheitsfarm und reiht sich – wie der Name schon sagt – zwischen dem herkömmlichen V90 (hier bei uns als T5 im Test) und dem SUV XC90 (hier bei uns als D4 und hier als T8 Twin Engine im Test) ein. Er ist ein wenig höher als der normale Kombi, vertraut auf eine (nicht variable) Bodenfreiheit von 210 Millimetern und macht optisch dank eines neuen Kühlergrills, ausgestellter Radläufe, einer breiteren Spur (vorne 2,4, hinten 1,4 Zentimeter) und einem angedeuteten Unterfahrschutz eine etwas stämmigere Figur, ohne adipös herüberzukommen. Die Farbkombination aus Marple Braun (960 Euro) außen und hellem Leder im Innenraum steht ihm gut, auch wenn der mitgereiste Fotograf gleich sein Leid klagt, die Farbe verschlucke jegliche Form und sei für Fotos überaus untauglich. Was uns jedoch am hübschen V90-Hintern vorbei gehen kann, denn wir wollen schließlich nur eines: Fahren.

Wir schnappen uns sodann schnell den Schlüssel der stärksten Motorisierung T6, die wie alle Volvo-Benziner auf einen aufgeladenen Zweilitermotor mit nunmehr 320 PS vertraut und nehmen Platz. Im Innenraum unterscheidet sich der Cross Country nur in Nuancen von seinem kleineren Bruder V90, das Leder soll laut Volvo eine Spur gröber genarbt sein, das dunkel gemaserte Echtholz gibt es exklusiv nur für den stets mit Allrad und Automatik erhältlichen V90 CC. Ansonsten gibt das Interieur keine Rätsel auf und das Bedienkonzept mit dem großen, gut funktionierenden Touchscreen als zentrale Steuerungseinheit für sämtliche Fahrzeugfunktionen ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

Auf gewundenen und meist verlassenen Landstraßen südöstlich von München geht es Richtung Chiemsee, die dem V90 Cross Country die Chance geben, seine Qualitäten als komfortabler Reisewagen vollends unter Beweis zu stellen. Sein Allradantrieb mit Lamellenkupplung sorgt für ein stets sicheres und enorm stabiles Fahrverhalten und der Vierzylinder scheint sogar ein bisschen sanfter und leiser zu laufen als in unserem letzten Testwagen mit der etwas schwächeren T5-Maschine. Die Höherlegung des Cross Country um sechs Zentimeter macht sich im Fahrkomfort positiv bemerkbar, jedoch nicht so signifikant, wie es Volvo möglicherweise gerne hätte; was auch daran liegen mag, dass auch der Standardkombi alles andere als unkomfortabel gefedert ist. Dafür fühlt sich dieser etwas fahraktiver an, während das Einlenkverhalten des Cross Country eine Spur gedämpfter und weniger spontan wirkt. Man bevorzugt sogleich die etwas ruhigere Gangart, kuschelt sich in die bestens einstellbaren Ledersitze (Serie), die Bowers & Wilkins – Anlage (3.280 Euro) spielt den Lieblingshit in Perfektion und die Nebellandschaft zieht vor den Fenstern vorbei, während der Autopilot (Pilot Assist II, Serie) bis 130 Km/h den Rest erledigt. Autofahren im Jahr 2017, hatten wir jemals etwas dagegen einzuwenden?

Zumindest bis zum nächsten Etappenziel im Salzburger Land nicht, das geben wir offen und ehrlich zu. Doch dort im malerischen Faistenau hat die Crew von Volvo Deutschland eine mittelkleine Teststrecke vorbereitet. Hier liegt der versprochene Schnee, es ist von eisig bis glatt alles dabei und der V90 Cross Country darf einmal das zeigen, was die Mehrzahl aller Kunden von ihm niemals sehen möchte. Da haben autonomes Fahren, Querverkehrswarnung und ESP Sendepause, zudem lacht die Sonne mittlerweile strahlend am Himmel und wir haben ein paar Stunden Spaß im Schnee. Ja, Querfahren geht auch in einem Volvo, doch die Bedingungen dafür müssen schon sehr speziell sein: Wenn die Strecke glatt genug ist, die Fahrhilfen abgeschaltet sind und der Gasfuß mit der gehörigen Portion Selbstvertrauen gesegnet ist, lässt auch ein V90 Cross Country das lange Kombiheck lässig raushängen.

Dafür, dass der Spaß nicht zu sehr ausartet, sorgt der elektronisch gesteuerte Allradantrieb, der den dicken Schweden nach kurzem Streifen der Schneemauer wieder zurück auf die richtige Bahn zieht. Abseits wilder Benutzung des Gaspedals vermittelt der V90 auch bei schlechten Straßenverhältnissen aber eine derartige Stabilität und Sicherheit, dass es kaum vorstellbar ist, einmal ungewollt in eine Grenzsituation zu kommen. Falls doch, werden die Passagiere automatisch von den Sicherheitsgurten festgezurrt – das System agiert jedoch sehr feinfühlig und greift erst ein, wenn der V90 schon beinahe im 90-Grad-Winkel zur Fahrbahn „fährt“. Und als es einmal nicht mehr weiterging, half uns zumindest kurzzeitig der für den Cross Country exklusive OffRoad-Fahrmodus, der bis 40 Km/h aktiv ist und die Kraft permanent auf alle vier Räder verteilt und zudem eine automatische Bergabfahrhilfe beinhaltet.

Nach diesem Ausflug in den Schnee ging es über die Autobahn zurück nach München, auf der der Benziner zwar einen sehr souveränen, aber auch trinkfreudigen Eindruck hinterließ – der Bordcomputer zeigte danach eine 12 vor dem Komma. Wir bleiben dabei: der große Diesel D5 AWD (ab 59.300 Euro und damit 1.800 Euro teurer als der normale V90 D5) ist und bleibt die ideale, weil starke und sparsame, Motorisierung für den großen Kombi. Als wir ihn in der Tiefgarage vom Flughafen abstellen, ist es draußen wieder trüb und regnerisch. Wir würden jetzt gern noch eine Runde fahren.

Technische Daten*

Modell: Volvo V90 Cross Country T6 AWD
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1.969 ccm
Leistung: 320 PS (235 kW) bei 5.700 U/min
Drehmoment: 400 Nm zwischen 2.200 und 5.400 U/min
Antrieb: Allradantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe
Verbrauch (ECE): 7,7 l Super/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 6,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 240 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,94 m/1,89 m/1,54 m
Gewicht: 1.954 Kg
Grundpreis: 62.400 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 16/26/22

*Herstellerangaben