Kann man einen Klassiker noch besser machen? Fragt man Restaurator und BMW Spezialist Jeff Tighe, würde er wohl die folgenden Bilder sprechen lassen. Und unweigerlich würden wir sagen: ja, man kann! Denn sein BMW E9 3.0 CSi ist ein ganz besonderer Oldie. Von außen einzig auf Hochglanz poliert und mit passenden Alpina-Felgen verschönert, verbergen sich die wahren Verbesserungen unter dem grazilen Blechkleid des Bajuwaren.

Anstatt eines 200 PS starken 3,0-Liter-Sechszylinder arbeitet nun ein S52-Aggregat im Maschinenraum des CSi. Der M3-Motor aus dem E36 leistet ca. 240 PS und 320 Nm Drehmoment. Und nein, wir haben uns nicht verschrieben. Beim S52 handelt es sich um den M3-Motor der ausschließlich für den nordamerikanischen Markt bestimmt war. Der Grund: mit den für Europa entwickelten Triebwerken (S50B30/S50B32), mit mindestens 286 PS, erreichte man nicht die strengen US-Abgasvorschriften.

Einen stärkeren Motor zu verbauen kam für Jeff Tighe nicht (mehr) in Frage. Bereits vor zwei Jahren baute er einen E9 um und setzte damals den über 300 PS starken Motor aus dem BMW M3 E46 ein. Da aber weder das serienmäßige Fahrwerk, noch das Chassis für solch eine Leistung ausgelegt sind, entschied sich Tighe diesmal für einen schwächeren Motor – der dem gesamten Fahrzeugkonzept aus unserer Sicht aber zugutekommt.

Als Randnotiz sei dabei aber zu erwähnen, dass BMW vor der Ölkrise 1973 durchaus mit dem Gedanken gespielt hat, größere Motoren im E9 einzusetzen. Fertige V8- und V12-Prototypen waren bereits zur Erprobung unterwegs. Der damalige BMW-Entwicklungschef Bernhard Osswald nutzte 1973 sogar selbst einen E9 mit 5,0-Liter-V8 als Dienstwagen. Wie wir heute wissen, sollten die großen Acht- und Zwölfzylinder erst eine Dekade später zum Einsatz kommen.

Im Gegensatz zum dezenten Äußeren von Jeff Tighe’s E9, ist der Innenraum in betörendem rot gehalten. Bestimmt nicht jedermanns Lederfarbe, ist es doch diese Kombination, die den E9 so besonders macht. Dazu passend: Wurzelholzeinlagen und ein Nardi-Holzlenkrad. Nur minimal tiefergelegt wirkt der CSi fast so, als hätte man an ihm nie etwas verändert.  Für eine bessere Straßenlage wurde allerdings ein verstellbares Gewindefahrwerk montiert. Ohne große Übertreibung kann man sagen: dieser BMW E9 3.0 CSi ist wahrscheinlich noch besser, als an seinem Erstauslieferungstag. Der Nachfolger des E9 war übrigens der erste BMW 6er E24.

Quelle/ Bilder: Stance|Works (Mike Burroughs)

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