Also eines vorweg: mein persönlicher Evergreen in der Audi A6 Baureihe bleibt der C5. Freilich als Avant, weil die Limousine derart am Heck verunglückte, dass sie selbst als RS 6 kaum zu ertragen war und ist. Mit diesem Wissen lest ihr nun diese Zeilen und wir nähern uns jetzt ganz vorsichtig der Neuvorstellung der aktuellen A6-Generation in Genf. Ok, ganz war es ja keine Neuvorstellung – ließ man ja wieder den ein oder anderen #Influencer vorher probesitzen. Aber immerhin nicht mit verbundenen Augen und sie durften sich (mal mehr, mal weniger) sachlich zu dem neuen Gefährt äußern.

Was fällt uns also zum neuen Audi A6 C8 ein? Wer mit Audi nicht viel am Hut hat, der wird im ersten Moment vielleicht gar nicht merken, dass er hier vor einer neuen Modellgeneration steht. Mehr eine Evolution, statt eine Revolution betrieb man in Ingolstadt beim Design. Ja, die stärker ausgebildeten Sicken auf der Haube fallen positiv auf, ein paar neue Lämpchen hier und dort wurden verbaut und dann natürlich die zwei großen Aufreger schlechthin: sichtbare Sensortechnik vorne und hinten eben keine sichtbaren Endrohre. Ob da jemand im Lastenheft etwas falsch verstanden hat – Sensortechnik verstecken und Endrohre sichtbar machen? Nein, diese Dinge sind gewollt und geben einen Ausblick auf die Zukunft.

Denn, ganz gleich was die lieben YouTuber so behaupten, der Grund für den Wegfall dieser Endrohre ist aus unserer Sicht ganz simpel: E-Autos brauchen keine Abgasanlagen mehr, also gewöhnt euch besser daran. Positiver Nebeneffekt: Buchhalter Müller kann sich nun auch ganz beruhigt einen Vierzylinder zulegen, ohne im Büro von der Sechszylinder-Fraktion belächelt zu werden. Warum man aber Blenden andeutet, wo keine Rohre sitzen entzieht sich unserer Kenntnis. Tja, die Radarsensoren im Grill erinnern uns dann irgendwie doch wieder an das Heck der C5 Limousine – kaum zu ertragen. Aber man muss die Technik ja nicht nehmen und erhält dann einen durchgezogenen Grill. War das vielleicht das Kalkül dahinter? Ein Konstrukteur bei Audi, der unbedingt weiterhin analoge Fahrzeuge verkaufen will? Blödsinn; ist halt anders nicht lösbar – zumindest nicht für Audi.

Aber – und hier möchten wir die ganzen Markenjünger wieder einfangen – irgendwie gefällt uns das Design im Großen und Ganzen. Sehr maskulin, sehr erwachsen und nicht so schwülstig wie der Audi A7. Auch die Rückleuchten sind in der Tat eine große Show. Wir freuen uns bereits auf die Sportversionen S und RS 6, die mit Sicherheit wieder tief und breit auf der Straße liegen und zumindest der RS wird auch wieder einen ordentlichen Achtzylinder an Bord haben. Damit gleiten wir auch ab in die Technik, bevor wir uns dem Innenraum widmen.

Kurzum: Audi ist einmal mehr mittendrin, statt nur dabei. Die Rede ist von der Diskussion über den Dieselantrieb. Kürzlich erst wurden mögliche Fahrverbote auf Gerichtsebene für legitim befunden, da bieten die Ingolstädter ganz selbstbewusst drei Diesel- und nur einen Benzinmotor an. Hybrid? Fehlanzeige – dafür gibt es bei den Sechszylindern aber immerhin ein 48-Volt-Bordnetz, welches den A6 zum Mild-Hybrid werden lässt. Die Vierzylinder dümpeln weiterhin mit dem ordinären 12-Volt-System umher. Von 204 bis 286 darf gedieselt werden, der einzige Benzinantrieb leistet 340 PS. Warum wir keine Hubräume mehr nennen? Weil es Audi auch nicht tut bzw. diese hinter Nomenklaturen verstecken, die sowieso keiner versteht. Es reicht die Aussage, dass man Dampf hat, wenn man sich für den größten Motor entscheidet.

Serienmäßig bei den V6-Motoren ist der Quattro-Allradantrieb und eine 8-stufige ZF-Automatik. Erstmals im Audi A6 verfügbar: eine Hinterachslenkung. Zum 340 PS TFSI sei noch erwähnt, dass man hier bei Audi den relativ frischen Konzernmotor EA839 verbaut, der auch als Grundmotor für den RS 4 dient und der bei Porsche dem Cayenne und dem Panamera auf die Sprünge hilft. Bevor ihr euch aber zu früh freut: der Audi A6 bekommt vorerst nur die Single-Turbo-Variante spendiert – den stärken Bi-Turbo sehen wir wohl dann im S6.

Schöner wohnen lässt es sich im Audi A6 natürlich auch. Wenig Knöpfe, viele Displays und ein wirklich schickes und futuristisches Cockpit empfangen den Fahrer und seine Begleiter. Ob die Touchscreens dabei der Weisheit letzter Schluss sind bleibt abzuwarten, der MMI-Drehregler fliegt wie im A7 und A8 auf jeden Fall erst einmal raus. Ohnehin soll es die famose Sprachbedienung richten, die wir persönlich zunächst nur in einigen Videos zu sehen bekommen haben. Virtual Cockpit, Massagesitze und eine B&O Soundanlage sind bekannt, machen das Reisen mit Sicherheit einmal mehr urgemütlich.

Weitere Details, gerade wie sich der neue Audi A6 fährt, werden wir in nächsten Monaten wohl hautnah erfahren. Abgesehen von der fragwürdigen Motorenpalette und den zwei Designschnitzern erwarten wir allerdings, dass der Audi A6 dem guten Ruf seiner Vorgänger folgt, eine runde Sache wird und sich vor allem gut gegen den 5er BMW und die E-Klasse von Mercedes-Benz behaupten kann. Der neue Audi A6 C8 steht offiziell ab Juni 2018 bei den Händlern und kostet vorerst mindestens 58.050 Euro, der Avant folgt im Spätsommer.

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