Es sind diese gewissen Schlüsselmomente im Leben von Testwagen und ihren Fahrern, die für deren kurze Beziehung von entscheidender Bedeutung sind – denn sonst wären sie ja keine. Momente, in denen die Entscheidung fällt, ob das Ergebnis dieser ein- oder zweiwöchigen Phase von Ups und Downs eher in die Kategorie „abhaken und unter Lebenserfahrung verbuchen“ oder in die „war geil, hätte ich gern nochmal“-Schublade einzuordnen ist. Bei F-PR 8231 war dieser Moment eines nachts auf der einsamen Landstraße. Das Stoffverdeck leicht geöffnet, sodass die erste vorsichtige Wärme des Frühlings und das wohlige Brabbeln des Einsvierer-Turbos in den Innenraum gelangen konnten – und die Audioanlage spielte den Song aus der Überschrift. Da war es um mich geschehen.

Ja, er ist ziemlich klein, für seine Größe ziemlich teuer und die Sitzposition ist ziemlich hoch – um die drei Negativpunkte gleich vorneweg abzufrühstücken und hinterher kein Wort mehr darüber zu verlieren. Aber: man schließt ihn ins Herz. Irgendwann, wage ich zu behaupten, wird jeder seinen Schlüsselmoment mit dem Abarth 595 haben, so mancher sogar, ohne ihn je gefahren zu sein. Du kannst im von Luxuswagen geprägten Rhein-Main-Gebiet alles Mögliche fahren und wirst nicht einmal schief angeschaut – dem Abarth fliegen die Herzen zu. Selten wurden wir so oft positiv auf ein Auto angesprochen und haben selten so viele Fußgänger ins Auto reinschauen und dabei lächeln gesehen, wie bei ihm. Ein Abarth macht Freude.

Von außen wie von innen. Wobei bei satten 25.090 Euro Basispreis die Innenausstattung durchaus etwas liebevoller sein könnte, denn sie ist doch sehr vom Hartplastik des Standard-500ers geprägt. Die Standard-Sportsitze in Lederoptik sind zwar Serie und fühlen sich ordentlich an, könnten aber deutlich mehr Seitenhalt vertragen, sodass man bei ambitionierter Fahrweise sicherlich zu den Sabelt-Rennsportsitzen (2.190 Euro) greifen dürfte. Aber sei es drum. Mehr als schick ist das digitalisierte Kombiinstrument, das Grafiken fein animiert und beim Druck auf den „Sport“-Knopf gleich zu einem großen Drehzahlmesser wird. Ebenso gut gefallen hat uns das Multimediasystem mit integrierter Navigation und Digitalradio, das zügig auf Eingabebefehle reagiert und seinen Preis von 990 Euro allemal wert ist.

Wer Wert auf Motorsound legt, dürfte bereits von der Turismo-Variante des 595C nicht unbedingt enttäuscht sein. Wohlig brabbelt das bekannte Einsvierer-Turbomaschinchen vor sich hin, wenngleich er im Serientrimm lange nicht an den tollen Klang der vierflutigen Monza-Abgasanlage herankommt. Für unseren Geschmack dürfte er sogar ruhig ein wenig lauter sein, dann nimmt man den kleinen roten Racker auf der Straße wenigstens ernst! Ein Problem, das selbst die empfehlenswerten Bi-Xenon-Scheinwerfer (900 Euro) nicht ganz, aber zumindest teilweise ausmerzen können.

Einmal auf der (freien) Landstraße unterwegs, spielen Gedanken an Überholprestige aber kaum mehr eine Rolle. Zu viel Freude macht es, den 595C durch enge oder langgezogene Kurven zu bügeln. Dabei macht sich das serienmäßige Sportfahrwerk mehr als bemerkbar, hält den Kleinwagen souverän und auch bei schlechten Straßen in der Spur. Die knackige Schaltung tut ihr übriges dazu und sogar störende Antriebseinflüsse konnten wir trotz Winterreifen nur seltenst verzeichnen. Was nicht an fehlender Leistung liegen soll: elastisch dreht der Vierzylinder hoch, wobei er – typisch Turbo – erst bei mittleren Drehzahlen sein volles Drehmoment entfaltet. Darunter passiert nicht viel, sodass man ihn mit fleißigem Schalten bei Laune halten muss. Die Leistungsentfaltung geschieht dabei nicht explosionsartig, sondern fein dosierbar und erst nach dem Blick auf den Tacho realisiert man hinter dem Volant, wie schnell man gerade wirklich ist. Nämlich zu schnell für die meisten anderen Verkehrsteilnehmer.

Doch auch auf der Autobahn schlägt sich der kleine Italiener beachtlich, muss sich in puncto Durchzug aus dem hohen Gang nicht hinter so manch drängelndem Vertreterdiesel zurückfallen lassen. Selbst Tempi über 200 realisiert der 595C gelassen und auch der Fahrer kommt ohne schwitzende Hände aus: der Abarth liegt ruhig wie ein Wagen der Mittelklasse, lässt sich selbst von Unebenheiten oder kurzen Querfugen kaum beeindrucken, was durchaus beachtlich für ein Fahrzeug mit diesem Radstand ist. Lediglich beim scharfen Anbremsen – dies gilt auch für die Fahrt auf der Landstraße – verspürt man ein leichtes Heck und wird auf den Boden der Tatsache zurückgeholt, dass man gerade in einem gut 3,60 Meter langen Auto sitzt. Abmessungen und das niedrige Gewicht schlagen sich im Übrigen im Verbrauch nieder, der selbst bei durchweg sportiver Fahrweise und häufiger Nutzung des Sportmodus‘ bei durchschnittlich sieben Litern pro 100 Kilometer lag. Was wir weder für zu viel, noch für sonderlich wenig halten, sondern als angemessen für einen Turbobenziner mit 165 PS.

Fazit

Und ja, letzten Endes war es eben dieser Schlüsselmoment, der den Abarth 595C zu dem macht, was er heute ist: ein begehrenswerter italienischer Stadtflitzer mit Ambitionen, auch die engagierte Wochenendfahrt über abgelegene Pisten mit Freude zu absolvieren, mit einem Faltdach, das Cabriofeeling versprüht und der, wenn es denn sein muss, auch die flinke Autobahnetappe kann – ohne dass man das Gefühl hätte, danach einen neuen kaufen zu müssen. Wir empfehlen dringend den Einbau der Sabelt-Rennsportsitze sowie den Kauf der Record-Monza-Abgasanlage und sortieren das Ergebnis dieses Tests dann in die folgende Kategorie ein: „War geil, hätten wir gerne noch einmal.“ Gerne auch für mehr als eine Nacht.

Technische Daten*

Modell: Abarth 595C Turismo
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, 1.368 ccm
Leistung: 165 PS (121 kW) bei 5.500 U/min
Drehmoment: 230 Nm bei 3.000 U/min
Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch (ECE): 6,0 l S 100/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 218 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 3,66 m/1,63 m/1,49 m
Gewicht: 1.110 Kg
Grundpreis: 25.090 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 17/19/22

*Herstellerangaben

Bilder: Thomas Vogelhuber

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