Driven: Saab 9-3 Cabriolet 2.0T Vector

Butterweiches Understatement: So lautet die knappe Zusammenfassung nach zwei sonnigen Wochen mit dem 210 PS starken Saab 9-3 Cabrio 2.0T Vector.Es ist der bevorzugte Untersatz von Arztfrauen, Architekten und all jenen, mit einem Faible für das Besondere: das Saab 9-3 Cabriolet. Denn im Unterschied zu seinen offenen Kollegen – etwa aus München oder Stuttgart – haftet dem Schweden weniger ein protzig-sportliche Images, denn vielmehr ein Hauch von Understatement an. Wer das nicht glaubt, braucht nur kurz zu überlegen, wann er das letzte mal einen Ellenbogen aus einem offenen Saab hat ragen sehen. Richtig, noch nie. Denn das Heischen nach Aufmerksamkeit passt einfach nicht zum ruhigen Schweden.

Das 9-3 Cabrio ist gerade in der Ausstattungslinie Vector eher auf Dolce Vita und eine ruhige Gangart ausgelegt. Das macht sich bereits in einer eher biederen Optik bemerkbar. Zwar gefällt vor allem die Front mit scharf gezeichneten Linien, durchaus aggressiven Leuchten und großen Lufteinlässen – die sportliche Spannung, die beim Blick auf die Nase aufgebaut wird, erhält beim Blick auf die Seiten- und Heckansicht allerdings einen kleinen Dämpfer. Hier wirkt das Cabrio einfach ein wenig zu bieder. Und gerade das rundliche Heck kann die von der sportlichen Frontoptik geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Aber wie gesagt, die Prioritäten liegen hier einfach an anderer Stelle.

Und das macht sich vor allem beim Fahren bemerkbar. Denn egal wie der Untergrund beschaffen ist, der Saab gleitet seinem Ziel butterweich entgegen und bügelt kleine wie große Komforthindernisse zuverlässig glatt. Selbst bei gröberen Stößen kommt im Steißbereich so kaum mehr als ein leichtes Kribbeln an. Zusammen mit einem bequemen Ledergestühl der Marke Fernsehsessel hat der Wagen dabei etwa ungemein entspannendes, das sich bereits nach wenigen Metern unweigerlich auf den Fahrer überträgt. Und obwohl man meinen möchte, dass ein Cabriolet seine Insassen bei geöffnetem Verdeck noch näher mit dem Hier und Jetzt verbindet, geschieht im Saab genau das Gegenteil. Man fühlt sich vom Alltag geradezu herrlich entkoppelt. Wenn dann noch je nach Gusto die eigene Lieblingsmusik aus den Lautsprechern säuselt, denkt der Pilot an so ziemlich alles – außer an Arbeit, Alltag und Stress.

Der Preis für derart entspanntes Gleiten ist fahrdynamisch indes recht hoch: Denn die Kombinationen aus heimelich weichem Fahrwerk, Frontantrieb und Sitzen ohne jeglichen Seitenhalt schiebt sportlichen Ambitionen schnell einen Riegel vor. Klar, schnell Fahren lässts sich im 9-3 Cabrio Zweifels ohne. Doch bereits wer zügig mehrere aufeinander folgende Querfugen überfährt, muss damit rechnen, dass es ihn gerade auf buckeligen Landstraßen schon einmal leicht versetzt. Und gerade auf schlechteren Straßen tanzt der Schwede beim Ausreizen der 210 PS nur so über die Fahrbahn – von Spurtreue keine Spur. Dass ist in der Praxis jedoch nur halb so schlimm, wie es sich in der Theorie anhört. Denn bereits nach wenigen Kilometern im Saab hat sich die gelassene Grundstimmung des Schweden unwiederruflich ins Gemüt des Fahrer zementiert, der fernab der Hatz nach der Bestzeit einfach entspannt in Richtung Ziel gleiten möchte – und letzteres  ist gerade bei schönem Wetter in reizvoller Landschaft oft genug der Weg selbst.

Dabei ist zumindest antriebsseitig durchaus einiges an sportlichem Potential an Bord. Denn das durchzugsstark agierende Zweiliter-Turbo-Aggregat stemmt nicht nur 210 PS und 300 Newtonmeter an die Vorderachse, sondern garniert jeden Gasstoß mit feinstem Turbozischen. Wer dieser Geräuschkulisse verfällt, jagt zwar auf 100 Kilometern gut 9,6 Liter Super durch die Leitungen, kommt jedoch in acht Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und fliegt problemlos mit bis zu Tempo 225 über die Bahn.

Neben der guten Verarbeitungsqualität und dem sänftenartigen Komfort sind es vor allem die kleinen Details, die das 9-3 Cabrio so liebenswert machen. Etwa, dass das Stoffdach sich bis Tempo 30 in rund 20 Sekunden öffnen oder schließen lässt oder dass die Handbremse im Normalzustand nahezu unsichtbar ins Design integriert ist. Es sind dem gegenüber jedoch ebenso kleine Details, die stören. So lassen sich das Navigationsgerät und das Infodisplay des Bordcomputers bei Sonnenschein – und das soll bei einem Cabrio ja durchaus einmal vorkommen – nur schlecht und mit Sonnenbrille mitunter überhaupt nicht mehr ablesen und die überflüssigen, Echt-Leder signalisierenden Logos an den Kopfstützen nerven bei offener Fahrt im Sonnenschein mit unruhigem Schattenspiel im peripheren Sichtfeld (Wichtiger Tipp: Zur ersten Ausfahrt Nagelschere mitnehmen und abschneiden!). Pingelige Zeitgenossen würden zudem wohl den Stauraum bemängeln, der bei offenem Verdeck von 352 auf magere und vor allem schlecht aufgeteilte 258 Liter zusammenschrumpft.

Doch das würde den Umstand vergessen lassen, dass das Saab 9-3 Cabrio eher der klassische Zweitwagen ist, der nur bei schönem Wetter aus der Garage geholt wird, um fernab jedweden Trubels vom Alltag zu entspannen. Und grade dieses entspannte, unaufgeregte und selbstzentrierte des Wagens dürfte auch der Grund dafür sein, warum das Saab Cabrio vor allem bei stressgeplagten Zeitgenossen der Gattung Vielarbeiter hoch im Kurs steht. Denn trotz 41.250 Euro Einstiegspreis ist das miterworbene Relax-Erlebnis für zwischendurch einfach unbezahlbar.

Technische Daten
Modell: Saab 9-3 Vector
Motor: Quer eingebauter Vierzylinder, 1998 ccm
Leistung: 210 PS bei 5.300 U/min
Drehmoment: 300 Newtometer bei 4000 U/min
Antrieb: Frontanrieb, Sechsgang-Handschaltung
Gewicht: 1.675 kg
Verbrauch: 9,6 Liter / 100 km
0-100 km/h: 8 sek.
Vmax: 225 km/h
Preis: ab 41.250 Euro

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