Eine Kurve ist die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten. Geradeaus können viele schnell, doch am Ende ist es die Querdynamik, die zählt. Hier spürt man die wahren Qualitäten eines Autos, das Zusammenspiel von Reifen, Bremse und Fahrwerk. An diesen Stellschrauben muss man drehen, um aus einem Hatchback mit der Beurteilung „in Ordnung“ einen Kompakten zu zaubern, der den Fahrer bei der Routenauswahl förmlich zwingt, nicht den schnellsten, sondern den kurvenreichsten Weg zu wählen. Kurvenfahren im Peugeot 208 GTi 30th ist Therapie. Man kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus.

Galerie (19 Bilder)

Im Gegensatz zum harmlosen Standard 208 GTi liegt der 30 Jahre GTi zehn Millimeter tiefer, fährt vorn eine um 22 Millimeter und hinten um 16 Millimeter verbreiterte Spur und steht standardmäßig auf 18-Zöllern. Michelin Pilot Super Sport in der Dimension 205/40 ZR 18 sind obligatorisch, vorne blitzen die roten Sättel der Bremboanlage durch die mattschwarz lackierten Felgen.

Unter der Haube arbeitet der bekannte 1600er Turbo mit nunmehr 208 PS (208 GTi vormals: 200) und 300 Newtonmetern Drehmoment (275 Nm). Die turbo-typische Überfalltaktik haben ihm die Jungs aus Sochaux nun endgültig aberzogen, beinahe turbinenartig dreht der Vierzylinder aus dem Drehzahlkeller. Dabei wirkt er für die gebotene Leistung beinahe zu brav und könnte rein subjektiv mehr Biss vertragen. Für die optimale Kraftverteilung sitzt an der Vorderachse das Torsen-Sperrdifferential aus dem RCZ R (dessen Leistungsspritze auf 270 PS wir uns noch wünschen würden, siehe oben). Nein, insgesamt ist das alles andere als halbherzig, was die Franzosen da machen. Und das merkt man.

Die knapp vier Meter voiture français beißen sich bei vollem Tritt ins Bremspedal in die Haarnadel, der Alu-Schaltknauf rastet mit gerade noch akzeptabel langem Schaltweg in den zweiten und die Michelins verzahnen sich am Kurvenscheitel mit dem Asphalt und degradieren die Traktionskontrolle zum echten Statisten: Schlupf ist ein Fremdwort, solange die Straße furztrocken ist. Mit dem winzigen Lenkrad kann man den 208 GTi 30th millimetergenau platzieren, die Lenkung selbst ist hyperdirekt übersetzt – sodass man beinahe zum Schluss kommen könnte, es wäre ein Quäntchen zu viel des Guten. Doch wer gerne aktiv am Lenkrad ist, dem kommt das doch gerade gelegen.

Wer es mit den Lastwechseln übertreibt, erntet neben immerwährendem Grinsen ein leichtes Heck, das gern zum Schieben „über alle Viere“ führt. Auch beim scharfen Anbremsen führt der pavianrote Hintern ein fröhliches Eigenleben, wird jedoch vom feinfühligen ESP im Zweifel eingebremst. Tatsächlich regeln muss es selten. Chapeau, Peugeot! Der Jubiläums-GTi ist so viel besser als sein kleiner Standard-Bruder.

Wie so oft liegen jedoch Freud und Leid sehr eng beieinander. Ist der 208 GTi 30th für die Landstraße wie geschaffen, so wenig ist er für die langweiligste (weil meist gerade) Verbindung zwischen zwei Punkten gebaut: die deutsche Autobahn. Hier fahren ihm die davon, denen er eben auf dem kurvigen Zubringer noch um die Ohren gefahren ist. Nicht, weil das Auto nicht könnte, sondern weil der Fahrer Geschwindigkeiten über 150 Km/h nur auf einer topfebenen und bestenfalls dreispurigen Bahn fahren kann. Querfugen, Boden- und Spurrillen setzen der Stabilität des Peugeot dermaßen zu, dass mindestens zwei Spuren zum Nachkorrigieren benötigt werden. Und aufgrund der spitzen Lenkung sollte man das äußerst behutsam tun. Nein, für die autoroute allemande ist der 208 GTi 30th nur dann eine Wahl, wenn man das Schnellfahren anderen überlässt. Aber das können ja eh viele.

Lässt man es ruhig angehen, kann man sich neben des recht niedrigen Verbrauchs (im Schnitt brauchten wir über rund 1.500 Kilometer 7,8 Liter Super Plus pro 100 Kilometer) über das detailreiche Interieur freuen. Zahlreiche rote Ziernähte, die hochgesetzten Instrumente und das darunter platzierte kleine Lenkrad mit roter Mittenmarkierung sind schön fürs Auge und fassen sich gut an. Die Hartplastik-Türverkleidungen mit kratzempfindlichem Softtouch-Zuziehgriff wirken leider immer noch billig und auch die Sportsitze sehen zwar toll aus, sind aber zu weich gepolstert und bieten zu wenig Seitenhalt. Sie könnten zudem tiefer montiert sein. Die richtige Sitzposition zu finden erfordert ebenfalls Übung und Zeit, vor allem für Großgewachsene. Die können bei einer fahraktiven Einstellung die Instrumente nur noch zur Hälfte ablesen.

Zumindest am Infotainment-System soll’s nicht scheitern. Das ist im Grundpreis von 27.590 Euro für den 208 GTi 30th bereits inklusive Navigationssystem und Telefonanbindung enthalten. Im Testwagen funktionierte es problemlos, rechnete schnell und ohne Ausfälle. Abgesehen von der Sportausstattung ist im Jubiläumsmodell so gut wie alles drin, was bei der (dafür im Grundpreis günstigeren) Konkurrenz Aufpreis kostet: Klimaautomatik, Tempomat und Regensensor sind Serie, Spielereien wie ein verstellbares Fahrwerks- oder Motorprogramm gibt es bei Peugeot nicht. Schmerzlich vermissen wir Xenon-Scheinwerfer: Die verbauten Teelichter sind einem so schnellen und teuren Kompakten nicht würdig. Für längere Etappen auf der (meist langsamen) Autobahn stünde dem Innenraum auch eine Mittelarmlehne nicht schlecht. Ob man sich die 1.500 Euro teure rot-schwarze Außenlackierung gönnt, ist Geschmacksache. Sie steht ihm und erregt einige Aufmerksamkeit.

Selten hat ein starker Kompaktwagen trotz oder vielleicht sogar wegen kleiner Schrulligkeiten so viel Spaß bereitet wie der 208 GTi 30th. Selten hat man sich nach einer Kurve schon wieder so auf die nächste gefreut.

Technische Daten*

Modell: Peugeot 208 GTi 30th anniversary edition
Motor: Reihen-Vierzylinder, Turbolader, 1.598 ccm
Leistung: 208 PS (153 kW) bei 6.000 U/min
Drehmoment: 300 Nm bei 3.000 U/min
Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch (ECE): 5,4 l/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 6,5 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 230 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 3,96 M /1,82 M /1,45 M
Gewicht: 1.190 Kg
Grundpreis: 27.590 Euro

*Herstellerangaben

Fotos: Felix Maurer für evocars

Eine Antwort

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.