Jetzt also auch Mercedes. Der Urvater von G-Klasse und Unimog lässt sich herab auf die Ebene der Cross-Over-Kombis. Als wären Audi A6 Allroad, Passat Alltrack oder Volvo V90 Cross Country nicht genug, ziehen die Stuttgarter Autobauer jetzt mit einem E-Klasse Kombi nach, der mit Plastikschürzen und einem Schlechtwegefahrwerk versucht, verloren geglaubten Boden wieder gut zu machen.

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Nur diesen Boden muss uns erst einmal jemand zeigen? Ist Mercedes nicht derzeit schon im Absatz von Premium-Fahrzeugen vor BMW und Audi? Ja das sind sie. Verkaufen sich die neuen (unserer Meinung nach sehr gelungenen) Modelle von der C-Klasse bis zum dicken S-Benz nicht wie geschnitten Brot? Doch das tun sie. Also warum nur, muss eine Marke wie Mercedes diesen Lifestyle-Schi-Schi bloß mitmachen? Beim GLE Coupé hat man es ja noch irgendwo verstanden, dass die Schwaben das Feld nicht ganz den Bayern überlassen wollen – alte Gebietsrivalitäten und so. Aber hier?

Volvo hat die Klasse der höhergelegten Plastikbomber 1997 eröffnet, Audi zog ab den frühen 2000ern nach. Damals, als der SUV Boom noch nicht die ganze Welt erreicht hat, waren die Offroad-Kombis ja witzig anzusehen. Wurden sie doch zumindest als Gebrauchter oftmals auch von Leuten benutzt, die wirklich mal im Wald oder auf Feldwegen herumgefahren sind. Aber mit einem E-Klasse Kombi auf die unbefestigten Wege im dunklen Schwarzwald? Das können wir uns kaum vorstellen.

Zwar bringt der „All-Terrain“ genannte T-Kombi serienmäßig ein Luftfahrwerk und natürlich den 4-Matic Allrad mit sich. Aber wer soll ihn nutzen? Mama, die ihre Kinder in die Schule und anschließend zum Yoga-Kurs fährt? Oder Papa, der morgens vor Hamburg oder München zwei Stunden im Stau steht? Dafür braucht man weder einen Allrad, noch eine Bodenfreiheit von maximal 156 mm.

Mit einem Basispreis von ca. 55.000 Euro wird der PVC beplankte Benz auch nicht unbedingt in das Budget von braun gebrannten Kite-Surfern oder angematschten Downhill-Mountainbikern fallen, die mit viel Equipment möglichst nahe an ihren Traumstrand oder Hausberg fahren wollen. Und als wäre der Preis nicht gesalzen genug, erhält man dafür lediglich den (neu entwickelten) Einstiegsdiesel mit 2.0 Liter Hubraum und keinen 200 PS. Dass man damit nicht die Wurst vom Brot zieht, dürfte bekannt sein.

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Wer um Himmels Willen wirklich meint, er braucht irgendwas Aufgebocktes um damit in den drei Jahren Leasingzeit die er hat, doch ein oder zwei Mal durch ein Matschloch in der Kiesgrube fahren zu müssen, der ist mit einem Land Rover Discovery (das neue Modell steht für 2017 ebenfalls in den Startlöchern) deutlich besser bedient. Dieser kann dann zumindest wirklich den Stau auf der Autobahn über den Grünstreifen – auch mit Böschungswinkel – überwinden, ohne, dass die Hartplastikverkleidungen oder der Unterfahrschutz ein Fall für die Straßenmeisterei werden.

Für alle anderen, die jetzt trotzdem denken: genau das brauche ich: Der Plaste- und Elaste-Benz wird erstmals auf dem diesjährigen Automobilsalon in Paris der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Bei den Händlern steht der Wagen dann voraussichtlich ab Frühjahr 2017.

2 Responses

  1. Oli

    Denn Sinn würde ich auch in Frage stellen, aber in meinen Augen ist es ein sehr schönes Fahreug geworden. Da könnte ich schwach werden. Allerdings ist 2.0 Liter wirklich kleingeraten für so ein Fahrzeug

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  2. Roman

    Nun…

    bei Volvo ist es klar, wer mal in Skandinavien und dort vor allem in ländlicheren Gegenden war, weiß welche Autos da rumfahren – genau höhergelegte Kombis (nicht Asphaltierte Strassen + Winter). Der V90 hat auch über 200 (glaube insgesamt 210 bei Stahlfederung) mm Bodenfreiheit. Aber die E-Klasse mit 156? WTF?! Ein Mazda 6 hat 130. Macht auch in Deutschland eher begrenzt Sinn und für die Märkte, für die so ein Auto gedacht ist noch weniger.

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