Audi hat die Weltöffentlichkeit sichtlich überrascht. Nicht etwa damit, dass der Q8 als seriennahe Studie nun endlich in Detroit einem breiten Publikum vorgestellt wurde; sondern eher dadurch, dass sie so lange für diesen Schritt gebraucht haben. Schließlich feiert der BMW X6 bei der Markteinführung des Q8 in 2018 bereits sein zehnjähriges Modelljubiläum. Selbst Daimler, generell eher konservativer Natur, brachten mit dem GLE Coupé bereits 2015 einen – nicht weniger polarisierenden – X6 Konkurrenten auf den Markt.

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Man sollte also meinen die Ingolstädter Autobauer hätten genug Zeit gehabt, um aus den Fehlern der Anderen zu lernen. Wenn schon ein unförmiges Geländeteil mit coupéhafter Silhouette, dann hätte es schöner sein müssen als ein BMW X6 oder eben betont hässlicher als ein Mercedes GLE. Aber wie so oft in diesen Tagen steht Audi auch dieses Mal wieder genau zwischen den Fronten. Der Q8 scheint weder Fisch noch Fleisch zu sein. Er ist weder richtig abstoßend, noch möchte man sich mit diesem Wagen gerne bei den Schwiegereltern blicken lassen.

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Der (gigantische) achteckige Singleframegrill mit den futuristischen LED-Scheinwerfern und den riesigen Lufteinlässen gleicht mehr einem römischen Streitwagen als einer Familienkutsche mit Platz für Vier. Seitlich hingegen geht das Konzept des großen Coupés im Großen und Ganzen auf. Fast schon grazil flacht das Dach hinter der B-Säule ab, um dann mit dem Heck förmlich zu verschmelzen. Durchgehende Lichtbänder, seitliche Luftauslässe und ein Spoiler, der den großflächigen Dachzug kaschieren soll, markieren schließlich das Ende des Luxus-Coupés, welches von hinten irgendwie aussieht wie ein Porsche Macan in Extra Large.

Aber auch an diese Fahrzeugform werden wir uns auf kurz oder lang gewöhnen und trösten uns bisweilen mit dem Gedanken, dass man Geschmack nicht kaufen kann. Aber vielleicht ein ökologisches Gewissen? Denn mit diesem wirbt Audi ganz unverblümt. Allen voran der e-tron Schriftzug in der Frontschürze (und am Lenkrad) soll zeigen: da hat sich jemand für ein umweltbewusstes Zwei-Tonnen-Auto entschieden, das mittels 3.0-Liter-V6 und Hybridantrieb nur rund 2.3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Vorausgesetzt die 17.9 kWh-Batterien haben vorher zwei Stunden an der Ladestation gehangen.

Ohne das Strom-Plus wird es sonst nämlich schwer, mit dem 449 PS starken Trum (333 PS V6 und 116 PS Elektroeinheit) die angepeilte Gesamtreichweite von 1.000 Kilometern zu erreichen. Abgesehen von diesen Zahlenspielen ist das eigentliche Highlight sowieso der Innenraum des Audi Q8. Wo den Betrachter auch gleich die Frage überkommt, ob man den Q8 nicht lieber hätte auf der CES in Las Vegas präsentieren sollen, statt auf der altehrwürdigen Auto Show in Detroit.

Denn der Q8 fährt mit allen Technikspielereien auf, die sich derzeit Autoindustrie und Wissenschaft für die nächsten Jahre zusammenreimen. Autonomes Fahren wird da fast schon zu einer Nebensächlichkeit. „Augmented Reality“ scheint eher das Stichwort gewesen zu sein, dass die Ingenieure beim Q8 Konzept umgetrieben hat. Also auf Deutsch: die reale mit der digitalen Welt im Sichtbereich verschmelzen zu lassen. Sozusagen Pokémon Go im Straßenverkehr.

Ein weiterer Punkt im Q8 Innenraum ist die Volldigitalisierung nahezu aller Schaltelemente. Lediglich am Lenkrad sollen sich zukünftig Druckknöpfe befinden. Alle anderen Bedienelemente lassen sich mittels Wischfunktion oder per hochauflösender Touchscreens bedienen. Wer jetzt meint, der Q8 sei noch Zukunftsmusik: der nächste Audi A8 (2017) soll viele dieser Design- und Technikelemente des großen Geländewagens übernehmen. Preise für den Audi Q8 sind bisher noch nicht bekannt. Wir gehen allerdings davon aus, dass er in der Einstiegsvariante, womöglich mit 3.0 TDI, für knapp unter 70.000 Euro zu haben ist.