Ja, wir dürfen S1 zu ihm sagen. Ja, wir dürfen von Hand schalten. Nein, er kostet kein ganzes Vermögen. Audi hat die Legende wiederbelebt. Zumindest dem Namen nach. Mit einem feuerspuckenden Spoilertier hat der neue S1 natürlich nicht viel gemein, aber – und das ist das wirklich erstaunliche – die Ingolstädter haben hier wirklich sehr viel sehr richtig gemacht. Denn im S1 – der als Dreitürer und Sportback zu haben ist – plärrt kein kleiner 1400er mit Höchstaufladung, hier spielt der feine 2.0 TFSI aus dem großen Bruder S3 auf. Zwar nicht in voller Mannstärke, aber 231 PS haben sie dem Kleinen zum Spielen gelassen. Das sollte reichen, zumal in Kombination mit den fetten 370 Nm. Dreihundertsiebzig Newtonmeter. In einem Kleinwagen!

Und weil diese Daten ein ordentlichen Potenzial bieten, der Konzern ansonsten aber dafür bekannt ist, etwaige Krawallmöglichkeiten im Keim zu ersticken und mit DSG-Schaltungen und Frontantrieb zu beschneiden, die vielleicht beste Nachricht: quattro und Handschaltung. Gut, zwar hat es wieder nur zur bekannten Teilzeitlösung mittels Haldex-Kupplung gereicht, aber immerhin. Die Ingolstädter versprechen dafür mit Nachdruck ein sportlich abgestimmtes ESP, das sich zweistufig abschalten lässt. Zudem soll durch Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern eine torque-vectoring-Funktion durch selektive Momentenverteilung erreicht werden.

Audi-S1_Sportback-(10)

Beim Fahrwerk hat sich Audi ebenfalls nicht lumpen lassen. Adaptive Dämpfer gibt es sogar serienmäßig und an der Hinterachse flog die günstige Verbundlenkerachse zu Gunsten einer Vierlenker-Variante raus. Eine angepasste elektrische Servolenkung und neue Schwenklager vorne sollen darüber hinaus die Einlenkerei agilisieren. Bremsen gibt es auch, mit 310 Millimeter passen diese sogar nur knapp unter die serienmäßigen 17-Zöller. Aber auf Wunsch hält die Audi-Preisliste natürlich auch größeres parat. Wie auch Bose, MMI-Navi, WLAN-Hotspot und andere Gimmicks weiterhin zu haben sind.

Das Gute aber ist: Man kauft ihn am Besten nackt. Die Xenon-Brenner für den bösen Blick sind eh serienmäßig und wenn man in 5,8 Sekunden auf 100 schießt (5,9 im Sportback), dabei sowohl den brandneuen MINI Cooper S und all die anderen Hot Hatches ausbeschleunigt, hat man eh keine Zeit für ablenkenden Komfort-Nonsens. Und auch bei 250 km/h Topspeed kann man auf zusätzlichen Schnickschnack verzichten. Denn im S1 geht es ums Fahren. Und das ist gut so. Denn nichts anderes erwartet man von einem echten S1. Hut ab Audi!

Was? Wir konnten euch noch immer nicht vom neuen Audi S1 überzeugen? Dann vielleicht so: Zu haben ist die kleine Granate für unter 30.000 Euro, der Sportback liegt mit 30.800 Euro nur knapp drüber.

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