Schon seit Monaten geistert der jüngste Nissan-Marketing-Coup durch die Presse – der Juke-R. Kontrovers wird diskutiert, was vom Kompakt-Urban-SUV mit dem Motor des Nissan GT-R unter der Haube zu halten ist. Doch wie der wohl extremste Juke aller Zeiten tatsächlich einzuordnen ist, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Na dann …

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Wir schreiben das Jahr 2057. Unser Superheld ist müde. Den ganzen Tag war er wieder in seinem Nissan Leaf GT-R auf Verbrecherjagd. Das allradgetriebene Elektrofahrzeug mit Gasturbinen Range Extender ist mit seinen 620 kw und 1.600 Nm ein treuer Partner im Kampf gegen das Böse. Trotz Panzerung der Widerstandsklasse B7 wiegt der Vollcarbon Bolide nur knapp 1,6 Tonnen und schafft mit einer Erdgasfüllung rund 800 Kilometer. Vorausgesetzt, die Turbinenleistung wird nicht ausschließlich für den ultimativen Vortrieb mit bis zu 330km/h genutzt, sondern hauptsächlich zum Laden der Radionuklidbatterien. Und trotzdem, dem Superheld fehlt etwas, der letzte Kick. Da helfen auch die 2,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h nichts. Das ist der Augenblick, in dem sich unser Protagonist aus seinem Loft im Zentrum der 20 Millionen Metropole zu einer kleinen, gut gesicherten Wellblechgarage in einem der weniger noblen Vororte schleicht. Hier hält er ihn versteckt, den Anachronismus aus einer lang vergangenen Zeit, den Nissan Juke-R.

Nissan Juke-R Test Wallpaper (32)

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Was war das 2011 für ein Aufschrei. Warum macht man sowas nur? Die komplette Antriebseinheit eines Nissan GT-R unter die kontrovers diskutierte Hülle eines Kompakt-SUV stecken, dem Nissan Juke. Die Antwort war damals relativ simpel: Weil der japanische Hersteller es so wollte. Und der Erfolg gab ihm Recht. Der Produzent, der Anfang des 21. Jahrhunderts mit dem Sportwagen GT-R nur ein wirkliches Glanzlicht in der Produktpalette hatte und sonst eher durch biedere Massenware auffiel, wurde durch den Erfolg des hochbeinigen Viertürers Juke motiviert, wieder aggressiver die Werbtrommel für die 1933 gegründete Marke zu rühren. Da war das mattschwarze Juke Monster genau der richtige Paukenschlag und wurde damals massiv in den Medien gefeiert.

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Unser Superheld hatte Glück, als er 2033 den ersten produzierten linksgelenkten Juke-R günstig aus dem Nachlass eins Sportwagensammlers erwerben konnte. Seit diesem Tag hütet er das Kraftmonster wie seinen Augapfel. Es ist schon der leicht süssliche Geruch von hochoktanigem Sprit,
wenn er die Garage öffnet. Dieser Schlüsselreiz verursacht schlagartig Gänsehaut. Besonders, weil diese Kraftstoffsorte heute kaum noch zu erwerben ist und er sie verbotenerweise in mehreren 150 Liter Fässern in seiner Garage lagert. Jeder im 3,8l V6 Biturbo Triebwerk verbrannte Liter kostet ihn dabei auch ein Vermögen, seit der Erhöhung des Steueranteils für Kraftstoffe auf knapp 80% pro Liter. Doch jeder Cent ist es Wert, wenn er dem rund 4,1 Meter langem, 1,8 Meter breitem und 1,5 Meter hohem Gefährt die Sporen gibt. Auch 2057 beeindruckt das 2011 fortschrittlichste Allradsystem, dass die Kraft elektro-hydraulisch an alle vier Räder verteilt. Die Folge: Traktion in allen Lebenslagen. Diese braucht der 1,8 Tonnen Juke aber auch, wenn die zwei Turbolader das Benzin-Luft-Gemisch mit vollem Ladedruck in die sechs Brennräume pressen. 485 PS spürt dann unser Superheld in seinem Schalensitz samt Sechspunkt-Gurt. Noch beeindruckender ist aber das Drehmoment: Über das Doppelkupplungsgetriebe den richtigen Gang angewählt, reißen schlagartig 612 Nm an den 20 Zoll Rädern, für die es heute kaum noch die passenden Reifen gibt.

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Doch die Krönung ist der Klang! Sowas kennen die meisten Menschen Ende der 50er des 21. Jahrhunderts gar nicht mehr und drehen sich verschreckt um, wenn der Juke-R mit bis zu 257 km/h an ihnen vorbeibrüllt. Das heisere raue röcheln des V6 in Kombination mit dem Sirren der Turbinen ist Musik in den Ohren des Verbrechensbekämpfers und gleichzeitig sein Erkennungszeichen, wenn er Nachts den Nissan durch die leeren Straßen der Vororte treibt. Die Kurventempi sind dabei aberwitzig. Trotz des kurzen Radstandes und des hohen Schwerpunktes findet unser Superheld auch nach längeren Fahrpausen immer wieder sofort Vertrauen in das Fahrverhalten des Über-SUV. Und sollte er es doch einmal etwas übertreiben, die feinfühlige Fahrzeugelektronik rettet ihn zuverlässig.

Wieder zu Hause in seinem Loft angekommen, blättert unser Mann entspannt und zufrieden in seiner Sammlung von zeitgenössischen Zeitungsartikeln über seine automobile Rarität. Die Nissan Roadshow war 2012 so erfolgreich, dass man sich in Japan entschloss, den Juke-R in Kleinstserie zu bauen. Für 450.000 Euro. Wieviele es in Summe waren, wurde nie bekannt gegeben. Zu exklusiv waren die Kunden damals. Nur eins ist klar: In der Garage unseres Superhelden knistert nach heissem Ritt der erste seiner Art. Im Mai 2012 auch getestet von unserem Redakteur Axel Griesinger. Sein Kommentar zum Juke-R: „Was ein beeindruckendes Erlebnis“

evocars-Redakteur Axel Griesinger

Fazit: Nun, wie fährt sich denn jetzt der wie ein Batmobil anmutende Juke-R? Ehrlich gesagt unspektakulär. Wobei diese Aussage natürlich ins rechte Licht gerückt werden muss. Das matt-schwarze Power-SUV fährt sich kaum anders als ein serienmäßiger Nissan GT-R. Wie dieser ist er vollkommen alltagstauglich, so lange man die 485 PS nicht provoziert. Ein Beschleunigungs- und Traktionsmonster, wenn man die Zügel locker lässt. Doch wer macht das schon bis an die Haftungsgrenze, wenn man weiß, es handelt sich um eins von derzeit zwei Einzelstücken (ein Links-, ein Rechtslenker)?

 

 

Bilder: Stefan Bischoff