Stramme 46.050 Euro ruft Ford für den RS500 auf. Zu viel für einen folierten Focus mit 350 PS? EVOCARS stellt den stärksten Ford auf die Probe und macht mit dem 265 km/h schnellen Aggro-Kracher die norddeutsche Tiefebene unsicher.

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Zusammen mit Bekannten einen gemütlichen Spielabend machen, oder mit sexy Nutten die Nacht beim Black-Jack durchmachen? Wer sich für einen Ford Focus RS500 begeistern kann, der hat auch seine Wahl in Sachen Abendgestaltung schon getroffen. Zu rotzig, zu aggressiv, zu porno ist der 350 PS starke Ford, als dass er in die Mainstream- oder nachbarschaftskonforme Schublade passen würde. Schon beim ersten Kontakt mit dem mattschwarz-folierten, bespoilerten und zerklüfteten Aggro-Focus ergreifen brave Familienväter die Flucht, während bei bedingungslosen Hot-Hatch-Fans der Puls auf 100 Schläge pro Minute schießt.

Schon beim Druck auf den Startknopf tritt ein breites Grinsen aufs Gesicht des Wissenden und ängstliche Naturen im Umfeld des RS500 suchen verstört das Weite. Aus den beiden gewaltigen Endrohren ertönt ein heiseres Fünfzylinder-Schnauben, das von der Arbeit des Turbo-Babys unter der Haube zu berichten weiß. Schon im Leerlauf macht das auf 350 PS erstarkte und 460 Newtonmeter auf die Welle schmeißende Aggregat keinen Hehl aus seinen Absichten: Kurvenräubern, Landstraßen-Kilometer fressen und vermeintlich stärkere Boliden ärgern. Und das gelingt dem auf 500 Exemplare limitierten Bösewicht aufs Trefflichste.

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Fest umklammern den Piloten die roten Recaro-Sportsitze mit RS-Schriftzug, übel zischelt das Blow-Off-Ventil bei Gaswegnahme und Turbo-Überdruck, dumpf donnert der ins Cocpkit geleitete Sound aus dem Motorraum. Achtung! Suchtgefahr. Zwar gib Ford den Durchschnittsverbrauch des RS500 mit 9,9 Litern SuperPlus an, doch angesichts von Soundkulisse und Spaßpotenzial ist diese Zahl aberwitzig untertrieben – 15 Liter und mehr sind einem RS500-Piloten trotzdem schei***egal.

Nach 5,6 Sekunden flitzt die 100er-Marke auf dem Tacho vorbei. Vom Gas zu gehen fällt allerdings verteufelt schwer. Die Sucht ist bereits zu stark. Wer’s richtig fliegen lassen will, hat entweder einen Ersatz-Führerschein im Nachttisch-Schränkchen oder flieht von der Landstraße auf die Autobahn. Hier werden auch BMW M3 und Audi S4 zum RS500-Futter. Immerhin darf sich der limitierte Schwarz-Ford bis Tempo 265 vergnügen. Dass es ab 180 Sachen etwas laut im Cockpit wird, jenseits der 230 km/h eine harte Hand am Lenkrad gefordert ist und dass Topspeed-Knüppeln nicht das Lieblingsding des 500er ist, muss hingenommen werden.

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Ohnehin sieht sich der wohl extrovertierteste Serienwagen der Welt mehr als Kurvenräuber, denn als Geradeausrenner. Bei trockener Fahrbahn muss er sich nicht einmal Allrad-Könnern wie dem Mitsubishi Evo X geschlagen geben. Nach einem kurzen Durchdrehen der Vorderräder zerrt der RS500 vehement nach vorne, hält Antriebseinflüsse aus der Lenkung fast vollständig heraus und liebt es, auch enge Kurven oder Vollgas-Auffahrten beängstigend souverän zu meistern. Großes Lob an die neu entwickelte Revo-Vorderachse.

Ob die Fahrleistungen auf Landstraße und Rennstrecke allerdings tatsächlich besser sind, als im Serien-RS mit 305 PS und 440 Newtonmeter Drehmoment, entzieht sich unserer Kenntnis. Fakt ist: Der RS500 ist 0,3 Sekunden schneller als ein RS, fährt zwei km/h schneller und mobilisiert sein 45-Zusatz-PS aus größere Benzinpumpe, Luftfilter, Intercooler und Auslasskrümmer. Samt angepasster Steuerelektronik und erwähnter Folierung, durchnummerierten Nummern-Plaketten im Innenraum und RS500-Schriftzügen wird der limitierte Ford zur echten Wertanlage – leider.

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Denn vom Ford-Presse-Vize erfahren wir: „So wie es aussieht, werden fast alle der 55 deutschen Exemplare des RS500 in Sammlungen verschwinden und nicht auf der Straße zu sehen sein.“ Was für eine Schei***! Solch ein begnadetes Auto seinem vorbestimmten Lebensraum vorzuenthalten ist aus unserer Sicht ein Frevel sondergleichen. Doch ein Ausweg ist in Sicht: Wer keinen der insgesamt 500 Wagen abbekommen hat, der kann sich seinen Focus RS zum RS500 umbauen lassen. Und das mit dem Segen von Ford. Der britische Spezialist Mountune Performance verpasst dem RS die gleichen Zutaten, die auch schon dem 500er zu mehr Power verhelfen. So stimmen auch die Leistungs- und Fahrdaten nach der Brit-Kur überein.

Lediglich 2.353 Euro ruft Mountune Perfomance für den Umbau auf. Hinzu kommen noch die Folierung und das rote Gestühl, das nur auf halb-legalem Wege vom Ford-Dealer bezogen werden kann. Die nummerierten Plaketten gibt’s allerdings nicht für Geld und gute Worte. Macht nichts! Zusammen mit dem 35.900 Euro teuren Focus RS ergibt das Zubehör-Paket trotzdem den ultimativen RS-Xtrem. Nur, dass dieser Wagen wohl kein Wertsteigerungspotenzial aufweisen kann und daher seinem Lebensraum nicht vorenthalten wird. Also, wer nach durchzechter Black-Jack-Nacht noch knapp 40.000 Euro übrig und Bock auf Halli-Galli hat, dem sei letztgenannter Weg wärmstens ans Herz gelegt.

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Galerie

Technische Daten:
Modell: Ford Focus RS500
Motor: Fünfzylinder-Reihemotor, Turbolader, 2521 ccm
Leistung: 350 PS
Drehmoment: 460 Newtometer
Antrieb: Vorderrad, Sechsgang-Manuell
Gewicht: 1470 kg
Verbrauch: 9,9 L/100 Km
0-100 km/h: 5,6 sec.
Vmax: 265 km/h
Preis: ab 46.050 Euro