Ford hatte uns eingeladen, seine neuesten Errungenschaften zur Probe zu fahren. Als da wären: der Kleinstwagen Ka+, ein SUV namens Edge und natürlich das Facelift des Ford Kuga. Nun – zugegeben, so interessant die Neuerungen im Klein- und Mittelklasse-Segment alle waren, in diesen Bereichen haben wir den Kollegen der Lokalpresse den Vortritt gelassen, die sich altersbedingt eher schwer taten, in den Schalensitzen von Focus RS, Fiesta ST und den tiefen Ledersesseln – unseres – Ford Mustangs Platz zu nehmen. Wie jetzt, wir hatten die Möglichkeit einen Fiesta ST zu fahren und kommen mit einer Pony-Story daher? Keine Panik – den Fiesta ST stellen wir euch demnächst noch sehr viel genauer vor.

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Jetzt kommt aber erst mal die Story zum Ford Mustang GT Cabriolet. Und dieser Text soll kein Fahrbericht sein, sondern ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zur automobilen Unvernunft bestehend aus der Kombination: Cabriolet + 5.0 Liter V8 + Handschalter! Wer da nicht ins Schwärmen gerät, hat unserer Meinung nach mit Autos nicht viel am Hut, oder wurde bereits von der Industrie derart auf’s Downsizing „geblitzdingst“, dass sowieso schon alles zu spät ist. Ford (Deutschland) selbst scheint sich mit dem Steinzeit-Import aus dem US-Hauptsitz nicht ganz so wohl zu fühlen und presst den durstigen Dino auf dem Präsentations-Hof zwischen umweltfreundliche Kleinstwagen und komisch dreinblickende Geländeviecher. Man könnte fast Mitleid bekommen mit dem Pony. Also schnell raus mit ihm auf die asphaltierte Weide.

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Am Tag unserer Ausfahrt war es zwar durchaus neblig, nass und kalt – aber das alleine ist kein Grund das Dach unseres Amis geschlossen zu halten. Also auf mit der Stoffmütze, Iggy Pop als Hintergrundmusik eingestöpselt und den Fünfliter-Vau-Acht bis ans Limit getrieben. Verdammt – wir hatten ja fast schon vergessen, wie gut ein Handschalt-getriebe mit einem großvolumigen Saugmotor sein kann! Wen jucken da 17.5 Liter Durchschnittsverbrauch? Das nimmt sich ein Eco-Boost auch, wenn man ihn richtig herausfordert! Der Mustang will den Sprit, er bekommt ihn auch! Und das komische daran ist, trotz allgemeiner Downsizing-Hysterie fühlt sich diese automobile Unvernunft nicht einmal schlecht an. Uns plagt beim Tritt auf das Gaspedal kein schlechtes Gewissen. Denn wir wissen: Insgesamt betrachtet, schädigen wohl die in Zukunft produzierten Ford Ka+ mit 1.2 Liter Motörchen die Umwelt mehr durch ihre Abgase, als eine Handvoll Ford Mustangs mit einer 5.0 Liter Maschine.

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Wir fahren also gemütlich durch das Rhein-Neckar-Land um Sinsheim herum und lauschen den Klängen dieses Sahnemotors. Selbst Iggy-Pop ist mittlerweile verstummt – auch er lauscht wohl der inbrünstigen Gewalt aus 4951 cm³ Hubraum. Bereits bei unserem ersten Fahrbericht zum neuen Mustang – vor ziemlich genau einem Jahr – haben wir festgestellt, dass nicht nur der Motor, sondern das gesamte Auto ziemlich gut geworden ist. Das finden wir auch heute noch – interessiert allerdings im baden-württembergischen Hinterland freilich niemanden. Denn unser Musclecar nimmt man eigentlich kaum als solches wahr. Er ist ja auch kein Mercedes-AMG – unser Mustang. Und so fällt uns bei der Fahrt durch die Dörfer ein Rentner auf, der den GT zwar kurz wahrnimmt, sich dann aber sofort wieder darum kümmert, im dichten Nebel seinen alten 190er Mercedes zu putzen – man könnte jetzt gemein sein und schreiben, er tut dies im Nebel, damit er die ganzen Rostflecken nicht so stark zu Gesicht bekommt.

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Da wir aber nicht so gemein sind, geht es weiter im Text – ohne Mercedes. Dafür aber mit viel automobiler Leidenschaft made in USA. Denn wer dieses Auto entwickelt hat, der hat beileibe sehr viel Leidenschaft in dieses Vehikel einfließen lassen. Zwar gibt es hin und wieder noch den – preisgünstigen – Eindruck eines Amis zu bemängeln – was das Fahren angeht, gibt es allerdings keinerlei Zweifel wer dieses Auto gebaut hat und für wen es gebaut wurde! Wir würden sagen: Von Könnern, für Könner! Denn deaktiviert man die Fahrhelferlein und gibt dem Pony die Sporen, verlangt es nach harten Zügeln um nicht zum biestigen Mustang zu werden. Und dieser Rodeo-Ritt macht vor allem eines: Verdammt viel Spaß!

Vor allem das Getriebe verdient ein großes Lob und hilft die Kraft im Zaum zu halten. Es ist zwar nicht das Beste der Besten. Aber es passt zum 5.0 Liter Motor und dem ganzen Wesen des großen GTs. Und ganz wichtig: Es gibt ihn überhaupt (noch) als Handschalter – liebe deutsche V8 Konkurrenz. Der einzig wirkliche Kritikpunkt, der uns bei unserer Sause durchs Badische aufgefallen ist, bleibt das Gewicht. V8 auf der Vorderachse und zusätzliche Cabrio-Pfunde rundherum fordern natürlich irgendwo einen Tribut. Irgendwo heißt im Falle des Mustangs vor jeder halbwegs engen Kurve. Gut, dass die Bremsen das dicke Pony stets wieder einfangen.

Unterm Strich gilt – sozusagen als großes Schlusswort: Der Ford Mustang gehört zu einer aussterbenden Fahrzeuggattung. Vielleicht merken das einige erst, wenn es bereits zu spät ist. Denn auch Ford wird überlegen, wie es denn mit dem durstigen Dinosaurier weitergeht – jetzt wo die Verkaufszahlen zu schwächeln beginnen. Und vielleicht wird das Projekt Mustang auf kurz oder lang – zumindest in Deutschland – wieder ein Ende finden. Wir für unseren Teil hoffen darauf, dass nicht noch ein weiterer, handgerührter, großvolumiger V8-Sauger von den deutschen Straßen verschwindet und outen uns als bedingungslose Pony-Dinosaurier-V8-Fans.

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