Driven: Hyundai Veloster 1.6 Turbo

Hyundai setzt auf Emotionen. Man wünscht sich mehr Verbundenheit, mehr Gefühl für die Marke. Dazu braucht es aber neben guten Ideen im Marketing vor allem gute Ideen in der Konstruktion – ein Produkt das die Kunden heiß macht, dass sie begehren. Und eben solch einen Leckerbissen will man in Korea nun aus der Taufe gehoben haben. Futuristisch kommt es daher. Markante Radläufe, sportliche Linienführungen und ein unverwechselbares Heck. Es fällt auf, auf den Straßen rund um den Strand von Carcais, auf denen wir zur ersten Ausfahrt unterwegs sind. Die Rede ist vom neuen Hyundai Veloster.

Doch die Optik ist eben nur ein Faktor, Fahren muss er auch. Und das will er aber noch nicht recht.  Auf dem amerikanischen Markt mit 204 PS unterwegs, müssen wir mit derer 186 vorlieb nehmen. Einem breiteren Drehzahlbandband für den europäischen Markt seien die knapp 20 PS zum Opfer gefallen, so erklärt uns ein Hyundai-Entwickler.  Dazu passt weniger das Gefühl, dass wenn man zügiger beschleunigen will, das Steuergerät die Daten erst noch aus den Kennfeldern suchen muss. Es geht keineswegs langsam voran, aber das von 1.5oo – 4.5oo Umdrehungen konstant anliegende Drehmoment von 265 Newtonmetern lässt den Veloster Turbo nie so richtig spritzig wirken. 8,4 Sekunden von Null auf Hundert gibt Hyundai an. Für einen sportlichen Kompakten bekleckert sich der Veloster also nicht unbedingt mit Ruhm bei dieser Übung.

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Nun aber zum Fahren. Die Abstimmung ist zwar straff, aber im Allgemeinen dann doch weniger sportlich,  zu lasch gibt der Veloster dem Fahrer Rückmeldung. Zeitweise neigte er bei langen Bodenwellen sogar zum Nachschwingen der Hinterachse, obwohl im Vergleich zum Sauger-Veloster die Dämpferkennlinien und Federraten verändert und den sportlichen Ambitionen der Mehrleistung angepasst wurden. Doch Hyundai folgt hier dem Trend, denn auch bei anderen Mitbewerbern zeigt sich diese Eigenart. Unsere Bitte an die Entwickler deshalb: entweder komfortabler oder wirklich sportlich. Der Versuch beides zu kombinieren gelingt in der Praxis leider zu selten.

Was uns gefällt ist der Klang. Das Pfeifen des Laders bei geöffnetem Fenster hat Charme, dazu die leicht angespitzte Note aus den beiden mittigen Endrohren – fein! Muss man jedoch die Fenster schließen dringt nur noch wenig Sound in den Innenraum. Für einen Sportler schade, für ein Alltags-Auto durchweg positiv. Der Kompromiss zeigt sich also nicht nur bei der Fahrbarkeit des Motors, der Abstimmung des Fahrwerks, sondern auch beim Sound-Engineering. Keine Kompromisse gibt es hingegen bei der Austtattung. „Style“ und „Premium“ stehen zur Wahl, letztere serienmäßig mit Klimaautomatik, Tempomat, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Lederausstattung. Allerdings auch 2.200 Euro teurer als die „Style“ Variante, nämlich exakt 26.990Euro.

Man muss den Veloster einfach weniger als Sportler und tatsächlich mehr als Cityflitzer sehen. Funky im Design, ein wenig mehr Biss im Antritt als der Rest – fertig. Wirklich um die Ecke räubern heute sowieso nur noch die Wenigsten, warum also das Auto für eine kleine Zielgruppe unnötig anspitzen? Weil Hyundai auf Emotionen setzen möchte. Und eine Bindung zur Marke schafft man nur, in dem man die Kunden wirklich lockt. Mit etwas Einzigartigem, etwas besonderem. Standard und Mittelmaß bringen hier niemandem etwas. Warum also nicht dem Veloster richtig Beine machen und ein sportliches Fahrwerk und ein feines Mapping schenken? Vielleicht einen Turbo R?

Ersten Gerüchten nach wird Hyundai für das 24-Stunden Rennen 2013 am Nürburgring einen  Veloster Turbo vorbereiten. Vielleicht wird es also bald was mit einer echt scharfen Straßenversion, wir würden uns freuen.

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