Schönheit ist selten ein Problem. Vor allem: Schönes braucht meist nichts Begleitendes, muss nicht besser, schneller, stärker oder preiswerter sein. Schönheit allein macht begehrenswert. Doch sie trübt oft auch den Blick. Schönes muss gut sein. Und wenn nicht, dann sehen wir es nicht, weil wir es nicht sehen wollen.

Galerie (48 Bilder)

So auch beim Jaguar F-Type Coupé. Ein Automobil wie eine Skulptur. Geschaffen um zu begeistern. Selbst wenn es nicht fahren könnte – man würde es sich einfach hinstellen. Es anschauen, anfassen und hingerissen sein.

Schönheit ist alles. Oder muss man den Briten am Ende doch mit ganz normalen Maßstäben messen? Scheinbar soll man sogar. Stolz wird auf Aluminium-Bauweise verwiesen, auf eine hydraulische Servo, massive Bremsen, grobe Verwindungssteifigkeit und die serienmäßige Hinterachssperre.
Dazu stellen sie Dir das Auto dann auch noch auf die Rennstrecke. Selbstredend in der vollen Eskalationsstufe, als 550 PS starker R. Fast, so scheint es zumindest, als ließe sich die meterlange Haube nur mit Mühe über den mächtigen V8 stülpen, dessen Kompressor eigene Belüftungsöffnungen braucht, um nicht in der eigenen Glut zu schmelzen. Denn Feuer hat er, keine Frage. 680 Nm sind genug um jederzeit das Heck zuerst in die Kurve zu schicken.

Und genau hier liegt das Problem. Im Dynamic-Modus, also dem mit dem gelockerten Sicherheitsnetz und der extra direkten Gasannahme, dosierst Du den Vortrieb quasi digital. Entweder geht nix, oder direkt alles. Und alles ist meist etwas schwer zu reiten. Da bremst Du in heroischer Manier auf dem letzten Meter die Müllenbachschleife an, lenkst scharf ein und freust Dich über die Rasanz dieses Manövers, bei einer gleichzeitigen Transparenz, die moderne elektromechanische Lenkungen einfach nicht bieten können, um es dann im Scheitel zu versauen.

Jaguar-F-Type-(17)Gefühlvoll – dachtest Du zumindest – das Gas angelegt, doch die dynamische Adaption reißt Dir die Drosselklappe sofort auf Durchzug, lässt den Kompressor mit voller Macht anblasen und die Fuhre läuft direkt aus dem Ruder. Die Hinterachse hat nicht den Hauch einer Chance gegen das mächtige Drehmoment und schmiert, begleitet von einer dichten blauen Fahne verbrannten Gummis, cremig davon. Das F-Type Coupe ist in der R-Version einfach kein Sportwagen. Es ist ein hotrod, eine Meanmachine, ein Musclecar ältester Schule – keine feine Klinge, sondern der grobe Hammer. Und wenn man das verstanden hat, dann ist der Jaguar ein großartiges Auto. Schön, schnell und vulgär. Man muss es eben wollen.

Ein Charmeur, ein Auto zum Flanieren, zum Gutaussehen (und eben zum brutalen Bolzen), das ist der F-Type und diese Disziplinen beherrscht er fraglos besser als jeder 911. Und weil Kunden in dieser Preisregion ein Auto in größter Mehrheit nicht als Zeitenfeilen kaufen, wird das F-Type Coupé tüchtig einschlagen. Hier kann man ein bisschen Prolet sein, Kraftmeier und Wahnsinniger, muss kein Stratege sein, keine stete Analyse von Ideallinie und Streckenbeschaffenheit durchführen.

Technische Daten*
Modell: Jaguar F-Type R Coupé
Motor: Achtzylinder-V8-Benziner, Kompressor, 5000 ccm
Leistung: 550 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 680 Nm bei 2.500 U/min
Antrieb: Hecknatrieb, Achtgang-Automatik
Verbrauch: 13,2 Liter /100 Km Super+
0-100 km/h: 4,2 sek.
Vmax: 300 km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,47m/1,92m/1,31m/
Gewicht: 1650 kg
Preis: ab 103.700 Euro
* Herstellerangaben

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.