Über Land und auf’m Bilster Berg: Unterwegs im Jaguar F-Type

Wenn man einen üblichen Jaguar Artikel liest, ist dieser meist von Anfang bis Ende vollgespickt mit Raubkatzen-Metaphern. Zeit, einen Bruch zu machen. Denn der neue Jaguar F-Type verdient die volle Aufmerksamkeit und eine hohe Portion Respekt. Ein Fahrbericht ganz ohne Tiere, aber doch mit einem tierischen Gefährt.

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Erstbegegnung mit einer Neuentwicklung
Zum ersten mal davorstehend, kommt einem der ziemlich perfekt proportionierte F-Type etwas kleiner vor als erwartet. Zum Glück wurden Retro-Anleihen zum E-Type spärlich gehalten. Fast schon objektiv kann man nicht nur von einem eigenständigen, sondern sogar von einem wirklich hübschen Auto sprechen. Es gibt wenig zu bemängeln. Der lange Radstand und die ausgestellten Kotflügel strecken das Auto zu einer wahrhaft schönen Seitenflanke, die in einer sauber bespielten Front- und Heckpartie enden, die deutlich als Jaguar erkennbar und doch sehr besonders sind. Wenig unnötige Design-Spielerein lassen den F-Type jetzt schon zeitlos wirken.

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Der Innenraum: Sportliche Wohlfühlatmosphäre mit etwas Spielkram.

Schon beim ersten Probesitzen im sportlich geschnittenen Cockpit fühlt man sich sofort zuhause. Neben den hochwertigen Materialien springt einem die plausibel und vernünftig angeordnete Mitelkonsole mit Beifahrer-Haltegriff und Ziernähten ins Auge, die den farblich abgesetzten Startknopf und den Fahrmodus-Wählhebel in Goldbronze (Ausstattungsvariante) gut sichtbar beheimatet. Highlight sind die bei Benutzung ausfahrenden Lüftungsdüsen auf der Oberseite, die sich ansonsten zurückhaltend ins Design integrieren. Das ist zwar nicht neu und auch schon aus dem Phaeton bekannt – kommt aber schlichtweg geil.

Klangkünstler: der Motor

Die eigentliche Spielerei verbirgt sich allerdings unter der Haube. Wird der Startknopf gedrückt, erwaacht der fünf Liter große und 495 PS starke V8 des  F-Type V8 S zu äußerst klanghaften Leben. Dank Klappensteuerung geht dabei kein Dezibel verloren und die Umgebung erfreut sich ebenso am düster-sonoren V8-Bollern wie die Insassen. Der erste Test mit dem V8 S findet auf der Landstraße statt, und genau hier gehört der offene Sportler mit seinem Kompressor-Aggregat hin. Der Motor kreischt, sprotzt, ploppt und bollert aus den Endrohren, dass es eine wahre Freude ist – und die Legalität fast schon unglaubwürdig erscheinen lässt (sorry nochmal an den Dorfbewohner, der uns nach der Tunnel-Unterführung wilde Flüche vom Straßenrand entgegenschrie).

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Und so verkommt die reine Geschwindigkeit schon fast zur Nebensache, wenn man Munter an den etwas zu klein dimensionierten Schaltpaddeln der Acht-Gang-Quickshift-Automatik von ZF rupft. Runterschalten? Fehlzündungs-poltern gewürzt mit Zwischengas-Fanfare. Hochschalten? Knall-plopp-sprotz-Rennwagenatmosphäre! Heidewitzka, nur um des Schaltens willen beschleunigt man sich regelmäßig weit abseits der Führerscheinkonformität. Seinen Anteil hat daran aber natürlich auch die reine Fahrleistung – bis auf Tempo 100 vergehen nur 4,3 Sekunden und 300 km/h Endgeschwindigkeit wirken mehr als glaubwürdig und beliebig reproduzierbar.

Der Bilster Berg ruft – der F-Type S antwortet.

Als zweite Motorisierung konnten wir dem 380 PS starken F-Type S (Grundpreis: 84.900 Euro) auf den Zahl fühlen – und zwar richtig. Auf der neu geschaffenen Rennstrecke Bilster Berg, die mit ihrer ausgeprägten Topografie und ihren 19 tückischen Kurven jegliche Fahrdynamikschwächen rücksichtlos aufdeckt, musste sich der knackige Roadster mit seinen 1614 Kg Kampfgewicht und seiner Gewichtsverteilung von 50zu50 beweisen.

Das Ergebnis überzeugt. Der F-Type S gibt sich auch auf der Rennstrecke keine Blöße. Anteil daran haben auch das Adaptive Fahrwerk und vor allem das deutlich spürbare mechanische (Lamellen!-)Sperrdiferential, das im stärkeren der beiden V6-Modelle und im V8 S verbaut iat. Der F-Type gibt sich leichtfüßig, direkt, äußerst gut beherrsch- und berechenbar und ist dabei so spaßig zu fahren, dass man schon gar nicht mehr nach einem (längeren und schmaleren) 911er fragt. Übersteuern? Gar kein Problem, Mutti könnte driftend zur Arbeit fahren.

Doch auch auf der Jagd nach Bestzeiten ist der Fahrer eins mit dem Geheimfavoriten V6-S, der so unprätentiös schnell ist, wie man es von einem Jaguar eigentlich gar nicht erwartet. Nicht zu missachten ist auch der psychologische Faktor, denn der Dreiliter-Kompressor-V6 brüllt einen ebenso an wie der V8, klingt großvolumig und potent und lässt die fehlenden zwei Zylinder kaum vermissen, die auf dem Bilster Berg sicher kaum schneller den Kurs umrunden würden.

Allerdings kann der große Bruder mit einer nochmals größeren Bremsanlage punkten, als sie in unserem Rennstrecken-Tester verbaut ist. Doch auch die hier montierten 380 Millimeter messenden Scheiben vorn und 325er hinten schaffen Vertrauen. Sie ist gut zu dosieren und hält den Jag auch beim kräftigen Einstauchen sauber auf Kurs. Gleiches gilt für das zweistufig abschaltbare Stabilitätsprogramm, das relativ spät, dafür allerdings logischerweise recht ruppig agiert. Macht nichts, denn selbst im Nassen gibt einem der F-Type auch ohne Helferlein innerhalb von einer Runde so viel Vertrauen, dass man meint, Walter Röhrl wache persönlich auf dem Beifahrersitz.

Und auch für die Playstation-Generation wurde vorgesorgt: Über den Dynamic-Modus lassen sich nicht nur persönliche Einstellung für etliche Fahrzeugkomponenten einstellen, sondern auch Rundenzeiten und sonstige Spielereien anzeigen. Leider lässt sich auch dort nicht verhindern, dass die Schaltautomatik bei vollem Kickdown mal einen Gang runtersortiert – selbst wenn man das nicht möchte.

Fazit von evocars-Redakteur Maximilian Schneider: Selbst wenn man das Pilotieren von 911 und Co. gewohnt ist, gibt sich der neue Jag keine Blöße. Es gibt kaum etwas zu bemängeln an diesem kleinen Glanzstück von Jaguar, das zurecht auf dem Markt einschlägt wie eine Bombe. Als Kaufempfehlung und klaren Preis-Leistungs-Siegerkandidaten kann ich den V6-S nur empfehlen. Der Aufpreis von rund 15.000 Euro zum V8 ist nicht zwingend notwending, zumal man die sensationelle Optik des neuen F-Type auch schon beim Einstiegsmodell mit 340 PS bekommt.

Technische Daten*
Modell: Jaguar F-Type S Jaguar F-Type V8 S
Motor: 

Sechszylinder-V-Motor,

Kompressor, 2995 ccm

Achtzylinder-V-Motor,

Kompressor, 5000 ccm

Leistung:  380 PS bei 6500 U/min 495 PS bei 6500 U/Min
Drehmoment: 460 Nm bei 3500-5000 U/min 625 Nm bei 2500-5500 U/min
Antrieb:                            Hinterrad, Achtgang-Automatik
Gewicht:  1614 Kg 1665 Kg
Abmessungen (LxBxH):                     4,47 Meter x 2,04 Meter x 1,31 Meter
Verbrauch: 9,1 Liter/100 Km Super Benzin 11,1 Liter/100 Km Super Benzin
0-100 km/h:  4,9 Sek. 4,3 Sek.
Vmax:  275 km/h abg. 300 km/h
Preis:  ab 84.900 Euro ab 99.900 Euro

Eine Antwort

  1. Fl Glück

    Das ist einfach nur ein Traumwagen!
    Mit dem neuen F-Type hat Jaguar etwas großartiges geschaffen. Der Wagen hat schon jetzt potenzial zur Legende, nach der man sich in 10 Jahren, genauso wie in 30 Jahren umdrehen wird.

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