Kann ein Kia Premium sein? Die ganzen 2.823 Km, die wir in unserem zweiwöchigen Test mit dem Kia Sorento 2.2 CRDi AWD kreuz und quer durch die Republik gedüst sind, hat uns diese Frage beschäftigt. Doch wir stellen die Beantwortung  hintenan, wollen uns zunächst ganz nüchtern mit den harten Fakten beschäftigen.

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Da wäre erst einmal der Preis. Für stolze 51.190 Euro steht der 4,78 Meter lange Sorento in der Platinum Edition in der Preisliste, ist dann aber auch mit allem bestückt, was das Herz begehrt. Schicke 19-Zöller sind ebenso mit dabei wie ein adaptiver Tempomat mit Kollisionswarner, ein 10-fach verstellbarer Fahrersitz, eine Rundumsichtkamera und ein Panorama-Glasschiebedach. Ach ja, die Xenon-Scheinwerfer, Leder-Bestuhlung, eine elektrische Heckklappe, sieben Jahre Garantie sowie eine tadellose Haptik im Cockpit wollen wir Euch natürlich nicht unterschlagen. Kurzum: Zum Einstiegspreis eines VW Touareg gibt’s bei den Koreanern schon mal Premium-Ausstattung.

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Allerdings bekommt man beim Konkurrenten aus Wolfsburg einen V6-Selbstzünder unter die Haube verpflanzt, während der Kia auf Vierzylinder-Power vertrauen muss. Doch der 2,2 Liter große Turbomotor mit 200 PS und 441 Nm Drehmoment macht seine Sache außerordentlich gut, schluckt trotz SUV-bedingtem, hohem cW-Wert, 1.917 KG Lebendgewicht und breiter Reifen (235er, 19 Zoll) auf der Autobahn bei reisetauglicher Fahrweise „nur“ um die neun Liter. Sein 71 Liter großer Tank ermöglicht also mindestens eine Reichweite von 790 Kilometern. Wer es besinnlicher angeht (130 km/h auf der Bahn), der kommt auch schon mal auf knapp 7,5 Liter/100 Km. Wer den Verbrauch weiter drücken will, hat einfach keinen Spaß mehr.

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Einher mit der recht großen Reichweite geht ein angenehmes Reisegefühl, das zum einen auf die hohe Sitzposition mit Weitsicht sowie den akustisch zurückhaltenden, ausreichend starken Dieselmotor und die allgemeineine Geräuschdämmung zurückzuführen ist. 1200 Kilometer in drei Tagen abzuspulen ist mit dem Kia Sorento eine leichte Übung. Nicht so ganz ins Bild passen will da die Sechsgang-Automatik, die öfter den „richtigen“ Gang verpasst und für uns etwas zu hektisch einen oder gar zwei Gänge runterschaltet. Bei 441 Nm, die bereits bei 1.780 U/Min anliegen, muss das nicht sein. Hier zeigen Schaltlakaien von der Konkurrenz (Automatik wie auch Doppelkupplungsgetriebe), wie es besser geht.

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Doch weitere Gründe, den großen Koreaner NICHT als Premium zu betiteln, haben wir nicht gefunden. Nicht einmal beim Design gibt’s was zu Meckern. Während (vermeintliche?) andere Premium-Modelle durch zu viele Sicken, Pfalze und Spielerrein zu unruhig wirken, strahlt der Sorento mit seiner klaren Formensprache eine zeitlose Ruhe aus, die wir sonst nur von VW kennen. Auch in einigen Jahren dürfte sein Design nicht altbacken sondern zurückhaltend wirken.

Nun denn, Kia … Für uns ist euer Kia tatsächlich Premium. Jetzt muss sich diese Erkenntnis nur noch in der autofahrenden Bevölkerung etablieren. Denn bislang ist (neben der Automatik) einzig der Name noch kein Premium. Aber das kommt auch noch.

Technische Daten*

Modell: Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
Motor: Vierzylinder-Reihe, Turbo, 2.199 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW) bei 3.800 U/min
Drehmoment: 441 Nm bei 1.750-2.750 U/min
Antrieb: Allradantrieb, Sechsgang-Automatikgetriebe
Verbrauch (ECE): 6,6 l Diesel/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 9,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 200 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,78 m/2,14 m/1,69 m
Gewicht: 1.917 Kg
Grundpreis: 40.990 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 20/21/24
*Herstellerangaben

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