Driven: Lexus IS-F Modell 2008

Wenn muntere 423 PS auf die Hinterräder losgelassen werden, dann verspricht das puren Fahrspaß. Und eben diesen hatten wir mit dem neuen Lexus IS-F im Überluss.

Über 400 PS, ein V8 unter der Haube, Heckantrieb, vier Türen und locker 250 Sachen schnell – diese Zutaten machen BMW M3 (4,0 Liter-V8, 420 PS) und Mercedes C63 AMG (6,2 Liter-V8, 457 PS) zu Überfliegern mit 100-prozentigem Spaßfaktor.  Von der Genugtuung auch 911er, R8 und Co. ärgern zu können, brauchen wir nicht zu reden. Diesen bunten Beschleunigungs- und Autobahn-Spielchen kann sich im Laufe dieses Jahres auch der neue Lexus IS-F anschließen. Der Namens-Zusatz „F“ rührt übrigens vom japanischen Berg Fuji her, zu dessen Fuß die Toyota-Teststrecke liegt. Besagtes F adelt die 4,66 Meter lange Limo zum stärksten Pferd im Stall und macht den IS-F zu einem echten EVOCAR. Satte Fünf Liter schmeißt der V8 in die Waagschale, 423 japanische Pferdchen werden auf die Hinterachse losgelassen und erst bei 270 km/h schiebt die Elektronik den Riegel vor. Genug Gründe, dem stolze 69.600 Euro teuren Nippon-Spielzeug ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Hier der Erfahrungsbericht des ersten, viel zu kurzen Ausritts:

Freihafen, wo geht’s zum Freihafen? Kilometerweit durch die Stadt, ein kurzes Stück über die Autobahn (100er Beschränkung) und dann wieder über städtische Straßen – ich flipp noch aus. Das sitzt man im Sportgestühl des IS-F und eiert durch die Gegend. Aber gut, hat der wuchtige Fünfliter die Chance auf Temperatur zu kommen und ich kann mir das Interieur etwas genauer beschauen. Verarbeitungsqualität: gut. Sitzkomfort: gut. Auch wenn die Sportsitze etwas herzhafter zupacken könnten. Ergonomie: super. Alles ist da, wo es hingehört. Wichtig: Auch die Umschalttaste zwischen den Programmen Schnee/Normal/Sport ist schnell gefunden (und auf Sport gestellt). Fahrwerk, Lenkung und Schaltzeiten sind jetzt direkter und kerniger. Einziger Kritikpunkt: Die Haptik der Mittelkonsole könnte etwas „griffiger“ ausfallen.

Nach fast einer Stunde ist die Foto-Session mit Stills und Car-to-Car zu Ende und ich lasse es krachen. Endlich. Da wir nicht viel Zeit zum Testen haben, Lexus den Wagen (einen von drei mitgebrachten) schon bald wieder haben will, bleiben wir gleich im Freihafen. Punktesammeln verschärft. Zwischen Lagerhallen und LKW wird der Achtgang-Automatik alles abverlangt. Die mitdrehenden Schaltpaddels hinterm Lenkrad (links runter/rechts rauf) werden zu Flipper-Knöpfen, die Gänge zwei bis fünf wechseln alle paar Sekündchen. Schade: Beim Runderschalten würde ich mir etwas mehr Zwischengas wünschen. Und auch beim Raufschalten ist der IS-F weit entfernt von sportlich-ruppig (trotz Sporteinstellung). Sicher, das ist Geschmackssache, aber wenn ich schon mal auf „Sport“ stellen kann ….

Traumhaft hingegen ist der Sound, der den aufeinander gestapelten Endrohren entfleucht: Im unteren Drehzahlbereich V8-grummelig, schreit der Lexus jenseits der 5500 Umdrehungen, dass es eine wahre Freude ist. Nur bei langen Vollgas-Etappen auf der Autobahn könnte das ein wenig stören. Stundenlang einen M3 vor sich herscheuchen sollte also nur, wer hart im Nehmen ist.

Selbst diesen Vertretern dürfte es indes überhaupt keinen Spaß machen, bei zu schnell durchfahrenen Kurven oder beim Drehen in den Begrenzer so harsch vom ESP eingebremst zu werden. Es dauert gefühlte fünf Sekunden, bis das Gas wieder Befehle annimmt und man weiterballern kann. Also gut, dann mach ich’s eben aus – das ESP jetzt. Und schon sieht die Sache ganz anders aus. Munter wedelnd nehme ich die Kurven, entgegenkommende LKW-Fahrer bekommen dicke Augen und ich einen schweißnassen Rücken. Schluss damit.

Lieber noch einen schnieken Burnout ziehen, eh wir den Brandstifter wieder abgeben müssen. Also Fuß auf die Bremse, Hebel auf „M“ und den rechten Fuß aufs Gas. Sofort bockt der Lexus mit dem Arsch und die Pneus suchen angesichts der 505 Newtonmeter hilflos nach Halt. Dann verdunkelt sich der Blick in den Rückspiegel und ich seh zu, dass ich Land gewinne. Elendlang sind die schwarzen Streifen, mit denen der IS-F sein Revier markiert. Das Hinterteil versucht verzweifelt, den Wagen zu überholen und bis in den dritten Gang drehen die Räder durch. Yiehaaaaa! Im Spiegel sehe ich, dass ein 40-Tonner durch die Dunst-Wand prescht. Schnell in den Vierten und ab. Rechts, links, wieder links und dann raus aus dem Freihafen.

An der nächsten Ampel bitte ich das ESP zurück zum Dienst, schalte auf „D“ und trete bei Grün das Pedal aufs Blech. Die angegebene Sprintzeit von 4,8 Sekunden kann ich zwar mangels GPS-Gerät nicht bestätigen, objektiv betrachtet mag das aber locker hinkommen (es hilft nichts, wir brauchen ein Messgerät). Etwas durchgeschwitzt, aber sehr begeistert, fahre ich kurze Zeit später bei den Jungs von Lexus vor.

Der Wagen knistert, der Tank ist nur noch zu einem Viertel voll und die hinteren Gummis haben etwas an Profil eingebüßt – so gehört sich das. Langsam schleiche ich noch ein wenig um den stärksten Lexus herum und überlege, warum man sich angesichts der namhaften Konkurrenz (M3: 68.550, C63 AMG: 67.830) diesen Hammer für 69.600 Euro kaufen sollte. Nun, wenn ich nicht in die M3-Schublade gestopft werden möchte und sowieso niemals Mercedes fahren würde, dann ist dieses Baby genau das Richtige. Optisch eher zurückhaltend, in Sachen Power über jeden Verdacht erhaben und aufgrund der geringen importierten Stückzahl in den nächsten Jahren garantiert ein Exot im deutschen Straßenbild. Ja, der IS-F wird seinen Weg machen. Und der Preis … na ja, wer sich bei den Konkurrenten in die Tiefen der Zubehörliste begibt, der darf sicherlich auch noch einige Scheinchen drauflegen.