Nismo, da schnalzen hierzulande bisher nur die Kenner der JDM Szene genüsslich mit der Zunge. Doch das soll sich ändern, denn Nismo kommt jetzt offiziell nach Deutschland. „Nismo“ das steht für „Nissan Motorsport“ und ist für den japanischen Hersteller das, was AMG für Mercedes ist: Die Performance Marke. Und tatsächlich: Nach dem etwas halbherzigen Nissan Juke Nismo kommt mit dem Nissan 370Z Nismo nun ein richtig knackiger Sportwagen auf unsere Straßen. Wir sind mit dem kernigen Coupe für einen Tag auf Tuchfühlung gegangen.

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Driven: Unterwegs im Nissan 370Z Coupe

Die Historie des Z im Hause Nissan ist lang und glorreich. Was mit dem bildschönen Z240 im Jahre 1969 begann, geht mit dem 370Z, der Anfang dieses Jahres einem leichten Facelift unterzogenem wurde, in die bislang aktuellste Runde. Doch die Japaner beschränken sich dabei nicht nur auf leichte optische Retuschen, sondern senken gleichzeitig auch den Preis radikal um knapp 6.000 Euro auf 32.900 Euro für den Basis-370Z. Damit schafft man Platz für ein neues Topmodell: den Nismo. 44.900 Euro teuer, 344 PS stark und mit einem anthrazitfarben abgesetzten Bodykit, drei Zentimeter breiteren Backen, 19-Zoll-Rädern, einem mächtigen Heckpoiler sowie roten Bremssätteln optisch deutlich vom Basismodell zu unterscheiden.

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Im Innenraum fällt der Unterschied geringer aus und leider erwartet die Insassen dort eine etwas freudlose schwarze Plastikwüste. Es ist zwar alles vorhanden was man braucht, aber Haptik und Bedienbarkeit lassen doch etwas zu wünschen übrig. Dazu zählt auch eine nur in der Höhe verstellbare Lenksäule. In Kombination mit den etwas zu hoch verbauten Sportsitzen finden speziell größere Fahrer nur schwerlich eine bequeme Körperhaltung hinter dem griffigen Alcantara-Lenkrad. Dabei ist die richtige Sitzposition im knapp 1,6 Tonnen schweren Zweisitzer durchaus empfehlenswert, denn wenn man einmal den unverfälscht aus zwei mächtigen Endrohren grummelnden 3,7-Liter-V6 zum Leben erweckt hat, beginnt ein äußerst unverdorbener Fahrspaß.

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Der Nissan 370Z Nismo ist ein herrliches Raubein. Grundehrlich und eigentlich nur mit Gewalt schnell zu bewegen. Die direkte, aber etwas schwergängig Lenkung will ausschließlich von starker Hand zu einer Kursänderung gezwungen werden und der raue, sowie nur widerwillig die Drehzahlleiter erklimmende Motor, kann nur mit einem beherzten Tritt aufs rechte Pedal zur Leistungsgenerierung genötigt werden. Doch wer sich traut, die sechs Vorwärtsgänge erst kurz vor dem bei 7.500 U/min aufblinkenden Drehzahlbegrenzer durch die etwas langen Schaltwege in die nächst höhere Stufe zu prügeln, wird mit 5,2 Sekunden auf Tempo 100 und einem äußerst neutralen Fahrverhalten belohnt. Perfekt ausbalanciert, mit viel Grip an der Vorderachse und leicht nach außen drängendem Heck kann man den Nismo so mit ausgeschaltetem ESP um fast jede Kurve zirkeln.

Der Große Bruder: Unterwegs im Nissan GT-R

Doch auch bei der Negativ-Beschleunigung macht das sportliche Z einen guten Eindruck. Die Vierkolben-Bremszangen an der Vorderachse verbeißen sich gut dosierbar in die 355 Millimeter messenden Stahlscheiben und damit das Heck nach dem Einlegen einer kleineren Gangstufe beim Einkuppeln nicht überraschend auskeilt, hilft ein automatisch initiierter kurzer Gasstoß, der erfolgreich das Bremsmoment reduziert. Aktiviert wird die sogenannte „Synchro Rev Control“ einmalig über einen Druckknopf rechts vor dem Schalthebel.

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Doch leider hat der Fahrspaß im 370Z Nismo einen Haken und der ist exakt 12.000 Euro groß. Denn das ist der Aufschlag für den sportlichen Namenszusatz und das ist einfach verdammt viel Geld für nur 16 zusätzliche PS und acht Nm mehr, sowie einer strafferen Feder-Dämpfer-Abstimmung, etwas Spoilerwerk und einen durch Navigationssystem und Bose Audio-System aufgewertetes Interieur. Sicherlich, für Audi TTRS oder Porsche Cayman muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen, doch das Spitzenmodell einer Baureihe sollte sich bei einen solch deftigen Aufpreis unserer Meinung nach deutlich stärker von seinen Brüdern absetzen. Doch genau das tut der 370Z Nismo aber nicht. Dafür bräuchte der selbsternannte Macho der sechsten Z-Generation einfach noch mehr prägnante Alleinstellungsmerkmale. Trotzdem ist der Ansatz, den Nissan mit dem Label „Nismo“ geht, äußerst begrüßenswert. Denn es verschafft der Marke wieder mehr Profil. In Zukunft wird mit Nismo-Modellen auf jeden Fall zu rechnen sein. Immerhin sind ein GT-R Nismo sowie ein Juke RS Nismo bereits für 2014 angekündigt.