Driven: Opel Insignia OPC

OPC – wer diese drei Buchstaben auf dem Opel-Heck vor sich erblickt, der weiß, an diesem Rüsselsheimer haben sich die Jungs vom „Opel Performance Center“ zu schaffen gemacht. Im Klartext heißt das meistens, dass dem verbauten Vier- oder Sechszylinder unter der Haube ein Turbolader mächtig Beine macht. Ob Corsa, Astra, Meriva oder Zafira – die OPC-Modelle stehen für die Speerspitzen der Baureihen. Damit auch der 300 PS starke VW Passat R36 einen würdigen Blitz-Gegner bekommt, komplettiert im Herbst 2009 der neue Insignia OPC die Angebotspalette. Angefeuert vom aufgeputschten 2,8-Liter-V6 mit Turboaufladung, bringt es der als Vier- und Fünftürer sowie als Sportstourer erhältliche OPC auf 325 PS und 435 Newtonmeter. Um die Power auch auf die Straße zu bekommen, bekam der Insignia als erstes OPC-Modell sogar einen Allradantrieb spendiert. Ob diese Zutaten reichen, um die Konkurrenten von VW, Audi und BMW ordentlich ärgern zu können, musste der Neuling in einem ersten Kurztest unter Beweis stellen.

Schon beim Näherkommen gibt sich der stärkste Insignia deutlich und selbstbewusst zu erkennen. Vor allem die Front macht ordentlich was her, erinnert mit ihren beiden senkrechten Luftöffnungen sehr eindrucksvoll an die Studie „GTC Concept“ von 2007. Ebenfalls an die Design-Fingerübung erinnert die Optik der serienmäßigen 19-Zoll-Schmiede-Alus, die dem OPC einen satten Auftritt verschaffen. Wären die Verantwortlichen etwas mutiger gewesen, hätten sie dem Flaggschiff der Palette noch ausgestellte Radhäuser spendiert und den Insignia OPC so noch etwas deutlicher von den optischen Leisetretern Audi S4 und Passat R36 abgegrenzt. Dieses Ziel verfolgt zumindest die Heckpartie unseres Probanden allerdings recht nachdrücklich: Zwar verstecken sich hinter den beiden eckigen Endrohrblenden eher mickrige Auspuffrohre, der stimmige Gesamteindruck des Opel-Hinterteils lässt die bereits erwähnten Konkurrenten aus Ingolstadt und Wolfsburg trotzdem wie zurückhaltende Biedermänner erscheinen.

Sattgesehen an der gefällig auffälligen Außenhaut, wird nun das Cockpit des mindestens 44.900 Euro teuren Rüsselsheimers unter die Lupe genommen. Und da es endlich auf die Strecke gehen soll, haken wir diesen Punkt im Steno-Stiel ab. Recaro-Sportsitze in Stoff/Kunstleder: topp, Verarbeitung: topp, Ergonomie: Bis auf die beim Schalten etwas störende Mittelarmlehne topp, Platzangebot: topp. Serienausstattung – Sie erahnen es – topp! Wir haben uns im Cockpit des Insignia OPC sehr wohl gefühlt, mehr Sportlichkeit ist einer kraftvollen Reiselimousine wohl nicht zu entlocken. Hier können sich ja dann die Tuner austoben.

Doch wir sind nicht im Museum – wollen nicht nur schauen, sonder auch anfassen – und so muss der OPC-Verteter nun zeigen, was er kann. Nach einem Druck auf den Startknopf erwacht der V6 unter der Haube zum Leben. Akustisch eher bescheiden zurückhaltend meldet sich das überarbeitete Turbotriebwerk aus dem abgelösten Vectra OPC zu Wort. Selbst beim beherzten Latsch aufs rechte Pedal enttäuscht die Resonanz. Die Enttäuschung verflüchtigt sich, wenn der von Remus beigesteuerte Nachschalldämpfer auf Temperatur gekommen ist und dann vor allem im niedertourigen Bereich für mächtig Stimmung sorgt. Es liegt also nicht nur am satten Drehmoment von 435 Newtonmetern, wenn der Insignia OPC eher schaltfaul bewegt wird.

Wenn „Sport statt Sound“ das Motto ist und niedrige Drehzahlen nicht erwünscht sind, dann empfiehlt sich die Wahl des Fahrprogramms „Sport“. Das Fahrwerk wird straffer, Lenkung und Gasannahme direkter. Reicht nicht? Dann flugs den „OPC-Button“ gedrückt. Bereits erwähnte Änderungen werden noch deutlicher spürbar, außerdem schaltet die Instrumentenbeleuchtung auf rot. Doch auch ohne die Lichtspielerei wird der Sprung in den OPC-Modus sehr deutlich. Auf der Opel-Handlingstrecke lässt es sich nun noch gieriger um die Kurven räubern und früher wieder herausbeschleunigen. Vor allem der Allradantrieb und die unkonventionelle, neu entwickelte Vorderachse machen einen sehr guten Job. Runde für Runde steigert sich das Vertrauen in den Wagen und fast vergisst man, dass man in einer 1,8 Tonnen schweren Limo sitzt – fast. Stöße gibt das Fahrwerk jetzt sportlich knackig weiter und selbst ein bei 140 km/h gefahrener Elchtest kann den Insignia OPC nicht aus der Ruhe bringen. Muss hier im „Normal-Modus“ eine erfahrene Hand am Steuer für Ordnung sorgen, geht’s rot illuminiert spielerisch am großen Schweden-Hirsch vorbei. Selbst bei Nässe soll das Ausweichmanöver laut Opel-Markenbotschafter und Rennfahrerlegende Joachim „Jockl“ Winkelhock mit immer noch 130 Sachen kein Problem sein. Respekt.

Weniger Respekt bringen wir der Motorleistung entgegen. Denn die liegt bei gefühlten 250-280 PS. Entweder der 2,8-Liter-V6 verheimlicht uns was, oder die 100 Kilogramm Mindergewicht und acht Zusatz-PS im Audi S4 wiegen schwerer als gedacht. Fakt ist: Der nominell 325 PS starke Insignia OPC sieht nicht nur auf dem Papier recht blass aus. Den Standartsprint absolviert der Rüsselsheimer in glatten 6,0 Sekunden und mit einem Durchschnittsverbrauch von 11,4 Litern auf 100 Kilometer muss er sich ebenfalls ganz hinten einordnen. Ein Grund für das schlechte Abschneiden ist sicher die schwierige Einsortierung des Insignia ins Umfeld. Mit seinen 4,83 Metern Länge ist er auf Augenhöhe mit dem Fünfer BMW (4,85m), immer noch sechs Zentimeter länger als der Passat und mit einem Leergewicht von 1810 Kilogramm sogar noch 25 Kilogramm schwerer als der deutlich größere Audi A6. Tja Opel, was machen wir jetzt mit dem großen OPC? Ihr macht es euch aber auch wirklich schwer.

Also: Wer den stärksten Serien-Opel der Geschichte als sportlichen GT sieht – denn genau das soll er laut Opel sein – und ihn des weiteren etwas neben der nicht ganz passenden Konkurrenz einordnet, der hat einen absolut gelungenen Wagen vor sich. Wen die um 0,4 Sekunden bessere Sprintzeit von VW Passat R36 (300 PS, 9.8L/100 km, 46.75 Euro) und BMW 335i (306 PS, 9.1L/100 km, 42.300 Euro) ärgern, dem seien die 30 Zentimeter Mehrlänge des Insignia ins Gedächtnis gerufen. Und trotzdem: Objektiv fehlen dem ansonsten nahezu perfekten OPC mindestens 40 PS, um als wirklich sportlich durchzugehen.

Technische Daten
Modell: Opel Insignia OPC
Motor: V6-Benziner, 2792 ccm
Leistung: 325 PS / 5250 Umin
Drehmoment: 435 Newtonmeter
Antrieb: Allrad, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 11,4L/100Km Super Plus
0-100 km/h: 6,0 Sekunden
Vmax: 250km/h abgeregelt
Preis: ab 44.900 EUR

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