Rückblende. 1987. Opel präsentiert mit dem Corsa GSi den ersten sportlichen Ableger der Corsa-Familie. 101 PS trafen auf knapp 800 Kilo und brachten jede Menge Fahrspaß. Außerdem legte das Modell den Grundstein für die mittlerweile breit aufgestellte OPC-Modellpalette von Opel. 28 Jahre später steht jetzt sein Urenkel in den Startlöchern. Nachdem wir im letzten Oktober bereits den „normalen“ neuen Corsa fahren durften, stand nun die Fahrpremiere im 2015er Corsa OPC auf dem Programm. Im spanischen Bilbao, dem Herzen des Baskenlandes konnten wir uns ein erstes Bild der „Pocket Rocket“ machen.

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Vom letzten Corsa OPC konnte Opel rund 23.000 Exemplare an den Mann (und die frau) bringen, der Nachfolger soll noch mal einen drauflegen. Der Corsa „E“ OPC, der exklusiv  im Werk in Eisenach produziert wird, soll laut Opel den „Maßstab in seiner Klasse“ darstellen.

Schon von außen zeigt der Corsa, im exklusiv für den OPC erhältlichen Opal-Blau gehalten, seine Zugehörigkeit zur OPC-Familie. Große Lufteinlässe, eine Hutze in der Motorhaube –  die Front zeigt schon eine Menge Überholprestige für einen Kleinwagen. Die stark ausgeprägten Schwellerleisten schlagen den Bogen zum Heck des OPC-Modells. Bereits der serienmäßige Spoiler schreit nach Rennstrecke, der optionale Zubehörspoiler noch mehr. Beide sind übrigens funktional und nicht nur Deko. Einen weiteren sportlichen Akzent setzt die zweiflutige Remus-Sportabgasanlage, die von einem Diffusor umrandet wird.

Opel Corsa OPC Test 2015 (35)

Auch im Innenraum beweist der Corsa, dass er in der Liga der Klein-Sportwagen mitspielen kann. Performance-Sitze von Recaro, ein unten abgeflachtes Lederlenkrad, sowie die unzähligen OPC-Accessoires runden das Bild ab.

Unter der Haube arbeitet ein 1,6-Liter-Turbomotor, der es auf 207 PS bringt. Das maximale Drehmoment von 245 Nm (mit Overboost bei Bedarf sogar bis zu 280 Nm) liegt im Bereich zwischen 1.900 und 5.800 U/min an, was dem Motor eine tolle Fahrbarkeit verleiht und auch mal eine kleine Drehzahlorgie erlaubt. Das Sechsgang-Getriebe verfügt über recht kurze Schaltwege, ist aber leider etwas hakelig. Die im Performance-Paket (2.990 Euro) enthaltene Sperre von Drexler stammt direkt aus dem Motorsport und ist der eigentliche Star im Antriebsstrang unseres Testwagens. Der Corsa wird von ihr regelrecht in die Kurven hineingesaugt. Die etwas größere Anfälligkeit für Spurrillen und die Einflüsse in der (leider viel zu leichtgängigen Lenkung) sehen wir dem mechanischen Sperrdifferenzial gerne nach. Viel zu viel Spaß macht es, den Corsa damit durch das Baskenland zu scheuchen. Auch die Werksangabe von 6,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h glauben wir Opel gerne. Den Topspeed gibt Opel mit 230 km/h (5 km/h mehr als der Vorgänger) an. Etwas enttäuscht waren wir vom Sound des Kraftzwergs. Besonders im Innenraum ist von der Remus-Abgasanlage fast nichts zu hören. Von außen weiß der sonore, knurrende Sound dafür aber zu gefallen.

Das Fahrwerk im neuen Corsa OPC stammt von Koni und vertraut auf die FSD-Technologie (FrequencySelectiveDamping). Dabei werden die Dämpferkräfte an die Bewegungsfrequenz des Fahrzeugs angepasst und das Auto schafft so den Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit. Was sich in der Theorie toll anhört, klappt sogar in der Realität sehr gut. Das Fahrwerk passt wunderbar zum Corsa, und macht eine Menge Spaß. Neutrales Fahrverhalten, wenn man es provoziert auch ein dezent mitlenkendes Heck, so sollte ein sportlicher Fronttriebler abgestimmt sein.

Die Vierkolben-Bremse von Brembo, die im Performance-Paket enthalten ist und mit ihren 330 Millimeter messenden Scheiben an der Vorderachse den Eindruck erweckt, der Corsa wäre direkt aus einem Markenpokal entsprungen, verrichtet absolut zuverlässig und mit gleichbleibend guter Wirkung ihren Dienst. Nur das Bremspedal war uns etwas zu weich und nicht gut zu dosieren.

Im Großen und Ganzen hat Opel mit dem neuen Corsa OPC eine echt schnelle „Pocket Rocket“ auf die Räder gestellt. Leider bleiben die Emotionen dabei etwas auf der Strecke. Ein bisschen mehr Härte und Schwergängigkeit (in der Lenkung) hätten ihm gut getan. Hört sich erstmal seltsam an, aber dem Corsa fehlt einfach ein bisschen der Charakter anderer Frontkratzer, die wir ebenfalls bereits testen durften.

Preislich sortiert sich der Corsa OPC bei 24.395 Euro ein (Grundpreis). Damit ist er günstiger als sein Vorgänger. Bereits ab Mai soll er zu den Händlern rollen.

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