Nach dem erfolgreichen Start des fünftürigen Leons baut die spanische VW-Tochter Seat  die Baureihe konsequent aus. Erstmals ist auch eine dreitürige Variante des Leon zu haben – der Leon SC. Wir haben uns die derzeitige Topmotorisierung FR für zwei Wochen vor die Tür stellen lassen und das 180 PS starke Coupé getestet. Die Frage: Wieviel „Formula Racing“ steckt tatsächlich im Leon FR?

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Seat mausert sich. Nachdem man innerhalb der Volkswagen Gruppe jahrelang im Schatten des Erfolges von Konzernbruder Skoda stand, scheint jetzt der Turnaround geschafft. Ursächlich hierfür ist vor allen Dingen die 2012 erschienene dritte Generation des Leon. Doch die Spanier wollen sich nicht auf dem Erfolg des kompakten Fünftürers ausruhen und haben Mitte des Jahres das Leon Sportcoupé (kurz: SC) nachgeschoben.

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Dabei ist der SC keineswegs ein um zwei Türen reduzierter Fünftürer. Nein, neue Bruder ist flacher, kürzer und hat sogar einen verringerten Radstand. Viel Aufwand also. Aber es hat sich gelohnt. Aktuell ist der Seat Leon SC sicherlich der attraktivste Ableger des Modularen Querbaukastens (MQB), auf dem auch VW Golf VII, Skoda Octavia und Audi A3 aufbauen. Dazu ist der Spanier ein Schönling ohne Einschränkungen, denn selbst großgewachsene Personen finden hinter dem sportlich abgeflachten Lenkrad auf sehr angenehmen Sportsitzen immer eine passende Sitzposition und genießen dazu eine auffallend üppige Innenraumbreite.

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Doch man sitzt nicht nur gut im Leon SC FR, man fährt auch gut. Der 1,8 Liter große Direkteinspritzer leitet schon bei niedrigen Drehzahlen kraftvoll seine 180 PS und 250 Newtonmeter über das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder. Die versprochenen 7,1 Sekunden auf 100 km/h klingen daher durchaus glaubhaft und erst wenn die Tachonadel Richtung 200 km/h wandert, erlischt das spanische Feuer etwas, um sich bis auf die versprochenen 224 km/h zu quälen.

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Dennoch ist der Spanier ein sehr angenehmer Reisebegleiter auf langen Autobahnetappen, doch so richtig Fahrfreude kommt natürlich erst auf der Landstraße auf. Da wird der FR zum feuerroten Spielmobil, das Dank DSG immer den richtigen Gang zur Hand hat und mit seinem straffen, aber nicht übertrieben harten Fahrwerk, sowie einer präzisen Lenkung immer den nächsten Scheitelpunkt findet. Dazu überrascht der Seat mit ausgesprochen manierlichen Trinksitten. Trotz vorsätzlicher Tempobolzerei auf Autobahnen und Landstraßen genehmigte sich der feurige Spanier in unserem Testbetrieb selten mehr als neun Liter vom 95 Oktanigem.

Der mindestens 25.640 Euro teure Leon SC FR 1.8 TSI lässt sich also ohne Reue flott bewegen und ermöglicht damit seinen potenziellen Käufern, etwas ausgiebiger in den Extras zu schwelgen. Besonders empfehlenswert sind da vor allen Dingen die Voll-LED Scheinwerfer für knapp 1.000 Euro, die dem Leon SC nicht nur einen dynamisch-bösen Blick verleihen, sondern die Nacht zum Tag werden lassen.

Viel Lob also für den FR, der preislich zwar einen Respektabstand zum Klassenprimus Golf GTI lässt, aber fahrdynamisch gar nicht so weit hinterher hinkt. Bloß echtes spanisches Temperament haben wir im Leon leider überhaupt nicht gefunden. Man spricht eben Deutsch in der Firmenzentrale in Barcelona. Das verhilft der Marke zwar zum Erfolg, doch lässt es den hübschen Spanier etwas emotionslos werden. Es fehlt also das „fuego“ im iberisch-germanisch zubereiteten Eintopf. Aber vielleicht wird das den Seat Fans bald in einer zu erwartenden Cupra Variante aufgetischt.

Technische Daten*
Modell: Seat Leon SC 1.8 TSI FR
Motor: Vierzylinder-Turbo, 1798 ccm
Leistung: 132 kW / 180 PS bei 4000 U/min
Drehmoment: 250 Nm bei 1500 U/min
Antrieb: Front, Siebengang-Doppelkupplung (DSG)
Gewicht: 1290 Kg
Abmessungen (LxBxH): 4,23 x 1,81 x 1,45
Verbrauch: 6,0 Liter/100 Km Super
0-100km/h: 7,5 Sek.
Vmax: 226 km/h
Preis: ab 23.840 Euro
* Herstellerangaben