Driven: Subaru WRX STi

Nach schier endlosen drei Jahren hat Subaru 2011 endlich wieder eine Stufenheck-Version des WRX STi auf den deutschen Markt gebracht. Diesen Hammer-Hobel konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen …

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„The wing is Back!“ – trefflicher kann Subaru in der Pressemitteilung nicht einleiten, wonach echten WRX Sti-Fans gelüstet. Hatchback mag zwar im Rallyesport funktionieren, ist bei den ambitionierten Straßensportfahrern aber so gern gesehen wie ein Gelenkbus auf der Nordschleife. Also heißt’s für Subaru „Back to the roots“ – der Bürzel ist wieder dran, die Theke wieder obenauf. Im herrlich unzeitgemäßen, typisch japanischen und fragwürdig seriösen XXL-Format. Dieses Auto als Firmenwagen? Wahrscheinlicher ist es wohl, Ken Block mal eine WRC Stage gewinnen zu sehen. Und das ist auch gut so, denn der „Subi“ gibt nicht vor etwas zu sein, was er nicht ist. Was ist sonst neu? Unser blaues Test-Spielzeug wurde statt mit güldenem Felgenrepertoire mit silbernen Leichtmetallrädern ausgeliefert – was ist denn da passiert? Und Impreza wurde aus dem Namen des WRX STi gestrichen. Ansonsten scheint alles beim „älteren“, denn die klassische Form gibt viel Charme der vorigen Modellreihen weiter. Man kann sich natürlich trefflich streiten über Design und Form, doch der neueste WRX STi gibt ein äußerst schlüssiges, sportlich markantes Gesamtbild ab und weiß auch auf den zweiten Blick zu gefallen.

Aber Moment! Uns geht es natürlich nicht bloß um die Optik! Wo also und wie testet man dieses Auto, das so vielseitig sein soll wie ein Schweizer Taschenmesser?
Zu Beginn sollte ein eigens für den Allradsportler abgesperrtes altes Betonwerk genügen. Die heruntergekommenen Baracken und verrosteten Stahlträger könnten auch gut für eine extravagante Filmkulisse herhalten, doch vor allem die vielseitigen Bodenbeläge und Kurvenradien interessieren uns. Erstkontakt mit dem blauen Flügelmonster, Schlüsselübergabe. Noch ein mal eine Runde ums Auto gewandert und über den herrlich glänzenden, frisch polierten Lack gestrichen. Er wird für mehrere Tage das letzte Mal so sauber sein …

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Bei der ersten Sitzprobe werden mehrere Dinge deutlich. Zum einen fällt noch vor dem ersten Rangieren auf, was für ein Schiff der „kleine“ Rallyefloh ist. Das großzügige Platzangebot vorne, im Fond und auch im Kofferraum kommt nicht von ungefähr: der WRX ist mit 4,58 Meter nur neun Zentimeter kürzer als sein großer Bruder im Geiste, der Nissan GT-R. Das Interieur weiß zu gefallen. So gibt es zwar ein paar geschmacksabhängige Plastikapplikationen, den zufriedenstellenden Gesamteindruck inklusive angenehmer Sitz- und Lenkposition kann das aber nicht trüben. Für Diskussionsstoff dürfte da schon eher der Motorsound für alle teilnehmenden Personen im Innenraum sorgen. Der erste Schlüsseldreh enttäuscht. Nur wenig Schallwellen vom recht „speziell“ klingenden 2,5-Liter-Vierzylinder-Turbo-Boxermotor dringen ans Ohr der Insassen. Ob sich das im Fahrbetrieb ändert, kann nur die Praxis beantworten.

Wir gehen langsam an den Start, schließlich ist das Geläuf einer echten Rallye-Wertungsprüfung nicht unähnlich. Enge Kehren, geschotterte Kuppen, schnelle Zwischenpassagen, asphaltierte Betonplatten, holprige Waldwege. Eher ein Eldorado für Tester – als für den getesteten. Dafür aber äußerst offenbarend, wie sich noch herausstellen wird. Und aufzeigend, wie sehr ein erster Eindruck täuschen kann.

Dieser ist nämlich nicht vollends zufriedenstellend. Die knapp 300 Pferde wirken etwas behäbig, die Schaltung zeitweise knochig. Die Maximalleistung liegt bei 6000 Umdrehungen an, was auch deutlich zu spüren ist: der Subaru trägt sein klaffendes Turboloch mit Stolz. So als würde er sagen: „Schaut her, Urgewalt geht vor Fahrbarkeit und das Tritt ins Kreuz liebt ihr doch alle.“ Fest steht: tatsächlich nimmt es der neue WRX STi mit der Fahrbarkeit nicht ganz so genau. Je langsamer man fährt, desto mehr untersteuert er. Zusammen mit dem etwas verwässerten Handling ergibt das für den Japanflitzer ein eher mittelmäßiges Halbzeitzeugnis.

Nein, das war wohl nichts. Vielleicht hilft die Lecktüre der umfangreichen Beidienungsanleitung, dem WRX STi bisher ungenutzte Reserven zu entlocken. Schnell wird klar: die Bibel für jeden WRX STi-Fahrer ist die Bedienungsanleitung. Ähnlich wie die heilige Schrift wirft auch dieses dicke Schriftstück hin und wieder Fragen auf – der Subaru ist eines von ganz wenigen Autos, bei denen ein IT-Fortbildungskurs mehr bringt als die Teilnahme an einem Fahrertraining. Nach gefühlten 15 Stunden Lektürenkunde ist dann so einigermaßen durchschaut, welches Knöpfchen welchen Dienst verrichtet. Und endlich ist’s Zeit fürs zweite Rendezvous.

Sämtliche Restfragen bezüglich des einstellbaren Mitteldifferentials, des Fahrmodus’ und der ESP-Einstellung werden also erst einmal anhand von Praxistests nach und nach beantwortet. Wobei vor allem das Mitteldifferential vielseitige, spürbare Einstellungen bereithält. So kann der Fahrer zwischen verschiedenen Auto-Modi inkl. Charakteristik-Veränderungen wählen, oder das Differential selbst mehrstufig sperren. Ist die für den persönlichen Fahrstil passende Einstellung gefunden, sitzt man gefühlt in einem völlig anderen Auto. Mit etwas mehr Drehzahl – denn der Turbo will getreten werden – geht es dann endlich auch mehr als zügig voran. Wie ausgewechselt wedeln die 1,5 Tonnen Leergewicht durch Kurven und Gassen. Nicht mehr langsam, sondern erstaunlich schnell wird das querdynamisch hohe Limit ertastet. Das wie ausgewechselte Gefährt ist plötzlich leichtfüßig, messerscharf und richtig Giftig.

Ob der Untergrund dabei Wellig oder glatt wie ein Babypopo ist, interessiert ihn dabei ebenso wenig wie die feste oder lose Beschaffenheit des Ganzen. Das platztechnisch vollwertige Reisemobil wird plötzlich zum Spielzeug für große Jungs – den artgerechten Spielplatz mal vorausgesetzt. Die Bremse packt zu, die Differentiale arbeiten, die Reifen walken und wimmern, der Boxer säuselt und brummt tieftönig (leider noch immer für unseren Geschmack akustisch zu zurückhaltend) – und der Fahrer schwitzt trotz Klimaanlage. Denn bei diesem Traktionsfeuerwerk wird es anstrengend, sich am Volant festzuhalten! Vom anfänglich zurückhaltenden Turbolimousinchen mausert sich der bespoilerte Reifenmörder zum alles-tauglichen Zeitenjäger. Slalom? Kein Problem. Rallye? Was für eine Frage! Rundstrecke? Ein Spaziergang für den Subaru!

Keine der Dynamikdisziplinen wirft Schwächen auf und so ist er nicht bloß Rallye-Ikone, sondern auch noch Urban-Racer feinster Güte. Eine Art Baby-GTR, der mit gewissen Modifikationen auf Augenhöhe agiert. Besitzer von verlassenen Betonwerken, Flugplätzen, asphaltierten Gewerbeflächen, Kartbahnen, Rennstrecken, privaten Waldwegen und sonstigem Geläuf: Achtung, das ist euer Auto!

Berufsromantiker die an die Liebe auf den ersten Blick glauben, Menschen die mehr für Musikantenstadl als für Technik und Elektronik übrig haben und zu guter letzt Vielfahrer ohne Tankstellenbesitz sollten die Allzweckwunderwaffe allerdings weiträumig meiden. Besonders das Problem für letztgenannte Gruppe ist schnell erklärt: die bohrinselgroße Tankklappe hängt da beileibe nicht zum Spaß! Denn so vielseitig der WRX auch einsetzbar ist, eins liegt ihm gar nicht – Benzin sparen. Und so genehmigt sich das Spaßmobil – wie für einen echten Charakterkopf üblich – gerne mal einen über den Durst. Verbräuche von unter 11,0 Litern sind äußerst selten und nur mit eiserner (wortwörtlich!) Kastration zu erreichen. Meist steht eher eine Zahl jenseits der 16 Liter auf dem Bordcomputer eingebrannt.

Was die Höchstgeschwindigkeit von knapp mehr als 250 km/h eher zur Qual als zum Genuss macht – es sei denn man, ist masochistisch veranlagt und schaut der Tankuhr gern genüsslich beim Schwinden zu. Und dann wäre da noch der Preis. Mit etwas unter 50.000 Euro (Testwagenpreis 49.800 Euro) liegt man auf einem Level mit BMW 1M Coupé und anderen Spießgesellen. Ob man, egal wo man sich grade aufhält, aber für gleichen Preis ähnlich spaßige Gefährte findet, kommt auf die persönlichen Präferenzen an. Für uns steht fest: Mehr Spielzeug bekommt man für sein Geld selten. Und im Grunde sind wir doch alle nur Spielkinder.

Unser Dank geht an dieser Stelle an Stefan Bischoff, der exklusiv für uns diese sensationellen Bilder dieses Allrad-Krachers gemacht hat!

Technische Daten:
Modell: Subaru WRX STi Stufenheck
Motor: Vierzylinder Boxer-Turbo-Benziner, 2457 ccm
Leistung: 300 PS bei 6000 U/min
Drehmoment: 407 Nm bei 4700 U/min
Antrieb: Allrad, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch: Fast immer über 16 Liter Super+ / 100 km (bei evocars-Fahrstil)
0-100 km/h: 5,2 sek.
Vmax: 255 km/h
Preis: ab 47.900 Euro