Driven: Volvo XC70 AWD D5

Wer hat’s erfunden? Nein, gemeint ist nicht das schweizer Kräuterbonbon, sondern die stylischen Kombis der oberen Mittelklasse, die mit höhergelegtem Fahrwerk, Allradantrieb und robusten Anbauteilen erfolgreich im urbanen Geländekampf unterwegs sind.

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Die meisten werden jetzt sofort nur an ein Auto denken – den Audi A6 allroad. Doch falsch. Die Schweden waren die Erfinder dieser Fahrzeugklasse und das bereits drei Jahre vor den deutschen Kollegen. Das war im Jahr 1996. Zwischenzeitlich ist bereits die dritte Generation des Volvo XC70 auf den Straßen unterwegs und die Verkaufszahlen beweisen, anscheinend hatte der Markt genau auf diese Zwitterwesen zwischen Familienkombi und SUV gewartet. evocars versucht zu klären, was den XC70, der Ende 2011 ein Facelift bekam, so erfolgreich macht.

Kombis! Mancherorts absolut unverkäuflich, weil als Handwerkermobil verschrien, werden anderen Orts zumindest als Alternative zur spießigen Limousine wahrgenommen. Mit einem coolen SUV können es die Packesel aber dennoch nicht aufnehmen. Doch kaum bockt man so einen Volvo V70 allerdings auf, verpasst ihm ein paar unlackierte und robust wirkende Schürzen, Planken und Schweller und tauscht das V im Namen gegen ein XC, was für Cross Country steht, wird aus dem grauen Lademeister ein selbstbewußter Offroad-Kombi. Dass ein Allradantrieb jedoch überhaupt nicht bei allen Varianten des XC angeboten wird, ist nebensächlich, denn nicht die reale Geländetauglichkeit zieht die potenzielle Zielgruppe in die Verkaufsräume, sondern der martialische Auftritt. Und diese Disziplin beherrscht der von uns getestete XC hervorragend. Denn neben dem serienmäßigen Off-Road-Outfit glänzt der „Caper Grün Metallic“ lackierte Wagen mit mächtigen 19-Zoll-Rädern, zusätzlichen Schwellern in Alu-Optik und einem etwas deplaziert wirkenden Heckspoiler. Das alles macht den XC70 nicht wirklich geländetauglicher, lässt den Schweden aber nochmals dominanter wirken.

Doch so hart die Schale des Volvos erscheinen mag, so weich ist der Kern. Denn nach dem Schließen der Tür entert man eine wahre Wellness Oase. Gebettet auf Softlederkomfortsitzen mit Sitzheizung und Belüftung aus der Volvo Inscription Individualisierungslinie vermisst man eigentlich nur noch ein knisterndes Kaminfeuer und einen gut gefüllten Cognac Schwenker. Und vielleicht eine andere Innenraumfarbe, denn so schick der Farbton Sandstone Beige auch auf den ersten Blick erscheinen mag, so unpraktisch ist er im Alltag. Besonders in einem so rustikal anmutenden Kombi, der dann doch auch mal Getränkekisten, den Nachwuchs oder das bellende Haustier transportieren soll. Alles hinterlässt Spuren auf dem Hochflorteppich und dem großzügig verlegten Leder. Und so ertappt sich der Fahrer immer wieder dabei, auf die eigenen – hoffentlich sauberen – Handinnenflächen zu schauen, eh er ins hellbeige Lenkrad greift.

Und dort sollte fest zupacken, wer es etwas sportlicher angehen lässt. Denn die überaus bequemen Sitzmöbel bieten bei dynamischer Gangart nur leidlich Seitenhalt. Schade eigentlich, lässt sich der fast zwei Tonnen schwere Diesel-Trumm doch erstaunlich gut über kurviges Geläuf bugsieren – natürlich müssen dafür die elektronischen Helferlein im Hintergrund bemüht werden. In der frei schwebenden Mittelkonsole wird zwecks Dämpferstraffung hierzu der Sport-Button gedrückt und im entsprechenden Menü-Punkt des Bordcomputers wird der Lenkwiderstand erhöht.

Doch eigentlich widerstrebt Fahrzeug und Fahrer eine sportliche Gangart. Viel lieber möchte dieser Volvo reisen. Gerne auch zügig, denn wenn der rechte Fuß in den Maschinenraum das Signal „volle Kraft voraus“ weitergibt, baut der Fünfzylinder-Turbodiesel zufrieden brummend seine 215 PS und 440 Newtonermeter auf. Natürlich haben 1,60 Meter Höhe, 1,87 Meter Breite – zuzüglich elefantenohrartiger Außenspiegel – und fast zwei Tonnen Lebendgewicht etwas gegen berauschende Fahrwerte. Untermotorisiert fühlt man sich trotzdem nicht. Dass der angegebene Durchschnitts-Verbrauch von 6,8 Liter Diesel bei dieser Art der Fortbewegung natürlich nicht erreicht werden kann, ist nachvollziehbar. Im harten evocars-Alltag pendelte sich der Kraftstoffkonsum daher bei rund 9,5 Litern ein. Ein gerade noch akzeptabler Wert für den hochbeinigen Schweden.

Kaufentscheidend ist für die Zielgruppe des in der getesteten Version mindestens 48.400 Euro teuren SUV-Kombis (Kinetic) aber wahrscheinlich der Verbrauch ebenso wenig wie die Fahrdynamik. Vielmehr dürften Argumente wie Sicherheit oder Auftritt ins Gewicht fallen. Und hier kann der dicke Schwedenhappen auf ganze Linie punkten. Neben den serienmäßigen sechs Airbags, den fünf Sternen beim Euro NCAP Crashtest und dem City Safety-System, das bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h per Laser-Technologie erkennt, ob sich ein stehendes oder langsamer fahrendes Fahrzeug vor einem befindet, kann dieser Volvo für 1.950 Euro zusätzlich mit einem umfassenden Fahrerassistenz Paket ausgestattet werden. Dieses beinhaltet den Totwinkel Assistenten BLIS, einen Spurhalteassistenten, ein aktives Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem, sowie einen sogenannten „Driver Alert“, der den Fahrer bei Übermüdung und nachlassender Konzentration warnt.

So ausgerüstet ist der Volvo XC70 nicht nur ein angenehmer, sondern auch extrem sicherer Begleiter. Mit dem kernigen Schweden nimmt man gerne lange Strecken mit der ganzen Familie unter die Räder. Und auch die letzten paar Meter bis zum Ferienhaus über unbefestigte Feldwege sind im Diesel-Kombi-SUV kein Problem.

Technische Daten
Modell: Volvo XC70 AWD D5
Motor: Fünfzylinder-Turbodiesel, 2400 ccm
Leistung: 158 kW / 215 PS bei 4000 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 1500 bis 3000 U/min
Antrieb: Allrad, Sechsgang-Automatik
Gewicht: ca. 1920 Kg
Verbrauch: 6,8 Liter/100 Km
0-100km/h: 8,3 Sek.
Vmax: 205 km/h
Preis: ab 56.100 Euro

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