Die „umfassende Smartphone-Integration mit Wireless Charging und Schlüsselfunktion“ war den Mannen bei Daimler wohl so wichtig, dass sie sie direkt in Satz Drei der offiziellen Pressemitteilung für das neue E-Klasse Cabriolet hereinschreiben mussten. Dabei ist doch beim Genießen des Sonnenuntergangs auf der Küstenstraße samt geöffnetem Verdeck nichts so unwichtig wie der Akkustand des nervigen Telefons. Aber gut, Genuss, das soll der neue Viersitzer auch können, der sowohl die E-Klasse-Familie komplettiert als auch das Cabrio-Angebot der Stuttgarter in der Mitte zwischen C- und S-Klasse abrundet.

Doch wenden wir uns zunächst dem Außendesign der E-Klasse zu, die, anders als ihre kleinen und großen Geschwister, bei Mercedes-Benz auf eine lange Tradition zurückblicken darf. Bereits im Jahre 1991 kam mit dem A 124 die offene Variante der ersten echten „E-Klasse“ auf den Markt. Das gediegene, große Cabriolet zählt auch heute noch zu den begehrtesten Daimler der Neuzeit, was man von seinen Nachfolgern nicht behaupten kann. Denn mit dem W210 kam der CLK und blieb so lange im Modellprogramm, bis er von der Baureihe 207 abgelöst wurde. Das war 2009. Nun steht das neue Cabrio vor uns und es hat über die Jahre optisch dazugewonnen. Auch wenn die Front das aktuelle Markengesicht ziert und selbst für Kenner schwer ersichtlich ist, ob nun eine C- oder E- oder gar S-Klasse im Rückspiegel auftaucht, so ist sie durchaus gelungen. Die Heckpartie hebt sich – wie auch beim E-Klasse Coupé – ein wenig durch eigenständige Rückleuchten ab. Die Außenlänge verdeutlicht die Mittelstellung der E-Klasse: mit 4,82 Metern ist das Cabrio 14 Zentimeter länger als das C-Klasse Cabrio und 20 Zentimeter kürzer als das luxuriöse S-Klasse Cabriolet.

Wer also das E-Klasse Cabriolet kauft kann sich nicht zwischen C- und S-Klasse entscheiden. Doch er muss zumindest nicht auf diverse Komfort-Extras verzichten. Das Cabrio verfügt serienmäßig über LED-Scheinwerfer, das Verdeck wird stets vollautomatisch betätigt und kann bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Km/h geöffnet und geschlossen werden. Auch die ansonsten nervige Kofferraumabdeckung, die früher händisch heruntergeklappt werden musste, wird nun elektrisch betätigt – das allerdings nur in Verbindung mit dem Cabriolet-Komfort-Paket. Letzteres enthält ferner die sogenannte Aircap, ein System, das mit im Scheibenrahmen integrierten Lamellen und einem elektrisch ausfahrbaren Windschott Luftverwirbelungen unterbinden soll. Die Optik der aktivierten Aircap ist allerdings mehr als bescheiden. Dafür bietet der Kofferraum 385 Liter Volumen (310 bei geöffnetem Dach), zudem sind die Rücksitzlehnen umklappbar. Ansonsten gleicht der Innenraum dem des E-Klasse Coupés, wobei teilweise andere, neue Farben zur Auswahl stehen. Wer sich für die nun aufgelegte 25-Jahre-Edition entscheidet, erhält weitere Kombinationsmöglichkeiten.

Und die Motoren? „Wird es ihn auch als AMG geben?“, war unsere erste Frage, die wir uns beim Lesen der Pressemitteilung stellten. Doch bislang lautet die Antwort leider: „Nein“. Zum Marktstart wird es zwei Diesel (E 220 d, 194 PS und E 350 d, 258 PS) sowie drei Benziner (E 200, 184 PS, E 300, 245 PS und E 400 mit 333 PS) geben. Alle Modelle werden stets mit der Neungang-Automatik 9G-Tronic ausgeliefert, wahlweise gibt es bei den beiden Sechszylindern Allradantrieb. Doch weitere Modelle mit 4Matic und weitere Motoren sollen bald folgen. Wir freuen uns schon auf einen bösen AMG E 63 S 4Matic+ Cabriolet – dann gerne auch mit Wireless Charging.

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