Für 51.051 Euro steht der aktuelle Mercedes-AMG A 45 mit seinem 381 PS starken Zweiliter-Turbomotor unter der Haube in der Preisliste. Viel Geld für einen Kompakt-Sportler. Doch der schnelle Schwabe hat eben auch einiges auf dem Kasten. Trotzdem, wer finanziell etwas zurückstecken muss, der kann sich ja auch das Vorgängermodell mit immerhin 360 PS einmal etwas genauer anschauen. Um euch etwas bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, haben wir das „alte“ Modell kurzerhand noch mal zu einem Test gebeten. Im Folgenden erfahrt ihr, was evocars-Redakteur Axel vom gar nicht alten A 45 AMG hält.

Ach Leute, wie die Zeit vergeht! Während ich meine Kindheit noch auf der Rückbank eines Golf GTI der ersten Generation erleben durfte und 110 PS für eine unglaublich hohe Motorleistung hielt, schmunzeln die Kids von heute nur noch mitleidig darüber. Unter 200 PS? Das reicht ja gerade so zum mitschwimmen. Wer heute in der Kompaktklasse wirklich auf dicke Hose machen will, der braucht mindestens 300 flotte Pferdchen unter der Haube. Und aktuell geht der Trend eher  zu noch höheren Werten. Die 400er Marke wird spätestens mit dem Golf R400 geknackt. Doch schon die inzwischen abgelöste, erste Generation des Mercedes A 45 AMG mit seinen 360 PS und Allradantrieb legte die Messlatte mächtig hoch.

„450 Nm, also A 45 AMG

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Wer hätte das gedacht, plötzlich sexy! Die dritte Generation A-Klasse, die sogenannte Baureihe W176, hat das geschafft, was der Daimler Konzern schon so lange vergeblich versucht hatte: eine jüngere Käuferschicht ansprechen. Als Imageträger trägt dazu natürlich speziell die von uns getestete AMG Variante bei: 2,0 Liter Hubraum und ein dicker Turbolader mobilisieren nicht nur ansehnliche 360 PS, sondern auch 450 Newtonmeter, die dem kompakten Benz auch gleich seinen Namen geben: A 45. Die arrivierte Bande rund um Audi RS3, VW Golf R, Subaru WRX STI und Mitsubishi Lancer Evo 10 staunten im Sommer 2013 nicht schlecht, als der wildeste Kontrahent plötzlich aus Affalterbach kam.

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„In 4,6 Sekunden bis Tempo 100“

Doch die Hot Hatches von heute haben seit dem ersten Auftauchen dieses Begriffs in den 80ern nicht nur eine unfassbare Leistungsexplosion hinter sich, auch die Fahrwerte erreichen zwischenzeitlich Dimensionen, die vor 30 Jahren nicht einmal Supersportler schafften. Denn während ich im 1er GTI noch in erstaunlichen 9,2 Sekunden von meinen Eltern auf 100 km/h beschleunigt wurde, kann ich heute problemlos selber den A 45 in der Hälfte der Zeit auf das maximal zulässige Landstraßentempo beschleunigen. In Zahlen: 4,6 Sekunden auf 100 km/h!

„Die Physik können auch die fleißigen Regelsysteme nicht aushebeln“

Das Erschreckende dabei: der eigene Mund bleibt vor Erstaunen kaum offen stehen. Zu locker und lässig schüttelt der 45er den Standardsprint aus den Ärmeln und auch jenseits dieser Marke fühlt man sich nicht hoffnungslos übermotorisiert. Im Gegenteil: das Zusammenspiel aus Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe und ESP im „Sport Handling Mode“ ist so ausgefeilt, dass man sich auch bei üblen Geschwindigkeitseskapaden auf Landstraßen und Autobahnen in einer trügerischer Sicherheit wiegt. Doch Achtung: allen elektronischen Helferlein zum Trotz, die Physik können auch die fleißigen Regelsysteme der emsig tüftelnden schwäbischen Ingenieure nicht aushebeln.

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Aber im Gegenzug beginnt hier auch der schmale Grat des Fahrspaßes im kleinen Power-Benz. Denn je mehr man ihn fordert, desto mehr Rückmeldung liefert er. Das Set-up haben sie in Affalterbach schon wirklich gut hinbekommen, denn die Fahrwerksentwickler haben Raum zum ungezügelten Spieltrieb gelassen. So lässt sich im A45 durchaus auch ein knackiges Lift-off Oversteer provozieren, bei dem es schon einer gewissen Erfahrung am Steuer bedarf, um die Fuhre nicht komplett zu verlieren. Denn das wäre schade, da die starke A-Klasse mit mindestens 50.158,50 Euro zu Buche schlägt und mit ein paar Klicks im Konfigurator auch die 60.000er Marke mühelos überspringt. Dazu gehört zum Beispiel auch das in unserem Testwagen verbaute AMG Driver’s Package für 2.261 Euro, das die Höchstgeschwindigkeit auf 270 km/h anhebt und die Teilnahme an einem Fahrtraining der AMG Driving Academy beinhaltet. Jedoch geht dem A45 ab 240 km/h ein wenig die Puste aus, so dass wir zwar ein Fahrertraining immer empfehlen, aber auf diese Sonderausstattung gerne verzichten können.

„Die Hot Hatches von heute sind schon lange keine jungen Wilden mehr“

Jammern auf hohem Niveau nennt man so etwas und nicht nur ich erkenne: die Hot Hatches von heute sind schon lange keine jungen Wilden mehr, sondern gutsituierte Kompaktfahrzeuge, die bereits ein wenig Wohlstandsspeck angesetzt haben. Knapp 1.600 kg bringt unser Tester auf die Waage. Und da ist es wieder, das „wie doch die Zeit vergeht“, denn vor knapp 40 Jahren knabberte ein VW Golf GTI noch an der 800 Kilogramm Marke und war in der Tat eine motorisierte Keksbüchse. Eins ist jedoch geblieben: notwendig waren fett motorisierte Kompakte noch nie, doch Spaß machen sie wie eh und je. Somit ist die Antwort auf die eingangs gestellte Frage klar: der Mercedes-Benz A45 AMG ist ein Hot Hatch und er ist heiß.

Driven: Mercedes A 45 AMG im Test
Der aktuell stärkste Hot-Hatch auf dem Markt ist der Beweis, dass Mercedes-Benz nach zwei Generationen hoch aufbauender A-Klassen auf Anhieb in dem Kompaktwagen Segment auch sportlich kann. Konzeptbedingt ist der Grat zwischen Untersteuern und Allrad Spaß sehr schmal, aber hat man den Kniff raus und besitzt das nötige Budget für den kleinsten AM, kann man viel Spaß haben mit dem Mercedes-AMG A45. Mit der Quersperre an der Vorderachse seit dem Facelift bestimmt noch eine Spur mehr.
ANTRIEB80%
FAHRVERHALTEN75%
DESIGN70%
INNENRAUM65%
PREIS40%
FUN-FAKTOR76%
STÄRKEN
  • Leistung
  • Doppelkupplungsgetriebe
  • Auch mit 4 Zylindern ein echter AMG
SCHWÄCHEN
  • Grundpreis
  • Aufpreispolitik
  • Materialanmutung im Innenraum
68%Gesamtnote
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89%