Mercedes-Benz-GLE-350de
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Mercedes GLE 350de im Test: Elegantes Diesel-Hybrid-SUV

Die nachladbaren Hybride sind schwer im Kommen. Nur mit ihnen schaffen es die Hersteller, ihre Flottenverbräuche auf den von der EU geforderte Wert zu stutzen. Dabei erregt die technische Zwitterlösung vielerorts Kritik, sei sie doch nur eine lebenserhaltende Maßnahme für den Verbrenner. Der Mercedes-Benz GLE 350de zeigte im 360°-Test allerdings, was das Konzept alles drauf hat, wenn man es etwas anders denkt.

Das beginnt schon bei der Kombination der Antriebsmotoren. Verbrenner und Elektro ist klar, doch im großen Mercedes-SUV arbeitet ein Diesel unter der Haube, was ihn zum Exoten macht. Dazu kommt eine mit über 30 kWh Fassungsvermögen untypisch große Batterie. Damit stromert der Mercedes-Benz GLE 350de unter günstigen Bedingungen über 100 Kilometer weit bevor der Diesel aushilft.

Mercedes-Benz-GLE-350de

Design, Platz & Komfort

Der fast-Vollzeit-Stromer aus Stuttgart bietet in allen drei Kategorien vor allem eines: Überfluss. Feines Design mit liebevollen Details außen wie innen, beinahe unverschämt viel Platz und über allem thront maximaler Komfort. Und letzterer ist es, der wirklich nachhaltig beeindruckt.

Die Kombination aus flüsterleisem E-Antrieb, doppelt verglasten Scheiben, Massagesitzen und Luftfahrwerk ist wirklich sensationell. Selbst die große S-Klasse kann das kaum besser. Was sie allerdings nicht bieten kann ist die Praktikabilität des Mercedes-Benz GLE 350de. Mit bis zu 1.900 Litern Kofferraumvolumen und einer Anhängelast von 3,3 Tonnen ist der E-GLE für fast alle Aufgaben gerüstet.

Allerdings wird ihn wohl kaum jemand für schwere Transportaufgaben missbrauchen, geschweige denn ins Gelände überführen. Stattdessen wird man auf den edlen Ledersesseln lümmeln und den Blick über das offenporige Holz und den breiten MBUX-Screen schweifen lassen. Dass selbst die Fondinsassen über Deckenmikrofone zur besseren Verständigung verfügen, ist übrigens Beweis genug für das üppige Raumangebot.

Technische Highlights

Das Technikfeuerwerk des Mercedes-Benz GLE 350de ist etwas für Freunde feinen Maschinenbaus. Die Kombination aus einem streng sauberen Dieselmotor und einer Elektromaschine mit großer Batterie ist bislang einzigartig. Wohl auch, weil sie in der Summe ihrer Einzelteile extrem teuer ist. Dabei zeigt sie einen Alltagsnutzen, der alle anderen PHEV-Versuche relativ alt aussehen lässt.

Mit 31,2 kWh Fassungsvermögen schafft er auf dem Papier über 100 km Reichweite. Wir kamen im streng winterlichen Test auf Werte zwischen 84 km und mindestens 63 km bei reichlicher Autobahnnutzung. Das sind Zahlen, die vor einer Generation noch echte E-Autos gut zu Gesicht gestanden haben. Dass der Mercedes-Benz GLE 350de dann auch noch mit bis zu 60 kW am Gleichstrom geladen werden kann erhöht seinen Praxisvorteil zusätzlich.

Denn damit ist die Batterie bereits nach 30 Minuten wieder bis auf 80% geladen. An der heimischen Wallbox an AC lädt er zweiphasig mit 7,4 kW in etwa dreieinhalb Stunden auf. Und man wird ihn stetig am Strom halten, denn gerade der Elektrobetrieb sorgt für ein souveränes Fahrgefühl, das beinahe süchtig macht.

Wie fährt der Mercedes-Benz GLE 350de?

Sprichwörtlich überragend. Und das liegt nicht nur an den eher üppigen Ausmaßen. Es liegt vor allem am Komfort, den das Zusammenspiel aus Antrieb und Fahrwerk ermöglicht. Die nominal nur mager wirkenden 136 Elektro-PS stehen den 2,7 Tonnen Leergewicht dank sofort aufspurtenden 440 Nm locker entgegen. Flink setzt sich der Mercedes-Benz GLE 350de in Bewegung und lässt elektrisch nie an Vorwärtsdrang vermissen.

Wenn auf der Langstrecke dann der Zweiliter-Vierzylinder unter der Haube zum Leben erwacht, dann merkt man dies nur akustisch. Die Wechselvorgänge sind derart gut verschliffen, dass kein Rucken und Zucken durch das Fahrzeug geht. Und das Zusammenspiel der beiden Antriebe legt dann nochmal eine weitere Dynamikstufe frei. Denn die nun zur Verfügung stehenden 700 System-Newtonmeter machen aus dem Mercedes-Benz GLE 350de einen souveränen Gleiter.

Blitzschnell kann bei Bedarf beschleunigt werden, um im nächsten Moment antriebs- und lautlos dahinzusegeln. Selbst bei nicht geladener Batterie zeigt der Bordcomputer am Ende einer langen Fahrt durchaus elektrische Streckenwerte von 20 Prozent an. Die Rekuperation funktioniert also bestens. Dass der große Teilelektrische dazu über einen 65 Liter fassenden Dieseltank verfügt, macht ihn vollends zum idealen Wagen für alle Gelegenheiten.

Fazit

Bieten die meisten Benziner-Hybride wirklich nur einen mageren Kompromiss, sticht der Mercedes-Benz GLE 350de heraus. Er punktet mit großer Reichweite, hoher Ladegeschwindigkeit und einem großen Tankvolumen. Also eben genau da, wo die Konkurrenz Probleme hat. Dazu kommt die fast fehlerlose Vorstellung in Sachen Platz und Komfort.

Bleibt der Preis, denn mit 77.326,20 Euro ist der GLE kein günstiges Angebot. Dazu kommt, dass viele Annehmlichkeiten optioniert werden müssen. Doch die Konkurrenz ist nicht günstiger. Allerdings ist sie zumeist deutlich schlechter.

Technische Daten:

Modell: Mercedes-Benz GLE 350de
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1.950ccm
Systemleistung: 320 PS (235 kW)
Systemdrehmoment: 700 Nm
E-Leistung: 136 PS (100 kW)
E-Drehmoment: 440 Nm
Antrieb: Allradantrieb, Neungang-Automatikgetriebe
Verbrauch (WLTP): 1,0 Liter Diesel/100 km
Testverbrauch: 7,4 Liter Diesel/100km
E-Testverbrauch: 29,7 kWh/100 km
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 6,8 sek.
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h (abgeregelt)
Abmessungen (L/B/H): 4,92 m/2,02 m/1,79 m
Gewicht: 2.655 kg
Grundpreis: 77.326,20 Euro