Es gibt diese Tage, an denen reißt es Dich vor lauter Vorfreude schon weit vor dem Weckerklingeln aus dem Bett. Vor einer Woche war es wieder soweit. Mercedes präsentierte die neuen Modelle des SLS. Auf der Rennstrecke. Und dann stehst Du so an der Boxenmauer mit dem Blick über eine der schönsten Rennstrecken der Welt mit ihren blau und rot markierten Auslaufzonen und siehst den neongelben Wahnsinn auf die zufliegen. Beim Anbremsen taucht er auf der Vorderachse kurz ab, lenkt ein und zieht wieder auf die Gerade und aus dem Blick.

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Was bitte war das? 750 PS und 1000 Nm. Wir haben das totale Inferno erwartet. Donnerhall und Reifenqualm. Nichts. Gar nichts. Stattdessen unheimliche Stille, durchbrochen nur von ein paar Vögeln, die zu früh aus dem Süden wiedergekehrt sind. Hektisch zurück in die Boxengasse und den anwesenden Ingenieur darauf hingewiesen, dass mit dem gelben Flügel etwas nicht in Ordnung sei, worauf er trocken konterte: „Alles im grünen Bereich. Das ist der neue SLS Electric Drive. Sound gibt es da nur innen aus den Lautsprechern.“

Galerie: Mercedes SLS AMG Black Series

Im grünen Bereich? Himmel. Ein SLS ist so grün, wie die katholische Kirche modern. Elektroantrieb hin oder her. Sollte sich das frühe Aufstehen also nicht gelohnt haben? Doch der Blick unter die Haube eines der in der Box parkenden SLS-Flügels ließ uns aufatmen. Denn dort stand schwarz auf silber „handcrafted by Thomas Schiller, Affalterbach, Germany.“ Glück gehabt. Der 6,2-Liter-V8 lebt. Und wie! Stärker denn je, im Black Series SLS nun 631 PS und 635 Nm stark, drehzahlfest bis 8000 Umdrehungen und in der Lage, das Coupé in 3,6 Sekunden von null auf 100 km/h zu drücken. Bei 315 km/h ist Schluss (was wohl an der etwas ausladenden Verspoilerung liegt – aber ein Black ist eben ein Black).

Die Recaro Pole Positions nehmen Dich fest in den Griff, die Sitzposition passt wie maßgeschneidert. Getriebe, Dämpfer und Motorcharakteristik in die schärfsten aller Modi und raus auf die Strecke. Und schon is das Inferno da. Der V8 erklärt der Welt in aller Deutlichkeit, warum er das Mittel der Wahl zum Schnellfahren ist. Die Bremse schafft ebenfalls Vertrauen, gibt sie Dir doch jederzeit das Gefühl, den SLS auf die Nase stellen zu können. Und das Fahrwerk gibt sich große Mühe den gebotenen Leistungsexzess in vernünftige Rundenzeiten umzuwandeln.

Wobei, eigentlich ist die Mühe vergeblich. Der SLS war nie ein echter Rennwagen und wird es auch in der GT3-nahen Black Series-Version nicht. Sicher, er lenkt gut ein, das fühlt sich gut an, aber am Ende ist der Black doch genau der Hooligan, den wir haben möchten. Hemmungslos quer, hemmungslos laut und hemmungslos unvernünftig. Sicher kann McLaren die Zeitenhatz besser, auch ein Ferrari 458 Italia ist ein exakteres Gerät. Aber mehr Spaß macht definitiv der Black.

Denn selbst die nagelneuen und sündteuren Michelin Pilot Sport Cup 2-Semislicks sind am Ende nicht viel mehr als Radiergummis, wenn der unschuldig weiße SLS die Kurven ausmalt. Natürlich kann man mit dem Black auch ernsthaft schnell fahren, Querbeschleunigungswerte am Dashboard ablesen und Rundenzeiten stoppen. Aber man kann ja auch ein Elektroauto fahren. Will man aber nicht. Denn ein Konzert höre ich auch live und nicht künstlich aus irgendwelchen Lautsprechern.

Deshalb: danke Thomas! (Außerdem ist der SLS Black mit 249.990 Euro ein echtes Schnäppchen im Vergleich zu den 416.000 Euro des Electric Drive. Da kann man schon ein paar Mal volltanken …)

Bilder: Teymur Madjderey


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