Er ist und bleibt der Platzhirsch: der VW Bulli. Seit Jahrzehnten versucht Mercedes-Benz nun schon den Marktführer aus Hannover vom Thron zu stoßen. So richtig geklappt hat es allerdings nie.

Doch die Zeiten könnten sich ändern. Im Zuge der schnell voranschreitenden Elektrifizierung hat Mercedes-Benz mit seiner breit angelegten Elektrifizierung unter dem Begriff „EQ“ nun auch die V-Klasse bedacht. In Genf steht sie noch als Concept EQV, doch auf der IAA in diesem Herbst dürfte die serienmäßige EQV-Klasse dem Konzept wie aus dem Gesicht geschnitten sein.

Natürlich eignet sich ein Elektrobus nur bedingt für transeuropäische Roadtrips. Doch wer ein bisschen Zeit mitbringt – reisen bedeutet ja nicht immer gleich rasen – der kann mit dem EQV vielleicht schon während der Fahrt den Urlaub beginnen. Für innerstädtischen Taxi-, Pendel- und Shuttleverkehr ist ein Elektrobus seinem Dieselpendant allerdings in jedem Fall überlegen. Nicht nur was den Fahr- und Geräuschkomfort angeht, sondern vor allem auch was die Abgasemission im Stand und die Diskussion zum Thema „Dieselfahrverbot“ betrifft.

Warum aber ist Mercedes-Benz nun erstmal am Bulli vorbeigezogen? Der Platzhirsch von Volkswagen – ebenfalls gerade frisch überarbeitet – zögert bei der Elektrifizierung noch ein wenig. In Zusammenarbeit mit Abt entstand zwar ein Elektro-Bulli, dieser ist aber aktuell nur beim Allgäuer Tuner zu erwerben und kommt erst nächstes Jahr als Volkswagen auf den Markt. Und wenn er kommt, dann mit sehr zahnlosen Daten: zwei Akku-Pakete, das größte davon 77,6 kWh groß (das kleine nur 38,8 kWh), wird es geben. Viel ernüchternder aber ist die Leistung. Der e-Bulli wird mit 82 kW (das entspricht gerade einmal 112 PS) zurechtkommen müssen. Bei einem Fahrzeuggewicht jenseits der zwei Tonnen und einer gewohnt barocken Aerodynamik wird so beim Fahrer keine große Freude aufkommen.

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Der Benz EQV macht da sehr viel mehr richtig. 150 kW und 204 PS schieben den Elektro-Benz durch den Wind. Die Kraft kommt dabei aus einem 100 kWh-Akku-Paket, das auch bei forcierter Fahrweise 400 km schaffen wird – wohingegen dem kleinen e-Bulli bei noch nicht einmal 200 km der Saft ausgeht.

Der große Akku vom Daimler verträgt auch große Ladeströme: Mercedes gibt an, dass der EQV in 15 Minuten 100 km Reichweite nachladen kann. Das dürfte einer netto Ladeleistung von guten 80 kW entsprechen. Natürlich kann man ihn auch an einer normalen Schukosteckdose, oder einer ein- oder mehrphasigen Wallbox laden.

Konzeptionelles hat das Design bis auf die schönen 19 Zoll-Felgen wenig. Die Front mit der durchgehenden LED-Lichleiste und dem verchromten Kühlergrill wird als EQ-Merkmal auch in der Serie Einzug finden, ebenso die neuen Scheinwerfer. Im Innenraum gibt es – wie in der V-Klasse Modellpflege – das neue MBUX-Infotainment und ein neu arrangiertes Bedienfeld.

Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und für den ersten großen Elektrobus wird es sicherlich auch gegen Aufpreis eine aufwändige Lederausstattung geben, so wie es das Konzept in Genf gezeigt hat.

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