Lange wurde spekuliert, viele Erlkönigbilder kursierten im Netz und zuletzt wurden hastig Schnipsel aus dem neuen BMW-Kurzfilm mit Clive Owen (das Ihr weiter unten findet) herauskopiert. Jetzt aber wurde das offene Geheimnis endlich gelüftet und ab sofort hat jeder die Möglichkeit, den neuen 5er BMW in seiner ganzen Pracht zu beäugen. Wie nicht anders zu erwarten war, ist der 5er mit dem Eintritt in die neue G-Baureihe wieder ein Stück näher an seinen großen Bruder, den 7er BMW, herangerückt.

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Was hat sich auf den ersten Blick verändert? Die Scheinwerfer sind größer ausgefallen als beim Vorgänger und reichen nahtlos bis zur breiten Doppel-Niere. Die Frontschürze wurde mit fragwürdigen LED-Nebelkerzen ausgerüstet, die seinerzeit schon beim Konkurrenten Audi S6 4F wirkten wie aus dem Zubehörhandel. Gut 10 Jahre später sehen sie am BMW nicht besser aus. Seitlich haben die Bayern es vermieden, die durchgehende Hockey-Schläger-Leiste des 7er zu übernehmen und begnügen sich stattdessen mit einem kurzen Steg, Blade, Luftauslass – oder was auch immer das sein mag. Die Dachlinie bis hin zum Kofferraumabteil gefällt dagegen ausdrücklich. Ja – und das Heck? Fällt unserer Meinung nach im Serien-Trimm seitlich etwas zusammen, wirkt aber mit dem optionalen M-Paket durchaus stimmig. Geht man rein nach den Abmessungen, ist der neue 5er wieder etwas länger, breiter und höher geworden als das auslaufende Modell. Der Wagen soll durch den Einsatz von Leichtbautechnologie bis zu 100 Kilo leichter werden – wohlgemerkt ohne den Einsatz von Carbon.

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Im Innenraum gibt es den gewohnten Business-Schick – in großen Stücken bereits bekannt aus dem 7er BMW (einen aktuellen Fahrbericht findet Ihr hier). Über allem thront das überarbeitete iDrive System inklusive verbesserter (optionaler) Gestensteuerung und einer weiterentwickelten Sprachbedienung. Kennt man irgendwo her? Ja natürlich – aus dem 7er. Bedienlogik, Funktionen, Schalter, Armaturenbrett… alles aus dem Siebener. Nur eben eine halbe Nummer kleiner und an manchen Ecken und Enden angepasst. Der 5er muss es sich also gefallen lassen, als Abklatsch seines großen Bruders zu gelten. Ist das schlecht? Nicht unbedingt. Es erspart uns als schreibende Zunft das ewige Aufzählen der immer gleichen Ledersorten und Sonderausstattungen. Eine Neuerung gibt es dann aber doch, über die auch der 7er nicht ganz so ausgeprägt verfügt. Der neue G30 ist nämlich noch ein Stück weit autonomer. Also selbstständiger. Oder war es bevormundender? Na auf jeden Fall wurden die Sensorik, Mechanik und Steuersoftware der Helferlein nochmals verfeinert, sodass auf ersten bewegten Bildern des 5er sogar schon ohne Hand am Steuer gefahren wird. Wer es braucht.

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Beim Antrieb sind die größten Veränderungen vorerst nur am Heckdeckel auszumachen. Denn in München spielt man wieder Typenschild-Bingo und sortiert seine Flotte nach einem neuen Muster, das man wohl nur BMW-Intern versteht. Aus dem jetzt 252 PS starken 528i / 2.0 Liter 4-Zylinder Turbobenziner wird ein 530i. Der beliebte und auf 340 PS erstarkte 3.0-Liter 6-Zylinder Benziner wechselt die Kennung von 35i auf 40i und den ehemals als „Understatement-M5“ verstandenen 50i bringen die Bayern ab dem neuen Modelljahr nur noch als M-Performance – M550i – M-Paket 5er auf den Markt. Dieser wird äußerlich mindestens so viele M-Logos tragen, wie der Buchstabe M im vorherigen Satz zu lesen war.

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Dieselseitig bietet BMW zum Marktstart ab dem 11. Februar 2017 einen 190 PS starken 4-Zylinder und einen 265 PS 6-Zylinder an (bei den Selbstzündern sparte man sich übrigens die Zahlenschieberei am Heck). Im März folgt eine Hybridvariante die durch einen 2.0-Liter Benziner unterstützt wird. Rein elektrische Fahrstrecke: nur magere 45 Kilometer. Später im Jahr folgt dann höchstwahrscheinlich der Einstiegsdiesel 18d mit ca. 150 PS und noch später, wohl aber spätestens Anfang 2018, wird der neue M5 für mächtig Krawall sorgen – dann mit (hoffentlich nur optionalem) Allradantrieb.

20d, 30d/i, 40i sind ab dem Verkaufsstart (der 50i folgt einige Zeit später) im kommenden Jahr auch sofort mit xDrive lieferbar. Traurig für alle Puristen: Bis auf den 520d entfällt das 6-Gang-Schaltgetriebe. Serienmäßig bei allen anderen Triebwerken ist dann das 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF verbaut. Unterm Strich ist es einmal mehr BMW selbst, die sich mit dem neuen 5er die stärkste Konkurrenz zum 7er schaffen. Denn bis auf etwas mehr Platz für Fahrer und Mitfahrer gibt es keine (relevanten!) Eigenschaften die das dicke Oberhaus von der gutbürgerlichen Mittelklasse abtrennen. Die Handelsvertreter und Abteilungsleiter wird es sicherlich freuen. Die Preise starten für die günstigste BMW 520d Limousine mit Schaltgetriebe ab etwa 45.000,00 Euro.

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