Auch wenn Kia in den letzten Jahren mit dem Cee’d GT-Track oder auch dem Optima GT durchaus gezeigt hat, dass die Koreaner auch „sportlich“ können – mit dem Stinger haben wir dennoch nicht unbedingt gerechnet, denn: wann hat man zuletzt einen serienreifen Kia mit 365 PS (was nach evocars-Rechnung knapp 400 sind) und 270 Km/h Topspeed gesehen? Eben.

Sehen und das Gesehenwerden sind überhaupt gute Stichworte. Die viertürige Limousine mit dem prägnanten Namen, die auf der jetzt gestarteten NAIAS in Detroit ihre Weltpremiere feiert, ist optisch durchaus ein Hingucker. Auch wenn wir nicht wissen, ob wir begeistert oder eher abgeneigt sein sollen, was zeigt: das Design polarisiert. Die aggressive Front mit vielen und großen Lufteinlässen zeigt ohne Zweifel, dass es der Stinger ernst meint. Vor allem weiß die Seitenlinie inklusive Fließheck zu gefallen, das Heck hingegen ist mit einer Mischung aus Audi S7 und Porsche Panamera etwas gewöhnungsbedürftig. Die Abmessungen von 4,83 Metern in der Länge und 1,87 Metern in der Breite zeigen jedoch, dass der Stinger eher eine Klasse darunter angesiedelt sein soll und beispielsweise auf das 4er Gran Coupé von BMW zielen könnte.

Weniger gewöhnungsbedürftig als vielmehr Quell der Freude dürfte die Technik unter dem Blechkleid sein. Allem voran der Motor: die Einstiegsvariante mit dem 2,0-Liter Turbobenziner und 255 PS lassen wir getrost unter den Tisch fallen, uns interessiert hingegen der angekündigte 3,3-Liter große Biturbo-V6 mit voraussichtlich 365 PS und 510 Newtonmetern Drehmoment. Damit soll der Stinger in 5,1 Sekunden auf Landstraßentempo spurten und eine Höchstgeschwindigkeit von 269 Km/h erreichen. Gekoppelt wird der Sechszylinder an eine Achtgangautomatik, die die Power entweder an die Hinterräder oder an alle vier Räder leitet. Der Allradantrieb wird auch über das sogenannte Torque Vectoring verfügen, das das Drehmoment gezielt auf die Räder verteilt, die über die meiste Bodenhaftung verfügen. Mit Hinterradantrieb gibt es ein mechanisches Sperrdifferential an der Hinterachse. Wir sehen: Kia meint es durchaus ernst mit seiner ersten echten Sportlimousine.

Wohl auch deshalb wird der Stinger mit sämtlichen Ausstattungen verfügbar sein, die es bei der Konkurrenz im Hinblick auf Assistenzsysteme oder luxuriöse Attribute ebenfalls gibt. Müdigkeitserkennung, ein Kollisionsassistent mit Fußgängererkennung und automatischer Bremsfunktion, Spurhalteassistent und Querverkehrwarner sind ebenso an Bord wie ein Head-Up-Display, eine induktive Ladestation fürs Smartphone und zwei hochauflösende Bildschirme in Mittelkonsole und Instrumenteneinheit. Der Stinger wird voraussichtlich am Ende des Jahres auch in Deutschland auf den Markt kommen.