Im Englischen hadern sie ein bisschen mit dem Namen: toe nail ist nicht unbedingt eine schöne Assoziation für ein derart hinreißendes Fahrzeug. Aber Tonale muss man eben italienisch aussprechen. Un schon klingt es wunderbar.

Nachdem der Stelvio das erste SUV der Italiener war verlieren sie nun nicht viel Zeit mit einem kleinen Bruder. Zwar ist die Klasse schon reichlich besetzt, doch ein Alfa hat noch keinem Segment geschadet.

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Und so entzückt auch der Tonale. Die Front ist wunderbar scharf, kleine LED-Augen blitzen neben einem wieder freistehenden und in mattem Chrom gefassten Scudetto. Dazu passen die Schachleisten, die nicht nur die Scheiben des Konzepts rahmen, sondern es in zukünftigen Alfa Romeos auch in die Serie schaffen sollen. Auch das Heck des Tonale ist ein gelungener Wurf. So kann SUV auch gehen – hoch sitzen ohne fett zu wirken.

Man darf hoffen, dass es die gestalterische Feinheit in die Serie schafft. Gerade hier haben Giulia und Stelvio auf dem Weg in die Massenproduktion ein wenig Federn lassen müssen. Doch die Chance stehen gut: Mit moderner LED-Technologie lassen sich die flachen Scheinwerfer und Leuchten wie in der Studie ausführen und auch ein freistehendes Scudetto haben sie bereits in der Vergangenheit zu Wege gebracht.

Auch beim Interieur würde man sich die Übernahme der Konzeptteile in die Serie wünschen. Es ist eine logische Weiterentwicklung der von den großen Geschwistern bekannten Linie, nur eben mit moderneren Displays und besser genutzten Räumen auf dem Armaturenbrett. Bei der Materialauswahl dürften sich die Italiener ebenfalls gerne an der Studie orientieren. Edles Leder, feines Aluminium und ein bisschen Alcantara würden jedem Tonale gut zu Gesicht stehen.

Spannender indes ist die Technik unter dem schönen Kleid. Und hier wird es vielleicht kritisch. Denn wo Giulia und Stelvio im Design vielleicht mit ein wenig Nachlässigkeit patzen, holen sie durch ihr hervorragendes Fahrwerk, die perfekte Lenkung und den tollen Motor wieder alles raus – dank der eigenen Plattform, die Alfa für die großen Modelle entwickeln durfte.

Dies wird beim Tonale nicht so sein. Er wird auf der Plattform von Fiat 500X und Jeep Renegade stehen. Beide sind nicht nur kein Ausbund an Fahrfreude, sondern vor allem: alt. Seit August 2014 sind die baugleichen Brüder am Markt und entsprechend angestaubt ist ihr technischer Stand.

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Zwar soll im Tonale ein Hybrid-Antrieb Premiere feiern, doch auch dieser wird vorher schon bei den beiden anderen Zwillingen zu kaufen sein. Konkret wird der Jeep Renegade PHEV mit der neuen Technik starten: Ein 1,3-Liter Turbo-Vierzylinder, kombiniert mit einer E-Maschine an der Hinterachse, die im Verbund zwischen 190 PS und 240 PS leisten werden.

Im Alfa darf man von Letzterem ausgehen, dennoch sind geschätzte 180 Benziner-PS aus 1,3 Litern Hubraum – selbst wenn das historisch gesehen ein klassischer Alfa-Wert ist – kein Grund zum Jubeln. Das Batteriepaket soll für 50 km Reichweite sorgen und bis 130 km/h auch alleine für Vortrieb sorgen können. Man darf also von etwa 13-15 kWh an Kapazität ausgehen.

Bleibt zu hoffen, dass Alfa mindestens den 1750er Motor aus der Giulietta, besser aber noch den 2000er-Turbo aus der Giulia in irgendeiner Art und Weise in den Tonale verpflanzen kann. Denn ein echter Quadrifoglio darf dann schon etwas mehr leisten, als es die PHEV-Daten versprechen.

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