Schmerz – er war leider die Emotion, die sich beim Erstkontakt mit dem Peugeot RCZ R zu allererst einstellte. Also merke: Die Kombination aus 35 Grad im Schatten, einem Aluminium-Schaltknauf und direkter Sonnenbestrahlung desselben lässt ernsthafte Schäden an des Fahrers rechter Hand befürchten. Doch es gibt  glücklicherweise noch weitere, positivere Emotionen, die ein Auto auslösen kann – und der RCZ R kann das ganz trefflich. Er betört alleine schon durch seine knackige Karosserieform mit kurzen Überhängen, die durch die 19 Zoll großen Felgen noch besser zur Geltung kommen. Er betört auch mit seinem kecken Hüftschwung und dank des feststehenden Spoilers und der zweiflutigen Abgasanlage sportlichem Abgang. Erithrea Rot (520 Euro Aufpreis) steht ihm besonders gut (wahlweise stehen noch Schwarz, Silber für ebenfalls 520 Euro) und aufpreisfreies Weiß zur Wahl), das mit Echtcarbon beschichtete Dubble-Bubble-Dach (1.500 Euro Aufpreis) ebenfalls. Beides führt auffallend häufig zum Köpfedrehen vieler Passanten in der Innenstadt.

Das kann man im Innenraum trotz kleiner Seitenscheiben noch recht gut beobachten, auch wenn man seinen Blick lieber auf das Interieur selbst richtet: Die R-Sportsitze in Leder-Alcantara-Kombination und roten Nähten sind ordentlich verarbeitet, verschaffen Fahrer und Beifahrer eine ideale Sitzposition und geben sehr guten Seitenhalt. Und auch der Rest des Cockpits glänzt mit fein skalierten Uhren, roten Ziernähten und einem ausfahrbaren Bildschirm für Navigation und Radio. Leider merkt man dem RCZ nach dem ersten haptischen Eindruck an, dass er vor der letztmaligen Peugeot-Cockpit-Offensive entwickelt wurde. Es kann in Sachen Qualität und Bedienfreundlichkeit nicht mit den neuen 308 und 208 mithalten. Die rot abgesteppte Kunststoffhaut auf Armaturenbrett und Türbrüstungen ist kein Handschmeichler und zudem auffällig schmutzanfällig. Das in der unteren Hälfte verwendete Plastik wirkt nicht sonderlich hochwertig und ist ebenfalls kratzerempfindlich. Hier merkt man den Qualitätssprung der neuen Modelle am meisten.

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Doch der eingangs erwähnte Alu-Schaltknauf lädt ohnehin zum Fahren mit passenden Lederhandschuhen ein – und diese wirken am leistungsstärksten Peugeot-Modell mal überhaupt nicht deplatziert. 270 PS und 330 Newtonmeter (bei 6.000 respektive 5.500 U/min) leistet der 1600er Turbomotor, der unter anderem auch bereits im Mini John Cooper Works (dort mit 211 PS, hier bei uns im Gebrauchtwagen-Check) zum Einsatz kam. Für die höhere Leistung wurden unter anderem verbesserte Lagerschalen, Kolben und Pleuel verbaut – damit der Motor auch dauerhaft halten kann, was das Datenblatt verspricht.

Und das ist viel: 5,9 Sekunden gibt Peugeot für den Sprint auf 100 km/h an und diese trauen wir ihm auch zu. Nach festem Druck auf’s Gaspedal dauert es einen kleinen Augenblick, bis der Twin Scroll-Turbo seinen vollen Ladedruck aufgebaut hat, dann geht es vehement nach vorne – egal welche Drehzahl gerade anliegt. Dass diese sich regelmäßig im Bereich oberhalb von 3.500 U/min bewegt, hat zwei Gründe: Der Motor zeigt sich zum einen äußerst drehfreudig, sodass der Fahrer gerne zum (heißen) Schalthebel greift – zum anderen ist das Getriebe analog zum Mini Cooper derart kurz übersetzt, dass bereits bei 140 km/h im sechsten Gang 3.500 U/min anliegen. So schaut man etwas blöd aus der Wäsche, wenn nach pausenlosem Schub bei 250 km/h der Drehzahlbegrenzer erreicht ist. Mit einer längeren Übersetzung könnte der Motor durchaus noch mehr, bis zu den (auch noch elektronisch abgeregelten) 250 geht es aber „très rapide“. Positiv fällt bei solchen Geschwindigkeiten der verhältnismäßig lange Radstand des RCZ auf. Auch in schnell gefahrenen Autobahnkurven lässt sich der Franzose präzise dirigieren und verfällt nicht in das befürchtete „Von-Spur-zu-Spur-Gehopse“. Auch die auf schlechten Straßen sehr ehrliche Federung wird mit zunehmender Geschwindigkeit komfortabler, jedoch nie indifferent. Man ist gerne zügig unterwegs im RCZ R. Und von „zügig“ auf Null wieder runter ist man mit den standfesten Bremsen ebenfalls.

Das hat bei einem Fahrzeug mit großem Turbolader naturgemäß seinen Preis. Einen Maximalwert von 15,5 Liter auf 100 km konnten wir nach einer volllastreichen Fahrt messen – ansonsten gab sich der Franzose jedoch überraschend genügsam. Im Schnitt reichten ihm 7,6 bis 8,7 Liter feines Super Plus auf 100 Kilometer, der niedrigste Wert im „Deutschlandfunk“-Modus (rechte Spur, 120 km/h) lag bei 6,9 Litern. Glücklicherweise verzichtet Peugeot auf Start-Stopp-Automaten oder anderes grünes Gemüse, das in sportlichen Autos nunmal gar nichts zu suchen hat.

Doch zum Spritsparen braucht’s ohnehin keinen PS-starken Franzosen. Das „R“ könnte schließlich auch für „Räubern“ stehen – und wo geht das besser als auf einer kurvigen Landstraße? Sitzposition und das abgeflachte Lenkrad passen gut, die Sicht auf die vier Instrumente ist perfekt. Wenn der Schalthebel einmal abgekühlt ist, lassen sich auch die sechs Gänge über sehr kurze und angenehm definierte Schaltwege sportlich sortieren. Lenkbefehle werden spontan umgesetzt, das vielgerühmte Go-Kart-Feeling finden wir im RCZ jedoch nicht wieder. Zu schwer wirkt das Auto auf der Vorderachse, was wir zum Großteil auf die (serienmäßig) 19 Zoll großen Räder zurückführen. Dank 245er Bereifung rundum bieten diese dafür auch ein sehr hohes Gripniveau und erst bei wirklich starkem Leistungseinsatz in engen Kehren lassen sich Antriebseinflüsse in der Lenkung verzeichnen. Auf Lastwechsel reagiert der Peugeot fahraktiv und erfreut Kenner (und Könner) am Volant mit einem aktiven Heck. Fronttriebler und Untersteuern? Phhh…. der RCZ R ist hart, aber herzlich ehrlich. Es ist ein Auto zum Selbstfahren, nicht zum Gefahrenwerden. Ein kleiner, knackiger Sportler mit großen Turbo(herz), der angenehm aus der automobilen Kompromisswelt hervorsticht. Sogar einen Zündschlüssel mit dazugehörigem Schloss gibt es noch! Chapeau!

Und was noch? Nun, die hinteren Sitze sind (fast) unbrauchbar, der Schalthebel ist im Sommer bekanntermaßen heiß und der Kofferraum reicht locker für die Urlaubsreise zu zweit. Das 1.140 Euro teure Navi mit Klappbildschirm arbeitet zuverlässig, die Bedienung ist jedoch ebenfalls etwas angestaubt. Aber dass die Franzosen das bereits besser können, wissen wir ja. Und dass es nur wenige Hersteller fertig bringen, für diesen Preis (los geht’s ab 41.800 Euro) einen so fahraktiven und spaßbringenden kleinen Sportler auf die Räder zu stellen, der auch noch uneingeschränkt alltags- und reisetauglich ist, wissen wir jetzt auch. Und zwar ganz ohne Schmerzen.

Technische Daten*

Modell: Peugeot RCZ R 270
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor, Turbolader, 1.598 ccm
Leistung: 270 PS (199 kW) bei 6.000 U/min
Drehmoment: 330 Nm bei 5.500 U/min
Antrieb: Frontantrieb, Sechsgang-Handschaltung
Verbrauch (ECE): 6,3 l/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 5,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit (abgeregelt): 250 Km/h
Abmessungen (l/b/h): 4,29 m/1,84 m/1,35 m
Gewicht: 1355 Kg
Preis: ab 41.800 Euro

* Herstellerangaben