Zugegeben: wir tun uns sehr schwer diese Zeilen zu verfassen, aber es muss gesagt werden: Top Gear ist tot. Punkt. Eine Nachfolger-Show gibt es nicht. Weder das Format das derzeit von der BBC ausgestrahlt wird, noch die Autoshow auf Amazon Prime können dem einstigen Original das Wasser reichen. Wir haben „The Grand Tour“ ein paar Folgen Zeit gegeben, um uns ein Urteil zu bilden.

Mittlerweile hat sich allerdings Ernüchterung breit gemacht und die Erkenntnis: viel besser dürfte es wohl auch in Zukunft nicht werden. Es fehlt der Esprit des Originals – oder vielleicht auch nur die BBC, die Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May ab und zu auf die Finger haut. Wir vermissen in dieser Autoshow (die keine mehr ist) eine klare Linie. Einen roten Faden, der die Serie zusammenhält. Ein Zelt, zum Sterben verurteilte Stars und ein fetter Ami als Stig-Ersatz sind keine Leitlinie, sondern einzig eine Ansammlung aneinandergereihten Rohrkrepierer, die nur dem Zweck dienen, dem einstigen Arbeitgeber und dessen Anwälten eins auszuwischen.

„GT“ zeigt eindrucksvoll, wie man ein 190 Millionen Dollar Budget (rund 5,3 Mio US-Dollar pro Folge!) zum Fenster hinauswerfen kann, anstatt damit eine -halbwegs- seriöse Motorshow auf den Weg zu bringen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Drei nun komplett losgelöst von allen anderen agieren können. Quasi ihr eigener Arbeitgeber sind – und Amazon nur als Geldgeber dient. Manchmal hat man gar den Eindruck, das Moderatoren-Trio stolpert über ihr eigenes Ego. Sie wollen es allen noch einmal zeigen. Vor allem aber wollen Sie zeigen: sie gehören noch nicht zum alten Eisen. Auch wenn insbesondere James May bereits öffentlich angekündigt hat, dass nach fünf Jahren Grand Tour Schluss sein wird.

Der Fan indes klammert sich an Lichtblicke: wie in Folge drei, als man auf unorthodoxer Weise mit einem Rolls Royce Dawn, einem Aston Martin DB11 und einem Dodge Challenger SRT Hellcat durch Italien bretterte. Für einen Moment dachte man: ja, sie können es noch! Nur um dann in der nächsten Folge wieder bitter enttäuscht zu werden. Es ist nicht witzig, wenn drei alte Männer in selbstgebauten Geländewagen aus Lehm, Büschen oder Tierkadavern im englischen Hinterland herumfahren, um am Ende gegen drei alte Schrottkarren anzutreten. Genauso wenig ist es amüsant, wenn man über zwei Folgen ein Namibia-Weihnachtsspecial dreht, das streckenweise so knochentrocken ist, wie die Wüste selbst, in der gefahren wird.

Dass es zu GT aber auch Alternativen gibt, beweist das neue Format von Motor Trend. Die Amerikaner haben es verstanden, die Lücke, die Top Gear hinterlassen hat, gekonnt zu füllen. Lockere Moderatoren, eine erstklassige Fahrzeugauswahl und knackige Filmlängen, die man sich auch in der Mittagspause genehmigen kann, sorgen dafür, dass der Youtube-Kanal von MT einen enormen Zulauf zu verzeichnen hat.

Es bleibt, wie so manches dieser Tage, eine Geschmacksfrage; ob man The Grand Tour gut findet, oder eben nicht. Für uns steht aber fest: wir vermissen das gute alte Top Gear. Wir vermissen die spontan wirkenden Gags, den original Rundkurs, das Studio und vor allem: The Stig! Top Gear war als bekloppte Autoshow perfekt – in jeder Hinsicht. Und so trösten wir uns mit dem Blick auf unsere DVD-Sammlung und ziehen uns Freitag für Freitag einen Klassiker rein – wie z.B. das US-Gebrauchtwagen-Special, das Bolivien-Special oder die Folge, in der Clarkson mit einem Fiesta durch ein Kaufhaus fetzt – gefolgt von einer böse dreinblickenden Corvette. Denn eines ist gewiss: The Grand Tour hat ein Ablaufdatum. Nicht nur bei Amazon, sondern auch in den Köpfen der Fans. Das originale Top Gear hingegen taugt auch in 20 Jahren noch für einen witzigen Abend unter Gleichgesinnten!