Driven: VW Golf GTI von mcchip-dkr

Ob 75 oder 270 PS, ob 1er oder 6er – es gibt wohl kein Fahrzeug, das häufiger als Basis für Tuningprojekte herhalten musste als der VW Golf. Für uns Grund genug, einem Tunermodell auf Basis der aktuellen sechsten Golf-GTI-Generation einmal näher auf den Zahn zu fühlen. Und dabei hat sich schnell gezeigt, dass der von mcchip-dkr auf 252 PS gepuschte GTI richtig bissig geworden ist.

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Getreu dem klassischen „tiefer, härter, breiter“-Motto, drängen sich beim Gedanken an getunte Kompakte aus Wolfsburg unweigerlich Bilder von nahezu unfahrbaren, weil brutal tiefen Wagen mit Reifen, die an bis zur Unkenntlichkeit aufgebördelten Radläufen schleifen, vor das geistige Auge. Davon ist der GTI aus Salzgitter glücklicherweise weit entfernt. Einzig ein paar graue Zierstreifen weisen darauf hin, dass man es hier mit einem nicht ganz serienmäßigen Modell zu tun hat. Und da die 19-Zöller in den Radkästen etwas höher bauen als die Serienbereifung, fällt auf den ersten Blick nicht einmal auf, dass der GTI mittels H&R-Federn ganze 30 Millimeter tiefergelegt wurde.

Ebenso zurückhaltend wie die Optik präsentiert sich auch der Rest des Wagens. Kein bestialisches Fauchen beim Drehen am Zündschlüssel, keine unbändige Leistungsentfaltung beim ersten, zaghaften Antippen des Gaspedals. So führen bereits die ersten Meter zu der profan klingenden Feststellung: Der GTI von mcchip-dkr fährt sich wie ein normaler Golf. Zumindest solange, bis das Gaspedal etwas beherzter gen Bodenblech gedrückt wird. Denn dann stellt der Wolfsburger seine Leistung unmittelbar zur Verfügung. So unmittelbar, dass die 225er-Reifen mit der Kraftübertragung heillos überfordert sind. Und während das wild blinkende ESP-Lämpchen die Armaturen in eine Mini-Disco verwandelt, dringt von außen das unverkennbare Geräusche nach Innen, dass entsteht, wenn Gummi über Asphalt radiert. Denn selbst bei optimalen Wetterbedingungen und trockenem Untergrund will die Leistung weder im ersten noch im zweiten Gang so richtig auf die Straße kommen. Um Beschleunigungs-Bestleistungen zu erzielen ist das alles andere als optimal, dem Fahrer vermitteln die schreienden Pneus jedoch das Gefühl, mit Leistung im Überfluss ausgestattet zu sein. Und das führt unweigerlich dazu, dass der sich hinter dem GTI-Volant trotz Traktionsproblemen pudelwohl fühlt.

Auslöser dieses Wohlgefühls ist der serienmäßig 210 PS starke Zweiliter-TSI-Benziner von VW, dem mcchip-dkr dank neuer Software 42 Zusatz-Pferdchen einimpft. Auf die 280 Serien-Newtonmeter packt das über die OBD-Schnittstelle aufgespielte Sportprogramm zudem noch einmal 100 Newtonmeter drauf – zur Freude des Fahrers und zum Leidwesen der Reifen. Wenn Letztere den Asphalt jedoch erst einmal fest im Griff haben, geht der Kompakte Wolfsburger durchaus vehement nach vorne. Braucht der Serien-GTI mit DSG-Getriebe immerhin knappe sieben Sekunden für den klassischen 100er-Spurt, prescht der in Salzgitter modifizierte VW in 6,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und bringt es dank seiner insgesamt 252 PS und 380 Nm auf stattliche 249 km/h Topspeed – neun schneller als ein Serien-GTI. Der Weg hin zur Endgeschwindigkeit wird dabei – zumindest unter Vollast – von einer durchaus sportlichen Geräuschkulisse untermalt. In puncto Akustik schöpft der Wagen sein sportliches Potential jedoch keinesfalls aus, weshalb die Serienabgasanlage dringend gegen ein adäquates Sport-Pendant getauscht werden sollte. Nicht nur, weil so mehr Druck auf das Trommelfell trifft, sondern vor allem, weil dem Tuning-GTI ein paar größere Endrohre definitiv gut zu Gesicht stehen würden.

Doch bereits so hat die Leistungskur dem flotten Wolfsburger ebensowenig geschadet wie die dezente Tieferlegung. Denn neben einer sportlicheren Optik liegt der Wagen nun nicht nur satter auf der Strecke, er drückt auch um einiges nachhaltiger ins Rückgrat von Fahrer und Beifahren. In flott gefahrenen Kurven verbeißen sich die 225er förmlich in den Untergrund, ohne dass die Insassen dabei wirklich nennenswerte Komforteinbußen hinzunehmen hätte. Denn trotz satterer Straßenlage filtert das Fahrwerk auch nach der Modifikation noch die gröbsten Schläge raus. Und mal ehrlich – wer in einem getunten GTI sitzt, erwartet wohl vieles, aber sicherlich keinen sänftenhaften Fahrkomfort.

Alles in allem bietet mcchip-dkr mit den elektronischen Zusatz-Pferdchen also eine gute Ergänzung zum Serien-GTI, so dass die Investition von 849,00 Euro sich durch den Zugewinn an Fahrspaß schnell wieder amortisiert. Wer das ganze in Einklang mit der StVO bringen möchte, erhält für 209 Euro ein TÜV-Gutachten. Und wer gänzlich auf Nummer Sicher gehen möchte, kann für 549 Euro eine optionale 36-monatige Garantie auf den Motor erhalten. Und obedrein gibt es noch einen ganz besonderen Service: Sollte der Wagen nach dem nächsten Check in der VW-Vertragswerkstatt mit neuer Software glänzen – und damit wieder zur Serienleistung zurückgekehrt sein – spielt mcchip-dkr die 42 Zusatz-PS kostenlos wieder auf.