Driven: Porsche Panamera turbo executive 2013

Im Gegensatz zu seinen „kurzen“ Brüdern gibt es fünfzehn Zentimeter mehr Radstand im neuen Porsche Panamera executive, aber nur zwölf Zentimeter mehr Fußraum für die Passagiere im Fond. Grund: So kann man die Rückenlehne noch großzügiger verstellen. Und man möchte sie großzügig verstellen. So weit nach hinten wir nur irgend möglich nämlich.

Überblick: Alle Porsche-Fahrberichte bei evocarsWarum? Weil man so näher am Feuer sitzt. Denn das, was die Auspuffanlage des neuen Porsche Panamera turboexecutive ins Freie entlässt, ist einfach nur – geil. Wenn 520 PS aus acht doppelt aufgeladenen Zylindern im Schiebebetrieb noch einmal ein paar Tropfen Kraftstoff eingespritzt bekommen, dann klingt das einfach richtig fein – nach langer Nacht an der Bar, Whiskey, Zigarette und dreckigem Witz. Doch der Panamera lacht nicht, er schmunzelt. Und hustet. Ein bisschen.

Dabei ist es die Souveränität dieses Geräuschs, die überrascht. Während Du das backfire im Elfer und im Boxster nach der schnellen Runde durch die Berge als Lohn der Mühen von der heißgefahrenen Auspuffanlage erwartest, passiert es im Panamera ganz plötzlich und unvorhergesehen. Auf der Autobahn bemerkst Du es kaum. Wohl auch, weil Du einfach zu selten aus dem Gas gehst. Doch wenn Du abgefahren bist, die erste Kurve scharf anbremst und das PDK um zwei Gänge zurückzupft, dann ist es da. Das Gurgeln, das Prusten. Und der turbo teilt Dir ganz subtil mit: was sind schon 280+ auf der Autobahn? Ein Witz!

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Denn schnell geradeaus können viele. Da braucht es kein schwäbisches Pferd auf der Motorhaube. Da reicht auch ein S, ein M oder ein AMG. Doch hier in den oberbayrischen Bergen, zwischen klar-grünen Seen, engen Kehren und großzügig Tempolimit-freien Landstraßen, spielt der Panamera seine Trümpfe aus. PTM, PDCC, PTV plus, PCCB und PDK sei Dank. WTF? Ja, man muss sich nicht näher in die Abkürzungen hereinfuchsen, es sollte aber klar sein, dass Porsche schon einen gewaltigen Aufwand betrieben hat, um dem Zweitonner das Ballett-Tanzen beizubringen.

Und es hat erstaunlich gut funktioniert. Ein feinfühligeres Fahrwerk durch mehr Ölfluss in den Dämpfern, dazu größere Querlenkerlager und eine steifere Lenkgetriebeanbindung – das sind die wesentlichen Unterschiede zum alten Panamera. Wirklich erfahren kann man diese Unterschiede nicht, dafür war die Basis bereits zu gut. Bei den optischen Retuschen ist es ähnlich. Nur der Kenner sieht dem Panamera die Änderungen auf den ersten Blick an. Andere Scheinwerfer, ein anderer Kühllufteinlass in der Stoßstange, frische Schweller und ein gestrafftes Heck – that’s it.

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Innen hat sich gar nichts getan. Aber wer einmal weiß, wo die Schalter sitzen, der freundet sich mit den vielen Knöpfe ehr mehr an, als mit einem dieser Dreh-Drück-Multiräder. Und am Wichtigsten ist sowieso nur der Knopf unten rechts: Hier werden die drei Klappen der Sportabgasanlage auf Durchzug stellt. Den Sport-Modus braucht es nicht unbedingt, schon gar nicht, wenn man das Fahrwerk nicht wieder manuell weich stellt. PDK und Motorsteuerung sind bereits im normalen Modus hellwach und führen jeden Input an Lenkrad und Pedalen zügig um.

Außerdem verliert man im Sport-Modus die Segelfunktion und die virtuellen Zwischengänge. Beides sehr spannende Eigenschaften. Obwohl Kraftstoffsparen bei einem Porsche turbo nicht unbedingt an erster Stelle steht. Doch gerade die Segelfunktion funktioniert perfekt: Auf der Autobahn aus dem Gas gehen und schon öffnet das PDK die Kupplungen und lässt den V8 im Leerlauf grummeln, während der 5,17-Meter-Panamera ohne Motorbremsmoment lastfrei ausrollt. Im niedrigen Geschwindigkeitsbereich und bei geringer Lastanforderung wird diese Funktionalität noch erweitert. Um längstmöglich nahe der Leerlaufgrenze zu fahren, werden die Kupplungen des PDK nur teilweise geschlossen und so „virtuelle Zwischengänge“ geschaffen. Dank der großzügigen Auslegung des Getriebes und der Ölbadkühlung des Kupplungspakets funktioniert dieses gewollte Durchrutschen verschleißfrei.

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Knapp über zehn Liter sind somit im Zyklus möglich, aber auch im realen Verkehr ist es nicht soviel mehr. Denn: 770 Nm und 520 PS fährst Du einfach kaum mehr aus. Ständig steht jemand im Weg, bremst Dich aus, schert vor Dir ein ohne in den Spiegel zu schauen … und überhaupt. Dann lieber rollen lassen, den Komfort und das satte V8-Geräusch genießen und auf die Abfahrt und die geschwungene Landstraße warten. Denn dann fängt der Panamera wieder mit dem Husten an – und zeigt Dir, dass er erst hier so richtig Spaß hat.

Technische Daten*:
Modell: Porsche Panamera turbo executive
Motor: Acht-Zylinder-Turbobenziner, 4806 ccm
Leistung: 282 kW / 520 PS bei 6000 U/min
Drehmoment: 700 Nm bei 2250-4500 U/min
Antrieb: Allrad, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Bremsen:
Vorn: Sechskolben-Alu-Monobloc-Bremssättel; innenbelüftete Ver –
bund-Bremsscheiben mit 390 mm Durchmesser und 38 mm Stärke
– Hinten: Vierkolben-Alu-Monobloc-Bremssättel, innenbelüftete
Bremsscheiben mit 350 mm Durchmesser und 28 mm Stärke
Bereifung:
– Vorn: 9Jx19 mit 255/45 ZR19
– Hinten: 10Jx19 mit 285/40 ZR 19
Gewicht: 2070 Kg
Abmessungen (L/B/H): 5,17m/1,93m/1,43m
Radstand: 3,07m
0-100 km/h: 4,2 sek.
Vmax: 305 km/h
Verbrauch: 10,3 Liter Super / 100 km
Preis: ab 163.364 Euro
* Herstellerangaben

Eine Antwort

  1. evocars

    Sicher, über das Design des Pananmera lässt sich trefflich streiten, über die verbaute Technik sicherlich nicht!

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