Grüne Hölle: Unterwegs mit dem Dunlop Sport Maxx Race

Wohl bei jedem ordentlichen Fahrertraining wird vom Instruktor irgendwann die nicht unerhebliche Frage nach der Auflagefläche eines Reifens gefragt. Und die Antwort? Nun, mehr als die Größe einer Postkarte hat man pro Gummi nicht zur Verfügung, um den Wagen auf dem rechten Weg zu halten. In Summe sorgen also gerade einmal vier dieser Karten dafür, dass man beim Autofahren genügend Haftung hat. Egal, ob man beschleunigt, bremst oder eine Kurve fährt. Und genau für diese in Summe rund 630 cm² investiert eine ganze Industrie Millionenbeträge: Die Reifenhersteller.

Sie wollen für jeden Autofahrer und dessen bevorzugte DIN A4 große Aufstandsfläche den richtigen Pneu parat haben. Ganz besonders anspruchsvoll sind dabei die Besitzer von Sportwagen. Die Walzen für diese Kunden sollen im Alltag möglichst ruhig abrollen, bei Nässe nicht für böse Überraschungen sorgen, aber beim beherzten Angasen den maximalen Grip bieten. Dunlop hat mit dem Sport Maxx Race genau für diese Zielgruppe ein neues Ass im Ärmel und uns zu einem Test des exklusiven Sportreifens eingeladen. Aufgezogen auf dem aktuellen Porsche 911 muss der Pneu auf der Nordschleife beweisen, welches Potenzial in ihm steckt.

„Schuld“ an allem ist eigentlich der Sohn von John Boyd Dunlop. Denn der Sound der Metallräder am Dreirad seines wild driftenden Filius nervte den britischen Tierarzt 1888 so sehr, dass er kurzerhand ein Gegenmittel suchte und fand: selbst zusammengeklebte Gummischläuche, die er auf den Felgen des Dreirades befestigte und mit Luft befüllte. Das Ergebnis: Lärm Weg, Luftreifen erfunden, Patent angemeldet, Reifenimperium gegründet, Sohn glücklich gemacht.

Heute, über 120 Jahre später, sind Reifen aus dem automobilen Alltag nicht mehr wegzudenken. Und waren Reifen früher vor allen Dingen nur eins, nämlich schwarz und rund, so sind sie heute absolute Hightech Produkte. Jede Profilrille, jeder Gummirippe hat ihre Bestimmung. Besonders, wenn es um Ultra-High-Performance- (UHP) oder Sportreifen geht. Der getestet Dunlop Sport Maxx Race versucht dabei sogar den Spagat zwischen UHP Reifen und einem reinen Semislick. Mit Erfolg – so viel sei schon mal verraten.

Die bisher nur in 19 Zoll erhältliche Mischung saß bei unserem Test dabei erstmals im 20-Zoll-Format auf dem von Porsche zur Verfügung gestellten 911 Carrera S (991). Und so machten sich an der Vorderachse Gummis mit den Maßen 245/35-20 breit, die hinteren Radkästen wurden von 295/30-20 messenden Sport Maxx Race gefüllt. Mit dieser Rad-Reifen Kombination erwies sich das 400 PS starke Coupé bei spätsommerlichen Temperaturen auf der 20,832 km langen Nordschleife als herrlich kontrollierbarer Freudenspender. Vom Start weg gript der Sport Maxx Race überraschend gut und spätestens bei Kilometer drei bzw. nach Verlassen des Hatzenbachgeschlängels hat der Sportreifen seine optimale Betriebstemperatur erreicht.

Ab diesem Zeitpunkt glänzt der Gummi mit präzisem Lenk- und neutralem Kurvenverhalten. Selbst nach 16 Kilometer Stresstest winseln die Pneus Ausgangs Brünnchen noch nicht um Gnade. Damit unterstreicht der Sport Maxx Race nicht nur seine Fähigkeit, den bekannt hohen mechanischen Grip der Zuffenhauserner Produkte zu unterstreichen, sondern auch seine Ambitionen, ein Reifen für Track Days und Alltag zu sein. Ein Kompromiss ohne Reue? Es scheint fast so, denn auch nach mehreren Runden Nordschleife verändert sich das Fahrverhalten nur unwesentlich. Nur ein kaum spürbares Schmieren schleicht sich ab der dritten Runde ein, das sich durch ein leichtes Absenken des Luftdrucks am heißen Reifen allerdings korrigieren lässt.

Den Besitzern von sportlichen Preziosen, wie Mercedes SLS AMG, C 63 AMG Black Series, Audi TT RS, R8, BMW M5, M3, 1M, Volkswagen Golf R und Scirocco R, sowie etlichen Porsche 911 Varianten, beantwortet Dunlop die leidige Frage, wie man seinen Satz Semi Slicks zu einem Trackday bringt, also mit zwei Worten: Gar nicht, denn man hat die Sport Maxx Race bereits montiert.

Man sollte also dem kleinen Hoonigan von John Boyd Dunlop danken. Hätte er Ende des 19. Jahrhunderts nicht ein paar frühzeitliche Drifts hingelegt, wer weiß, wie wir heutzutage nach Grip suchen würden. Wie gut das heutzutage mit dem Dunlop Sport Maxx Race funktioniert, zeigt auch eine Runde im Porsche 911 GT3 RS 4.0 mit Frank Stippler am Steuer, dem letztjährigen Gewinner des 24h-Rennens auf dem Nürburgring.

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