Mann oder Frau: Wer fährt besser Auto? Die Diskussion ist fast so alt, wie die wegweisende Autofahrt von Bertha Benz im Jahre 1888. Zugegeben, heute geht es etwas flotter vorwärts als damals im dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen. Doch die Frage bleibt bis heute die selbe und ist auch in Partnerschaften immer wieder ein Thema. So auch in meiner. Da meine Freundin meine Leidenschaft für die Nürburgring Nordschleife kennt, behauptete sie eines Tages – keck und ohne jemals eine Runde auf diesem Kurs gefahren zu sein: „Ich bin schneller als Du und zwar auf’m Ring!“ Mir blieb der Mund offen stehen und als ich meine Fassung wiedergefunden hatte, kam mir in den Sinn, dass eine solch waaghalsige Aussage lieber von neutraler Stelle geprüft und bewertet werden sollte: Gedlich Racing hieß die Lösung, denn das Instruktorenteam Rund um Rennfahrer Markus Gedlich bietet ein spezielles 1:1 Coaching an.

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Kalt bläst der Wind über die Rennstrecke Bilster Berg. Wikipedia bezeichnet diesen 4,2 Kilometer langen Rundkurs emotionslos als Test- und Präsentationsstrecke für Fahrzeuge auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Britischen Streitkräfte. Eine unglaubliche Untertreibung für diese Berg- und Talbahn, wie uns Instruktor Daniel Schwerfeld bei der Streckenbegehung beweist. „Noch Fragen?“ Daniel steht grinsend nach dem Besichtigung der Schlüsselstellen vor uns. Nachdem wir in die steil abstürzende Mausfalle geblickt haben, den Kopf weit in den Nacken legen mussten, um den Ausgang aus der Steilwand zu finden und das Geschlängel zwischen Munitionsfeld und Telegrafenbogen uns fast schwindelig gemacht hat, haben wir eigentlich nur eine Frage: warum haben wir uns ausgerechnet hier verabredet, um zu klären, wer schneller ist? Die Antwort ist simpel: „Gleiche Bedingungen für Euch beide: Ihr kennt weder die Rennstrecke, noch das Auto, mit dem wir Euch zeigen, wie man hier am besten rumkommt.“

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Aha, rumkommen. Und was für ein Auto soll das sein? Ein hellblau/rot gehaltener Opel Corsa OPC, vorbereitet ausschließlich für den Einsatz auf der Rennstrecke: leergeräumt, mit Käfig, Schalensitze, Vierpunktgurte, Semislick, Differenzialsperre, 200PS stark und ausgestattet mit dem Race Navigator One, einem unbestechlichen Datarecordingsystem, das Rundenzeiten, Geschwindigkeit, sowie Längs- und Querbeschleunigung misst und zusätzlich auch noch die Insassen und die Strecke filmt. Es ist also angerichtet zum Showdown und die Zutaten sind pikant: Unbekannte Strecke, unbekanntes Auto und ein nass rutschiger Rundkurs. Das kann ja heiter werden. Der Meinung ist auch unser Instruktor, der als erstes meine Freundin Daniela auf dem heißen Sitz des Co-Piloten verzurrt und dann mit dem Corsa kernig röhrend die Boxengasse verlässt.

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Drei Runden später rollen Daniel und Daniela grinsend wieder in die Boxengasse zum Fahrerwechsel. Meine „Wilde Hilde“ klettert mit angriffslustigem Blick hinter das Lenkrad. Rundenlang hört man den Corsa bis kurz vor den Drehzahlbegrenzer die Start-Ziel-Gerade entlangbrennen bis die Schülerin mit ihrem Lehrer wieder zum Pitstop kommen, den per Saugnapf an der Frontscheibe befestigten Race Navigator schnappen und sich grinsend in ein stilles Kämmerlein zurückziehen. Die beiden scheinen es verdammt ernst zu meinen. Daniel überträgt die gesammelten Daten auf ein Tablet und die beiden beginnen mit den typischen Rennfahrergesten, Rundenzeiten, Gaspedalstellung und Einlenkpunkte zu diskutieren.

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Ich bin zum Zuschauen verurteilt und zutiefst beeindruckt, wie man mit dieser Applikation Kurvengeschwindigkeiten, Bremspunkte und Beschleunigung übereinanderlegen und vergleichen kann. So akribisch, wie die beiden ins Detail gehen, haben sie ihr Lernziel klar im Visier und es wird deutlich: Egal, ob Rennstreckennovizin oder alter Trackday Fuchs, beim 1:1 Coaching werden alle gleich behandelt und das Ergebnis ist beeindruckend. Satte 17 Sekunden finden die beiden zwischen Danielas erster und letzter Runde. Dabei kommt es den Gedlich Racing Instruktoren gar nicht nur auf den Zeitengewinn an, sondern um das Gespür für Auto und Strecke. „Viele Teilnehmer nutzen die Breite einer Rennstrecke für ihre Ideallinie nicht optimal aus und passen ihren Fahrstil auch nicht auf die Charakteristik des Autos an.“ erklärt Daniel und wendet sich mir zu: „Los, Helm auf, festschnallen und Abfahrt. Du weißt ja, wie das hier auf einem Rundkurs abläuft.“ Sicherlich, doch auch mich bewahrt das nicht vor einer deutlichen Manöverkritik: ich bremse zu hart den Großteil der Kurven an und verzichte komplett darauf, mich sanft in den Kurvenscheitelpunkt hineinzubremsen.

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„Du musst flüssiger fahren und mehr Speed mit in die Kurven nehmen.“ Beim zweiten Stint komme ich mir die ersten Runden wie ein Fahranfänger vor, doch Daniel treibt mich an „bleib auf der Bremse, bleib auf der Bremse, nein, nicht so stark“. Langsam bekomme ich das Gefühl dafür und der Navigator spuckt eine acht Sekunden schnellere Rundenzeit aus. Daniel grinst zufrieden: „Weißt Du, genau darum mache ich diesen Job so gerne, denn jeder kann bei uns noch etwas lernen.“

Doch wer war jetzt schneller: die beste Frau an meiner Seite oder ich? Ach ja, nüchterne Zahlen einer Stoppuhr können manchmal grausam sein und es gilt sie zu relativieren. Danielas Leistung und Lernkurve ist beeindruckend und zeigt, wie intensiv sich das Gedlich Team beim 1:1 Coaching mit seinen Kunden auseinandersetzt, den Respekt vor der Materie nimmt und motoviert ohne zu überfordern. So gewinnen nicht nur Neulinge Spaß an der Haftungsgrenze, sondern auch die Jungs, die glauben, sie hätten alles im Griff und man könnte ihnen nichts mehr zeigen. In diesem Fall schlug das Pendel nochmal in meine Richtung und ich konnte mit etwas über 11 Sekunden die „Wilde Hilde“ auf Distanz halten.

Doch Daniela hat Revanche angekündigt. Die Frage, wer im automobilen Geschlechterkampf schneller ist, scheint also noch nicht final beantwortet zu sein. Und auch hierfür hat Gedlich Racing eine Löung parat: Ein Wintertraing unter der wärmenden Sonne Südpaniens auf dem herrlichen Kurs von Ascari. Es heißt also: to be continued.

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