Wo fängt man eigentlich an, wenn man über die Erfolgsgeschichte von Akrapovič berichten möchte? Am besten am Anfang. Das war Ende der 80er-Jahre. Die zweite jugoslawische Republik begann langsam zu zerbröckeln und ein gewisser Igor Akrapovič gaste auf den Rennstrecken Jugoslawiens ordentlich mit seinem Motorrad an. Und wie jedem Spritkopf fehlte auch ihm ständig eins: Leistung. Doch statt zu lamentieren, machte er sich an die Arbeit und suchte die fehlenden PS. Mit Erfolg! Denn heute beschäftigt Herr Akrapovič knapp 800 Mitarbeiter, verarbeitet pro Jahr rund 300 Tonnen Titan und macht nicht nur Zweiradfahrer mit feinsten Auspuffanlagen glücklich, sondern zunehmend auch Autofahrer. Warum das so ist, konnten wir uns jetzt vor Ort anschauen.

Slowenien – mit diesem Land assoziiert man nicht wirklich automotive Hightech-Produkte. Ein Fehler, denn nur eine halbe Fahrstunde östlich von der Landeshauptstadt Ljubljana schlummert in matt silbern schimmernden Hallen ganz unscheinbar das Epizentrum der aufwändigsten Abgasanlagenentwicklung für Autos und Motorräder weltweit. Dies ist das Ergebnis der mittlerweile über zwanzig Jahre währenden Suche nach mehr Leistung. Mit viel Akribie machte sich der junge Akrapovič an die Arbeit, den Strom des verbrannten Benzin-Luft-Gemischs aus dem Verbrennungsraum in die Umwelt zu optimieren. Seine Experimente mit unterschiedlichen Rohrlängen, Durchmessern und Formen zeigten schnell Wirkung: Akrapovič hatte messbar mehr Leistung unter der Sitzbank und viele Anfragen seiner Konkurrenten, die auch ein Rohrgeflecht von ihm geschweißt haben wollten. Als Folge gründete der Slowene 1990 die Marke „Scorpion“ und Mitte der Neunziger gelang ihm bereits der internationale Durchbruch, als das Kawasaki Werksteam erstmals seine Anlagen erfolgreich in der Superbike WM einsetzte.

Schweißnaht-Detail

Doch der rasche Erfolg brachte auch Probleme mit sich. Der Automobilhersteller Ford meldet sich überraschend mit einem wenig erfreulichen Anwaltsschreiben: der Firmenname „Scorpion“ würde viel zu stark an das eigene Mittelklassemodell „Scorpio“ erinnern. Die Amerikaner bestanden auf eine Umfirmierung. Aus Scorpion wurde daher kurzerhand Akrapovič und nur noch das Logo des Skorpions erinnert heute an diese Anekdote.

Akrapovic-Werksbesuch-fotos

Der Erfolg im Zweiradsektor weckte aber auch die Neugier in der Automobilindustrie. So fragte  Porsche in der Entwicklungsphase zum 997 GT2 bei dem slowenischen Unternehmen an, ob man nicht auch eine Auspuffanlage für einen Sportwagen entwickeln könne. Man konnte. Und 2007 stand auf der IAA erstmals ein 911 mit Hauptschalldämpfer und Endrohren aus Titan von Akrapovič. Aus dieser Zusammenarbeit mit einem Automobilhersteller heraus erwuchs auch die Erkenntnis, dass man durchaus in der Lage ist, das Angebot von nachrüstbaren Auspuffanlagen auf den Automobilbereich auszudehnen. Das war im Jahr 2008.

Material-Labor

Zeitsprung. Herbst 2014. Giles Thompson, Geschäftsführer von GT Trading und exklusiver Importeur von Akrapovič Pkw-Abgasanlagen in Deutschland, reist mit uns zum Firmensitz nach Ivancna Gorica. “Ich bin jedes Mal aufs neue beeindruckt, wenn ich hier herkomme und die  Detailversessenheit erlebe, mit der bei Akrapovič für den Erfolg gearbeitet wird“, so Thompson im Interview. Ein Beispiel gefällig? Damit Auspuffanlagen aus dem Hause Akrapovič auch wirklich millimetergenau unter ein Fahrzeug passen, wird mit Hilfe von optischen 3D Messgeräten an jedem Auto Maß genommen und die Daten per CAD für die Entwicklung der eigenen Abgassysteme genutzt. Ein Aufwändiger Prozess, der beim Blick in das von Sachlichkeit geprägten Messlabors fast vergessen lässt, dass es hier eigentlich um fetten Sound, mehr Power und weniger Gewicht geht.

Hydroforming-Detail

Gerade im letzten Punkt sehen die Verantwortlichen von Akrapovič das Alleinstellungsmerkmal der Marke und darum setzt man auf einen ganz speziellen Werkstoff: Titan. Außerhalb der Flugzeugindustrie verarbeitet keine Firma mehr von dem weiß-metallisch glänzenden Werkstoff und kaum einer versteht es besser, dieses extrem korrosions- und temperaturbeständige Metall zu verarbeiten. Wobei der Begriff „verarbeiten“ eigentlich pure Untertreibung ist. Die Schweißnähte, die hier in Handarbeit oder mit Hilfe von Robotern gezogen werden, gehören ganz eindeutig in die Kategorie „welding porn“. Und für Bauteile, die auf Grund ihrer Komplexität weder von Mensch noch Maschine geschweißt werden können, gibt es seit 2009 im Haus auch eine Lösung: die eigene Titan Gießerei. Der hier entwickelte und gegossene Krümmer für Porsche 997-Rennsportmodelle ist nicht nur unfassbar leicht, sondern sieht auch aus wie ein kleines Kunstwerk.

Ja, man kann schon ins schwärmen kommen, wenn man durch die Produktionshallen, vorbei an Prüfständen und Entwicklungsfahrzeugen, die man eigentlich gar nicht hätte sehen dürfen, geführt wird. Dabei sieht sich Akrapovič auf dem Automobilsektor erst am Anfang, denn nach eigener Aussage kennen noch viel zu wenige den Auspuffspezialisten aus Slowenien. Die Automobilhersteller rennen der Firma mit ihren Projekten inzwischen allerdings die Türen ein. Der jüngst präsentierte Renault Mégane R.S. Trophy-R ist da nur ein Beispiel. Die Zeichen stehen also auf Wachstum und um den selbst gesteckten Zielen gerecht zu werden, muss die Produktion vom Stammsitz ins rund 60 Kilometer entfernte Crnomelj weichen. Man braucht mehr Platz für Forschung, Entwicklung und Prototypenbau, denn für Igor Akrapovič muss einfach alles Perfekt sein. Das gilt insbesondere auch für den Sound seiner Abgasanlagen.

991-GT3-Prototyp

Als Beweis zündet man für uns an einem Porsche 991 GT3 stolz den Prototypen der zukünftigen Komplettanlage. Was ein Fest für die Sinne! „But sorry, no recording please“.

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