Driven: Renault Mégane R.S.

Schlappe 26.650 Euro verlangt Renault für den neuen, 250 PS starken Mégane R.S.. evocars konnte den schnittigen Franzosen auf dem Ascari-Racetrack in Spanien testen. Unser Urteil: ein echter Racer, wenn ….

Die Hersteller aus In- und Ausland bekennen sich ganz offen zu ihren kompakten Knallern und polieren mit bereits vorgestellten RS-, Ralliart- und MPS-Modellen das sportliche Image weiter auf Hochglanz. Neu im Zirkus der Kompakt-Sportler und seit November beim Händler erhältlich ist der 2010er Renault Mégane R.S.. Mit seinem auf 250 PS und 340 Newtonmeter erstarkten Zweiliter-Turbo-Benziner unter der Haube, einem sehr gelungenen Sportdress am Leibe und zu haben für sehr bescheidende 26.650 Euro will der Franzose Kunden von Scirocco R, Golf GTI, Golf R, Focus ST, Mazda3 MPS und Co. abwerben. Auf dem Papier stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Immerhin kann der frontgetriebene Mégane R.S. mit einer von Antriebseinflüssen weitgehend abgekoppelten Vorderachse sowie einem mechanischen Sperrdifferenzial mit bis zu 35 Prozent Sperrwirkung sowie jeder Menge optionaler Sport-Spielerein punkten. EVOCARS hat das schneidige Coupé im sonnigen Malaga und der auf nahegelegenen Rennstrecke „Ascari“ zu einem ersten Test gebeten. Und der war vor allem eins: verdammt heiß!

Bei 24 Grad und bestem Sonnenschein einen 250 PS starken Mégane über spanische Landstraßen zu pilotieren, dass ist schon was. Die serienmäßige Klimaanlage tut ihren Dienst und das ebenfalls immer eingebaute CD-Radio mit mp3-Funktion untermalt den Trip mit Klängen von Nirvana und Billy Talent. Schnell wird klar: Der neue Mégane R.Ss ist kein kleiner Rabauke, er ist „einfach“ ein Kompaktwagen mit etwas mehr PS. Für Überholmanöver auf der Landstraße muss dank der Turbo-bedingten 340 Newtonmeter Drehmoment höchstens zwei Gänge in den Vierten zurück geschaltet werden und auch eine falsch eingeschätzte und daher zu schnell angefahrene Kurve, stellt den Fahrer auch dank der 340er Brembo-Bremsscheiben vorne vor keine unlösbaren Probleme. Es macht einfach Spaß, mit dem 1,4 Tonnen schweren Dreitürer hier herumzudüsen. Die serienmäßigen Sportsitze bieten guten Seitenhalt für den Alltag, die Gänge der eng abgestuften Sechsgang-Box flutschen und das Fahrwerk gibt eben noch genug Fahrbahnfeedback und als alltagstauglich und sportlich zugleich durchzugehen.

Wem das zu weichgespült erscheint, der kann seinen 245 km/h schnellen Kompaktwagen mittels 1600 Euro teurem „Cup-Paket“, ebenso teuren Recaro-Sportsitzen und dem R.S.-Monitor für 400 Euro zum echten Weekend-Racer machen. Während das „Cup-Paket“ mit geschlitzten Bremsscheiben, härteren Dämpfern und Federn, schick-schwarzen 18-Zoll-Alus mit breiteren 235er Gummis und einem mit bis zu 35 Prozent eingreifenden Sperrdifferenzial für mehr Performance auf der Strecke sorgt, bietet der R.S.-Monitor jede Menge sportlicher Digital-Spielerrein. So zeigt der Bildschirm etwa die selbst erreichte Sprintzeit an – serienmäßig sollen 6,1 Sekunden von Null auf 100 km/h vergehen. Außerdem können mittels einer integrierten Stoppuhr Rundenzeiten genommen und gespeichert werden. Besonders witzig fanden wir außerdem die Anzeige zu Längs- und Querbeschleunigung, sowie Informationen zur Stellung der Drosselklappen – was natürlich lediglich als lustiges Gimmick ohne Mehrwert bezeichnet werden kann.

Im Gegensatz dazu offenbaren die Fahrwerksmodifikationen des „Cup-Paketes“ echte „must-have“-Qualitäten. Fühlte sich der „normale“ Mégane R.S. noch wie ein Kompaktwagen mit 250 PS an, tendiert der Cup ganz klar in Richtung Sportwagen. Vor allem das Sperrdifferenzial entpuppt sich als 100prozentiger Fahrspaß-Potenzierer. Fast ungläubig, auf jeden Fall aber schwer begeistert donnern wir über enge, spanische Landsträßchen und versuchen, das Limit dieser kleinen Rakete auszuloten. Anbremsen, Blick zum Kurvenausgang richten und wenn kein Gegenverkehr naht mit Schmackes durch den Scheitelpunkt – ja, so macht Autofahren Spaß.

Fazit: Kaufen! Für insgesamt 29.850 Euro (inkl. Cup-Paket und Schalensitze. WICHTIG!!!!) gibt’s derzeit nichts Sportlicheres bei den Kompaktwagen. Der lediglich 0,1 Sekunden schnellere VW Scirocco R (265 PS) schlägt mit fast 4000 Euro mehr zu Buche, den Golf GTI lässt der Franzose locker hinter sich und für den allrad-getriebenen Golf R werden fast 10.000 Euro mehr fällig. Günstiger und genauso schnell kommt weg, wer sich für den Mada3 MPS entscheidet, sein extrem durstiger 2,3-Liter-Turbo und die nicht optimal arbeitende, die Vorderräder nicht ausreichend in den Griff bekommende Diff-Sperre kosten den Japaner aber seinen Vorsprung. Einziger Kritikpunkt am Mégane R.S.: Da die zahmeren Coupé-Brüder mit einem üppigen Raumgefühl im Cockpit trumpfen sollen, stellt sich auch im „Renault Sport“ kein echtes Racer-Gefühl ein, doch mit diesem Problem haben wohl alle modernen Kompaktwagen zu kämpfen.

Technische Daten
Modell: Renault Megane Coupé R.S.
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benziner, 1998 ccm
Leistung: 250 PS bei 5500 U/min
Drehmoment:340 Nm bei 3000 U/min
Antrieb: Front, Sechsang manuell,
Verbrauch: 8,4 Liter/100 Km Benzin
0-100km/h: 6,1 Sek.
Vmax: 245 km/h
Preis: ab 26.650 Euro