Driven: Skoda Fabia RS

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Rund 600 Euro weniger als sein gleichstarker Konzernbruder – der Polo GTI – kostet der Skoda Fabia RS. Vorschlag zum Sparen oder Finger weg? EVOCARS ist den kleinen, grünen Giftzwerg in seiner Heimat gefahren.

Verkehrte Welt: Die Blauen von Ford streichen ihre Fronttriebler-Rennsemmeln neuerdings Grün und wildern in den Gefilden der größeren. Kaum gibt es für den Focus RS einen Tapetenwechsel (und zwar in mattschwarz (im Test)) folgt schon der nächste Frontkratzer mit grünen Sportlerambitionen – doch dieses Mal ist die Farbe äußerst berechtigt. Skoda, seines Zeichens motorsportseitig naturell in Grün gefasst, bringt mit dem neuen Fabia RS nicht nur einen heißen Kompakten sondern auch den günstigeren Bruder des Polo GTI (im Test). Mit gleichem, ebenfalls 180 PS leistendem 1,4-Liter-Turbo-Kompressor-Motor und DSG bestückt, schickt auch er sich an, viel Spaß und Nutzwert für wenig Geld zu überbringen. Wir testen, ob es ihm gelingt.

Das Wetter will einfach nicht mitspielen. Ob sich da wohl eine höhere Macht bei dem Schriftzug RS, abkürzend für Rallye Sport, herausgefordert fühlt? Wie auch immer: Wir befinden uns in Prag und es schüttet wie aus Kübeln. Unser Kleiner sticht in seiner angriffslustigen grünen Lackierung mit weißen Felgen und weißer Kopfbedeckung aus der Tristesse der neblig-grauen Prager Altstadt heraus. Aber er macht auch noch anders auf sich aufmerksam. „Wo kommt dieses Zischen her?“ Plötzlich wird bewusst: selbst bei Regen sollte man mit geöffnetem Fenster fahren und die Nässe in Kauf nehmen. Belohnt wird man – vorausgesetzt eine Wand ist in der nähe – mit einem wundervollen Chanson aus Turbozischen und … – ja, noch mehr Turbozischen. Nicht so anmutig wie Mozart, eher klingend nach “lasst-mich-durch-oder-ich-werd-wild”! Sprotzen, Spucken, Ploppen. Der Fabia kann viel, nur nicht artig. Hatte das der Polo GTI etwa auch auf dem Kasten? Man hätte ja mal öfter mit offenem Fenster fahren können …

Bereits die ersten Meter außerhalb der Stadt überzeugen genauso wie das Gezuckel durch sie hindurch. Komfort und Sportlichkeit in einem? Schon längst kein Widerspruch mehr. Wie schon beim Polo GTI weiß das DSG zu überzeugen. Perfekte Übersetzung, schnelle Gangwechsel, kein Rucken und zucken. Allerdings braucht es wenn man untertourig schaltet ebenso ein paar Millisekunden Gedenkzeit wie der kleine Wolfsburger. Kein Genickbruch, denn beim cruisen ist man eh besser im Automatik-Modus aufgehoben. Doch Zeit des Cruisens ist vorbei, es wird Zeit für den roten Bereich. Im Vergleich zum Polo braucht der Skoda mit 7,3 Sekunden auf Tempo 100 ganze 0,4 Sekunden mehr – Tribut an 50 kg Mehrgewicht und zehn Millimeter schmalere Reifen. Subjektiv spürt man das allerdings kaum, auch beim Durchschnittsverbrauch fallen 0,4 Liter mehr (6,1 Gesamt) sprichwörtlich kaum ins Gewicht, sind allerdings irritierend ob der schlechteren Fahrleistungen.

Um die Grenzen des kleinen Tschechen zu ergründen, geht’s ab auf die Rennstrecke. Wobei mit Rennstrecke eher eine weitläufige Kartbahn gemeint ist. Ein perfektes Terrain, nein fast schon fieses Geläuf um Schwächen zu entlarven. Die nächste Überraschung in dieser kleinen Wundertüte ist gar keine: der Fabia RS macht einfach tierisch Spaß. Wie schön wäre es, wenn es nicht immer noch regnen würde. Gang um Gang wird herauf- und wieder heruntergeknistert, keine der zwei Kupplungen fühlt sich benachteiligt. Curbs kommen und gehen, geben einen kurzen Gruß ans Fahrwerk und verschwinden wieder. Die Bremse arbeitet – und funktioniert. Ohne mucken. Auch das Lenkrad liegt gut in der Hand, gibt Rückmeldung vorzüglich weiter. Kurve um Kurve verschlingt der Kleine, ohne mit der Wimper zu Zucken. Beim Herausbeschleunigen auf verregneter Straße aber nervt für das letzte Feingefühl der in Schlepppedalstellung einsetzende Schub, der plötzlich nach außen treibt. Und das teilweise auftretende Untersteuern in Verbindung mit dem nicht abschaltbaren ESP. Wieder einmal geht ein Fluch an den Wettergott.

Um zu sehen, ob doch noch mehr geht, setzt sich anschließend noch einmal Rennlegende Hans-Joachim Stuck hinter’s Volant. Er umfährt den Kurs mit einer unendlich gelassenen Souveränität, unterhält sich dabei, meistert jedes Eck perfekt – aber viel schneller geht es auch nicht. Grenze des Autos erreicht. Vorteil: Die grenzenlose Gutmütigkeit ermöglicht das lastwechsellose Heranzirkeln an die Ideallinie und macht sie damit auch Zweitklasse-Schumis erfahrbar.

Apropos Faser: die Stoffsitze im Innenraum wirken schlicht, erfüllen ihren Zweck aber perfekt. Ergonomisch tadellos gehen sie eine Verbindung mit dem Rest des eher nüchternen, dem Basisfabia nahezu gleichenden, schwarzen Innenraums ein. Nur wirklich Großgewachsene könnten öfter mal mit dem Knie an der Mittelkonsole anecken. Sonst gibt es nichts zu meckern: zwar versprüht das Cockpit keinen GTI-Flair á la Polo, doch dank der hervorragenden Funktionalität lässt sich das schnell verschmerzen. Nur Design-Ästheten könnten vielleicht über das etwas altbackene Stoffmuster monieren – wie sie es wahrscheinlich zehn Jahre vorher mit dem Karo des GTI gleichgetan hätten.

Bleibt das Ass im Ärmel, der absolute Trumpf. Anders als seine Plattformbrüder Ibiza und Polo gibt es den Fabia RS nämlich als Kombi für sagenhafte 22.490 Euro. In traumhaft kompakten Ausmaßen mit genau dem richtigen Quäntchen mehr Platz. Also junge Väter, keine Panik: der Spaß geht nicht verloren. Zumindest nicht bei Skoda. Und der Rest kriegt mit dem ebenfalls alltagstauglichen Renn-Hothatch eine für 21.890 Euro um 610 Euro günstigere Alternative zum Polo GTI.

Technische Daten:
Modell: Skoda Fabia RS
Motor: Vierzylinder-Reihemotor, Turbolader und Kompressor, 1390 ccm
Leistung: 180 PS
Drehmoment: 250 Newtometer
Antrieb: Vorderrad, Siebengang-DSG
Gewicht: 1318 kg
Verbrauch: 6,2 L/100 Km
0-100 km/h: 7,3 sec.
Vmax: 224 km/h
Preis: ab 21.890 Euro

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