Driven: VW Scirocco R Cup

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Wie sportlich ist der neue VW Scirocco R wirklich? Am Steuer der bis zu 275 PS starken Cup-Version konnte sich unser Redakteur vom Potenzial des Wolfsburger Coupés überzeugen.

Spätestens mit Einführung des R-Modells wurde der neue Scirocco zum würdigen Nachfolger des verblichenen Corrado. Immerhin durfte der schon 1991 mit einem 190 PS starken 2,9-Liter-VR6 für Sportwagenfeeling im Kompaktsegment sorgen und die „Großen“ ärgern. Dass das dem 2010er Scirocco R mit seinem 265 PS leistenden Zweiliter-Turbo nun wieder gelingt, belegen sein Sprintzeit von 6,0 Sekunden auf Tempo 100 und immerhin 250 km/h Topspeed. Doch das Drohpotenzial der Straßenversion ist nur die halbe Wahrheit. Mit dem Scirocco R Cup zeigt VW nun zusätzlich, was das kleine Coupé auf der Rennstrecke zu leisten im Stande ist. Umgerüstet auf den Betrieb mit Bioerdgas und bestückt mit einer trickreichen „Push-to-pass“-Taste, donnern die VW-Coupés seit 2010 über die Kurse in Oschersleben, Hockenheim und Co.

Ja, donnern ist trotz der erdgasbedingten PS-Einbußen auf 225 PS noch immer Nagelkopf-treffend ist. Immerhin sprotzt der Zweiliter-Turbo die Power durch eine tüchtig erleichterte Abgasanlage mit Rennkats ins Freie und im Innenraum dämmen nur noch wenige Serien-Einbauteile des Fahrers Ohr vor der berauschenden Geräuschkulisse. Die kann zwar an den verlockenden Sound des GT24-Langstrecken-Sciroccos nicht herankommen, dafür entspricht der Scirocco R Cup in weiten Teilen noch der Serie. Der Hardcore-Renner indes hält lediglich nach Außen den Scirocco-Schein aufrecht.

Anders die von uns gefahrene Light-Version: Im Scirocco R Cup erwartet den Fahrer das serienmäßige Airbag-Lenkrad mit DSG-Paddels, der Armaturenträger ist weiterhin an Bord und auch der DSG-Schaltknauf verbreitet wohnliche Atmosphäre. Angesichts des einzelnen Recaro-Sitzes mit Sechspunktgurten, dem Kombiinstrument von AIM hinterm Lenkrad, einem Überrollkäfig und jeder Menge weiterem Rennsport-Equipment, steigt der Puls aber dennoch spätestens beim Platznehmen und Festgeschnallt werden. Jetzt noch das Sicherheitsnetz vorm Fenster einrasten (innen), einmal tief Durchatmen und los geht’s.

Ein Dreh am Zündschlüssel erweckt den 80 Prozent weniger CO2 emittierenden Bio-Erdgas-Vierzylinder zum Leben. Nach dem Einlegen des ersten Ganges mittels rechtem Schaltpaddel trollen wir uns in Richtung Ausfahrt Boxengasse. Schon im Standgas versprüht das im Serientrimm mindestens 33.900 Euro kostende Coupé hier so viel Motorsport-Flair, dass man sich innigst wünscht, es gäbe eine Chance auf TÜV-Eintragungen der verbauten Teile.

Dieser Wunsch steigert sich schon in der ersten Kurve ins Unermessliche. Die Slicks kleben wie die Sau auf dem Asphalt, das Fahrwerk mit ZF Sachs-Dämpfern und H&R-Federn ist bretthart, perfekt abgestimmt und der Cup-R gibt zu jeder Zeit eine ausgezeichnete Rückmeldung. Kaum zu beschreiben der Spaß, den dieses Gerät auf der Rennstrecke macht. Allein das neu abgestimmte Doppelkupplungsgetriebe mit kürzeren Schaltzeiten entlockt dem bisher Unwissenden ein breites Grinsen. Und es wird noch besser.

Am Lenkrad prangt der „Push-to-pass“-Button und lädt zum Spielen. „Push to pass“ bedeutet „Drücken zum Überholen“ und genau das gelingt dem Piloten mit den dann freigesetzten 50-Zusatz-PS um einiges leichter. Dabei will der Einsatz dieses „Super-Pursuit-Mode“ mit Bedacht gewählt sein. Lediglich zehn Sekunden lang leistet der Motor mittels Ladedruckanhebung 275 PS, danach signalisiert eine rote Leuchte, dass nun 40 Sekunden bis zum nächsten Einsatz gewartet werden muss. Außerdem wird vor jedem Rennen von der Rennleitung entschieden, wie oft der Power-Button verwendet werden darf. Dem roten Knopf auf dem Lenkrad wird somit auch eine taktische Bedeutung zu Teil.

Um mit dieser Neuerung im Motorsport auch den Zuschauern einen Mehrwert zu bescheren, geben Digitalanzeigen zu allen Seiten des Wagens Auskunft über den Einsatz der „Push-to-pass“-Funktion, und selbstredend tragen die zeitweise beachtlichen PS-Unterschiede zu spannenderen Stellungswechseln innerhalb der Rennen bei.

Nach etwa zehn Runden und dem hemmungslosen Einsatz der neuen Hightech-Konsolen-Spielerei endet unser Ausflug in die Welt des Motorsports. Wieder einmal sind wir begeistert und schwören mit erhobenen Fingern: Wir kommen wieder, wollen wieder mit weit aufgerissenen Augen im Gestühl festgeschnallt werden und auf den nächsten Start hinfiebern. Bis dahin hilft vielleicht das Verfolgen des nächsten Rennens des Scirocco R Cup am 3. und 4. September im britischen Brands Hatch. Hoffentlich!

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