Driven: Range Rover Sport 5.0 Supercharged

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Fünf Liter Hubraum, acht Zylinder, 510 PS. Der 2,6 Tonnen schwere Range Rover Sport Supercharged will so gar nicht in die Zeit passen. Genau das macht ihn so begehrenswert.

Es geht schon los mit dem Schlüssel. Schwer und kühl liegt er in der Hand. An den Flanken Aluminium, darunter, rechts, der Notfallbart für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Keyless-Entry-Sensorik ihren Dienst versagt. Aber warum sollte sie? Im Range Rover Sport funktioniert alles wie von Geisterhand. Nähert man sich der verschlossenen Tür, sorgt ein feines LED-Licht unterm automatisch ausklappenden Außenspiegel für unaufdringliche Beleuchtung. Und bittet dezent: Sir, treten Sie ein. Wer einsteigt, steigt auf. Die breiten, über jeden Komfortzweifel erhabenen Sportclubsessel setzen von der Höhe her gefühlt da an, wo andere Autos enden. Gut 85 Zentimeter trennen des Fahrers Rumpf vom Asphalt. Ein ungestörter Blick nach ganz weit vorn ist die Folge. Bis zum Horizont, immer weiter, zusammen sind wir stark. Udo, du Sänger, gib es doch zu, unterm Atlantik-Hotel parkt dein Range…
Leistung am Rande zum Irrsinn

Rechts vom Lenkrad: der Startknopf. Einmal gedrückt, geht die Lindenberg-Musik im Kopf sofort aus. Da ist nur noch: Wruuoommm. Fünf Liter Hubraum bellen kehlig, kurz, einmal bloß, dann brabbelt das 625-Newtonmeter-Viech nur noch gutmütig vor sich hin. Gott, klingt das schön. Liebes Klima, verzeih, aber so viele Autos dieser Art sind ja nicht unterwegs, das kannste doch locker ab, dieses Kohlendioxidbömbchen von 348 g/km. 510 PS. Fünfhundertzehn! Was für ein Irrsinn. Eigentlich. Politisch korrekt betrachtet. Aber das lassen wir jetzt mal.
510 PS. Da schütteln Van-fahrende Familienväter baff den Kopf. Nur ein Tor drückt sofort ungestüm aufs Gas, wenn vor ihm derartig viel Power im Motorraum lauert. Diese Leistungsdröhnung muss man genießen, mit allen Sinnen, dafür ist ein kompressorgeladener Range Rover da. Laubfarbenes Leder überall, auf dem Armaturenbrett, den Türen, den Sitzen. Dazu Blenden um alle Öffnungen, die garantiert aus Aluminium sind. Und selbst wenn nicht, sehen sie so aus. Wunderschön der Kontrast mit den Pianolack-farbenen Türpaneelen. Und das allein zählt.

Schwerelosigkeit in der Horizontalen
Ein paar Kilometer dauert es schon, bis du dich an den fahrenden Teilchenbeschleuniger gewöhnt hat. Anfangs kommt es dir vor, als schiebst du einen 2,16 Meter breiten Esstisch über eine Eisfläche. Losgelöst von jeglicher physikalischen Norm fräsen sich die 20-Zöller den Weg frei. Einmal beherzt auf der Bundesstraße das Gaspedal durchgetreten, schon rauscht die Tachonadel über die 140-km/h-Markierung. Ups. Annähernd genau so schnell bewegt sich das beherzt verzögernde Renn-Rhinozeros aber auch wieder innerhalb der gesetzlichen Tempo-Normen.

Schwerelosigkeit in der Horizontalen.
Was macht man mit so einem Auto? Kinder zur Tagesverwahrung bringen? In Besser-Esser-Gegenden durchaus beliebt, aber an der Grenze zum Schwachsinn. Der RR Sport ist vor Grundschulen und Kindergärten so gut aufgehoben wie ein Hovercraft auf dem Verkehrsübungsplatz. Ganz abgesehen davon vertragen sich Schokoladenfinger auf den Seitenscheiben und auslaufende Nuckelflaschen auf den Kopfkissen-dicken Fußmatten schlichtweg gar nicht mit dem aufgeräumten Wesen eines V8-Kompressor-Fahrzeugs.

Ausreichend Platz ist bei 4,78 Meter Länge natürlich vorhanden, auch im Gepäckabteil (450 bis 2.013 Liter), aber schon das Angurten der Kleinen auf der Rückbank ist müßig und darum wenig familientauglich. Die Gurtschlösser schlummern standesgemäß tief zwischen den Polstern, um ja nicht Optik und Sitzkomfort zu stören. Sehr lästig, hier Kindersitze artgerecht zu befestigen. Es sei denn, du kannst dich dank passenden Nachwuchsgestühls der serienmäßigen Isofix-Bügel bedienen.
Über jeden Zweifel erhaben

Was bleibt – Ausflüge aufs Land. Oder besser: zu den eigenen Ländereien? Schon besser. Das Fahrwerk des V8-Allradlers bügelt Schotter- und Kopfsteinpflasterpisten platt, als säße unter der Frontstoßstange eine kleine Asphaltiermaschine, die Lord Laub mal eben den Weg ebnet. Die Fahreigenschaften des Range Rover Sport sind über jeden Zweifel erhaben, so man nicht erwartet, dass der 2,6-Tonnen-Trumm um die Ecken schießt wie ein Kart. Aber so naiv kann eigentlich niemand sein, der willens ist, 82.200 Euro in die Basisversion dieses zeitlosen Klassikers zu investieren.

Wer die Zubehörliste voll ausschöpft, landet bei 100.289,99 Euro. Dafür hat er dann auch Annehmlichkeiten an Bord wie ein gläsernes Hub-Schiebedach (1.400 Euro), eine Kühlbox in der Mittelarmlehne (360 Euro), eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (2.240 Euro), 20-Zoll-Räder mit 5- statt 9-Speichen-Design (530 Euro), Hybrid-TV (910 Euro), ein Multimedia-System mit Harman-Kardon-Boxen (3.660 Euro), ein beheizbares Lederlenkrad (180 Euro) und derlei mehr.

Verbrauch? Welch banaler Maßstab!
Abstecher auf die Autobahn? Unbedingt empfehlenswert, wenn noch was im Portemonnaie ist. 5,9 Sekunden auf 100, 225 km/h Spitze, eine seidenweich schaltende Sechsgang-Automatik, der mittels Schaltpaddles am Volant die Sporen gegeben werden können. Das macht schon mächtig Spaß. Land Rover attestiert dem Range Rover Sport 5.0 V8 SC einen Durchschnittsverbrauch von 14,9 Liter Super. Wer damit hinkommt, bremst Lkw aus. Bei zügiger Fahrt rauscht der digitale Pegel des 95-Oktan-Reservoirs in die Tiefe wie einst U96 in der Straße von Gibraltar. Der Stadtverbrauch von 21,8 Liter darf hier als untere Bemessungsgrenze verstanden werden. Aber nun: Für schreckhafte Gemüter ist der Range Rover Sport ohnehin nichts.

Technische Daten*
Modell: Land Rover Range Rover Sport 5.0 Supercharged
Motor: Achtzylinder, 4999 ccm
Leistung: 510 PS bei 6100 U/min
Drehmoment: 625 Nm bei 2500 U/min
Antrieb: Allrad, 6-Gang Automatik
Verbrauch: 14,9 l / 100 Km Super
0-100 km/h: 5,9 sek.
Vmax: 225 km/h
Preis: ab 82.200 Euro

*=Herstellerangaben

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