Driven: Audi TTS Modell 2010

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Ein Sportwagen für jeden Tag? Dem Audi TTS gelingt dieser Spagat. Mit 272 PS und Allradantrieb geht’s stürmisch voran – immer! Und auch optisch muss sich unser Testwagen keineswegs verstecken. Kann er auch garnicht.

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Der Audi TT war lange Zeit nicht gerade das Auto, das einem in den Sinn kam, wenn es um Dinge wie Fahrspaß und Querbeschleunigung ging. Doch man hat nachgelegt in Ingolstadt und dem Designerstück etwas mehr drivestyle zum lifestyle gegönnt. Zwar markiert der von uns getestete, 272 PS starke TTS nicht die Spitze im Modellprogramm – denn das ist der TT RS – , doch bringt er wie sein auffälliger RS-Bruder die Zutaten für einen echten Alltagssportler mit: Kraft, Grip und Handlichkeit. Die dezente Verspoilerung und ein makelloses Arrangement im Innenraum gibt es ebenfalls dazu.

Doch bevor wir uns in den Details verlieren, müssen zuerst einmal Fakten geschaffen werden. Fakten in Form von Fahrleistungen. Unser orangenes Testexemplar war nicht nur dank des S tronic Doppelkupplungsgetriebe besonders sprintfreudig, mit der aufpreispflichtigen 19-Zoll Bereifung brachte der TTS seine Kraft auch besonders gut auf den Asphalt: Mit gemessenen 5,1 Sekunden von null auf einhundert km/h nahm er sogar der Werksangabe zwei Zehntel ab. Und wer jetzt noch einmal behauptet, dass downsizing und Wegfall von Zylindern der Untergang des Sportwagens sei, für den haben wir die Fahrleistungen der Konkurrenz zusammengesucht. Ein handgeschalteter BMW Z4 sDrive35i (306 PS) benötigt 5,2 Sekunden für den Standardsprint und zieht somit trotz seines famosen Dreiliter-Turbomotors und 34 Mehr-PS den Kürzeren und selbst einem 320 PS starken Porsche Cayman S mit PDK kann der TTS Paroli bieten.

Einen großen Anteil an dieser Performance hat natürlich der Motor. Der bekannte Zweiliter-TFSI tritt im TTS in der stärksten Ausbaustufe an, doch es ist weniger die Spitzenleistung die begeistert, vielmehr ist es die Elastizität die das Aggregat bietet. Das Nenndrehmoment von 350 Nm liegt in einem Bereich von 2500 bis 5000 Umdrehungen an – eben genau dort, wo man sich bei der zügigen Landstraßenpartie meist bewegt. Der TTS liefert einem also immer das volle Pfund am Abzug und verschenkt dank des quattro-Antriebes auch nie etwas davon.

Denn der zweite große Vorteil der orangenen Flunder ist sein Allradantrieb. Ja, wir wissen das in der Theorie ein ausbalancierter Hecktriebler schneller ist als ein quattro und ja, wir wissen auch, dass der TTS noch auf die Notlösung des „hang on“-Haldex-Allradsystems bauen muss. Doch das ist egal, denn das Ergebnis zählt. Und das ist mehr als gut. Konzeptbedingt schiebt der Audi wie alle Modelle der PQ35-Plattform eher über die Vorderachse – schließlich lässt sich trotz heftigem Einsatz von Aluminium die Gewichtsverteilung von 58% vorne zu 42% hinten nicht vollends kaschieren – doch ist man dann bereits in Bereichen weit jenseits der Grenze des Führerscheinverlustes. Setzt man beim Kauf zudem das Kreuz bei der 19-Zoll-Optionsbereifung verschiebt sich der Grenzbereich abermals nach oben.

Schließlich sorgen dann nicht nur alle Viere für Traktion, nein, es sind gleich vier 255/35er Michelin Pilot Sport 2. Und für den Alltag ist das mehr als genug. Egal ob trocken, feucht, laubbedeckt oder ganz nass: der TTS geht immer voll. Hat man sich erst einmal auf den quattro-Fahrstil eingeschossen macht es wirklich Spaß den Ingolstädter durch den Verkehr zu treiben. Zwar würde der Lenkung im unteren Tempobereich eine geringere Servounterstützung gut zu Gesicht stehen, aber da sind wir wieder beim Thema lifestyle und sobald der Tacho in die Nähe dreistelliger Werte kommt, ist die Welt eh schon wieder in Ordnung.

Dass das Fahrwerk trotz seiner tadellosen Leistung ein wenig Kritik verdient, liegt an den Kennfeldern der Verstellung. Sollte ein adaptives Fahrwerk die Möglichkeit zwischen sportlich straffer Dämpfung und angenehmem Langstreckenkomfort bieten, so gibt es im TTS scheinbar nur die Wahl zwischen straff und völlig ungefedert. Zwar ist die Normalstellung im Alltag nicht direkt fehl am Platz, wenn man den TTS aber auch gerne mal für den Transit Frankfurt-München benutzt, würde ein wenig mehr Nachgiebigkeit trotzdem erfreuen.
Aber so bleibt für Audi ja noch ein wenig Luft zur Verbesserung für den neuen TT. Den Schritt vom Designobjekt zum Fahrspaßbringer hat der aktuelle als TTS bereits geschafft – und der vermeintliche Mangel an Zylindern ist spätestens an der Tankstelle keiner mehr. Denn ein Testverbrauch von knapp über zehn Litern kann sich für diese Performance durchaus sehen lassen.

Technische Daten
Modell: Audi TTS quattro S tronic
Motor: Vierzylinder Turbo-Benziner, 1984 ccm
Leistung: 272 PS
Drehmoment: 350 Nm
Antrieb: Allrad, Sechsgang-Doppelkupplung (S tronic)
Verbrauch: 10,1 Liter /100Km Super+
0-100 km/h: 5,1 sek. (gemessen)
Vmax: 250 km/h Preis: ab 48.650 Euro

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