Driven: Techart GTStreet R auf Basis Porsche 911 Turbo

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Schon beim Erscheinen des ersten GTStreet vom deutschen Tuner Techart vor einigen Jahren war es um uns geschehen. Solch einen brutal daherkommnenden 911er-Umbau mit aggressiver Optik und fantastisch viel Power gibt es nicht oft. Nun endlich ergab sich die Gelegenheit, den aktuellen GTStreet R auf Basis des 911 Turbo zu einem kleinen Tänzchen zu bitten.

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Langsam und bedrohlich kündigt sich der Wahnsinn an. Dann nämlich, wenn der Boxermotor im Heck mit rund 3.000 Umdrehungen seine Kolben um die Kurbelwelle schleudert und die 3.800 ccm Hubraum genügend Abgase produzieren, damit die zwei riesigen Turbinenräder bedrohlich beginnen zu pfeifen, weil auf der dunklen Seite der gemeinsamen Welle Unmengen von Luft eingesaugt und verdichtet werden. Nein, ein Luftmolekül in der Nähe des infernalisch gurgelnden Ansaugtraktes möchte man in diesem Augenblick nicht sein. Kompremiert, beschleunigt und kurz abgekühlt geht es mit viel Druck und hochoktanigem Kraftstoff vermischt durch zwei Ventile in den Brennraum. Dort entzündet haucht das Gemisch dem Aggregat unglaubliche 700 PS ein. Der Kopf schlägt gegen die Kopfstütze, die Fuhre stürmt nach vorne. Willkommen in der Welt des Techart GTStreet R.

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Dank Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb schießt das gelbe Projektil auf Basis des Porsche 911 Turbo (Baureihe 997) in 2,7 Sekunden auf  Tempo 100. Zu blumig beschrieben? Vielleicht, aber mit keinem Wort untertrieben, denn auch wenn wir den Standardsprint nicht auf das letzte Zehntel nachgemessen haben, eins steht fest: Der GTStreet R hat verdammt viel Dampf – und zwar immer! Stets ein wenig verzögert und immer ein wenig zu viel.

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Kann man diesen Wahnsinn also überhaupt kontrollieren? Oh ja, sehr gut sogar. Denn provoziert man das 880 Newtonmeter Biest im Heck nicht übermäßig, rollt man durch den automobilen Alltag, wie in einem Golf Diesel. Doch bei weitem nicht so unauffällig. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit verursacht diese Techart Kreation bei den anderen Verkehrsteilnehmern ein Schleudertrauma. Sei es der grimmig dreinschauende Frontspoilerschlund mit dekorativen Carbon Flics an den Seiten, das filigran hoch aufbauende Aluminiumgestell am Heck, auf dem ein gigantischtes Flügelprofil thront, oder die monströsen hinteren Luftauslässe – dieser Porsche verdreht jedem Verkehrsteilnehmer ruckartig den Kopf.

Doch das schönste sehen die Außenstehenden meist gar nicht: Die Liebe, mit der der Innenraum veredelt wurde. Alcantara und Leder, zusammengehalten von präzise gesetzten gelben Nähten, dazu   überall elegant gesetzte gelbe Farbtupfer auf allen nicht belederten Teilen des Innenraums. Es ist schon erstaunlich, wo Techart die Lücke für die Kunden gefunden hat, denen ein Standard-911 Turbo zu fad und ein 911 GT2 RS zu sportlich ist. Denn genau genommen ist der GTStreet R der perfekte Kompromiss aus diesen beiden Zuffenhausener Modellen. Noch mehr Luxus und noch mehr Leistung. Nur preislich ist das bis zu 352 km/h schnelle Coupé kein Kompromiss und beginnt genau dort, wo Turbo und GT2 RS aufhören – bei deutlich über 250.000 Euro. Dafür stellt Techart seinen Kunden aber auch ein Fahrzeug auf die 20 Zoll Felgen, das an Exklusivität kaum zu überbieten ist. Natürlich auch in einer anderen Farbe, sollte der gelbe Farbton zu auffällig erscheinen.

Kritik? Ein wenig. Unseren bescheidenen Meinung nach passen die aufgezogenen Michelin Pilot Sport Cup Semislicks nicht ganz zu der ansonsten gelungenen Melange aus Ladedruck und Lederduft.. Im Alltag zu hart im Abrollen und kaum auf Temperatur zu bringen, ohne vorher schon den Führerschein zu verlieren, ist dieser Reifen eher etwas für die Rennstrecke. Dafür jedoch ist der GTStreet R nicht kompromisslos genug und das Fahrwerkssetup vermittelt beim Lenken eine seltsame Indifferenz in der Mittellage, die für einen Porsche 911 absolut untypisch ist.

Doch dieser Umstand dürfte die meisten Kunden kaum stören, denn zwischen zwei Kurven gibt es immer eine Gerade und dort ist dieser Techart eine absolute Macht. Haben die zwei Turbolader erstmal ihren maximalen Ladedruck aufgebaut, wird dieser 911 zu einer zornigen Hornisse auf Extasy. Willkommen in der Welt des GTStreet R

Pics: Marcel Bischler

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