Ob Audi S1, VW Polo GTI, Peugeot 208 GTi oder der neue MINI John Cooper Works. Wir hatten die kleinen Renner alle – mal länger, mal kürzer, mal schnell und mal langsam, auf der Piste und neben der Strecke. Und den meisten Spaß, den größten Kick und das breiteste Grinsen erfuhren wir – im Opel Corsa OPC.

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Nein, wir plappern jetzt nicht einfach so dem bärtigen Markenbotschafter mit der Ex-BVB-Kappe hinterher und faseln etwas von „Umparken im Kopf“.
Umparken vom Feinsten passiert im Fall des sportlichsten Corsas aller Zeiten auf der Straße. In Fahrtrichtung vorne links. Wenn sich die Michelin Supersport mit dem frühlingshaft warmen Asphalt verzahnen, die mechanische Sperre Dir in Kurven bald das Lenkrad aus den Händen reißen will und Du mit nicht mehr StVO-tauglichem Tempo über einen verdammt schlecht geflickten Asphaltteppich bügelst als gäbe es kein Morgen: Dann weißt Du, dass Du im richtigen Auto sitzt. Und dass die, die das gebaut haben, ein ganz dickes Lob verdienen.

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Es kommt ein völlig neues „Oh!“ aus Rüsselsheim: Serienmäßig stattet noch keiner der Konkurrenten seine sogenannten Hot Hatches mit den Recaro-Sportster-Schalen aus – noch weniger zum Grundpreis von 24.650 Euro. Die eingangs erwähnte, mechanische Lamellensperre von Drexler gibt’s nur gegen Aufpreis von 2.990 Euro, der beinhaltet dann aber auch noch um 22 Millimeter vergrößerte Bremsscheiben an der Vorderachse und 18-Zöller. Diese Investition ist wärmstens zu empfehlen, sonst verschwindet der Corsa im Sumpf der Allerwelts-Hothatches. Mit ihr – also der Sperre – macht er sich dafür umso schneller aus dem Staub.

Dazu ist der Kleine auch noch sympathisch! Kein modischer Öko-Schnickschnack stört das pure Fahrerlebnis im OPC. Ein herkömmlicher Zündschlüssel mit dazugehörigem Zündschloss, keine nervtötende Start-Stopp-Automatik, keine elektronisch angesteuerte Handbremse. Simpel, unaufgeregt, lässig. Die knallige Farbe (Mandarin Orange, 195 Euro) des Testwagens tut ihr übriges dazu, die (angedeutete) mattschwarze Hutze gibt ihm vorn die nötige Aggressivität und hinten flötet eine doppelflutige Remus leise Servus. Sie tönt auch ein bisschen, verzichtet aber auf juveniles Sprotzeln, klingt angenehm bassig, ohne aufdringlich zu sein.

Unaufgeregt gibt sich der Corsa im Alltag: Ob lange Autobahnetappe oder Kurzstrecke durch die Innenstadt – die Recaros sind wie gewohnt bequem, das Lenkrad hat einen großen Verstellbereich, die Armaturen sind ordentlich ablesbar. Dass das alte IntelliLink-System mit Touchscreen für Radio und Apps in puncto Bedienbarkeit eine Zumutung ist – geschenkt. Mittlerweile gibt es nur noch die Version 4.0, mit der man(n) deutlich besser funktioniert (350 Euro Aufpreis). Die Übersichtlichkeit nach hinten ist aber eher bescheiden, die PDC könnte etwas genauer arbeiten. Wir vermissen eine Öltemperaturanzeige. Die Beifahrerin hingegen bemängelt den fehlenden Schminkspiegel.

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Wahrscheinlich haben sie beim Opel Performance Center ganz bewusst auf dieses Detail verzichtet. Nach der ersten Landstraßenetappe wäre die Frisur eh wieder hin, die Schminke verschmiert. Denn – wir können es nur noch einmal sagen – dieses Gerät ist der Spaßmacher der Saison 2016. Der Einssechser zieht mit seinen 245 (bei Vollgas per Overboost 280) Newtonmetern aus dem Drehzahlkeller hurtig an, beschleunigt sehr linear durch das Drehzahlband und dreht selbst oberhalb von 5.000 Umdrehungen freudig bis in den Begrenzer. Viele andere wirken dagegen regelrecht zugeschnürt, der Corsa nicht. Klar, das maximale Drehmoment liegt ja beinahe die ganze Zeit an (von 1.900 U/min aufwärts bis 5.800). Den letzten Turbobumms haben wir dafür ein wenig vermisst, ebenso könnte die Gasannahme noch etwas spontaner sein, doch man kann halt nicht alles haben. Ein breites Grinsen reicht ja auch fürs Erste.

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Während der OPC-Schalthebel mit gut definierten und knackigen, aber leider nicht ganz entknorpelisierten Wegen durch die Gassen flutscht, geht der mandarinorangene Zwerg in die erste Disziplin: 6,8 Sekunden auf 100 Km/h. Damit wäre die legale Grenze auf der Landstraße erreicht und die hört im Corsa – beinahe auf den Namen Langeweile. Er frisst förmlich jede Kurve, liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, absorbiert auch gröbste Verwerfungen, ohne dabei zu weich zu werden. Und geht es etwas schneller zu, zieht der OPC seine Trumpfkarte: die Lamellensperre. Der, dem es schon jetzt zu schnell ist, geht vom Gas und erntet stumpfes Untersteuern. Wer aber den Mut hat, schon vorher wieder aufs Gas zu gehen, erlebt ihre Wirkung in Perfektion.

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Ein Ruck geht durch die Fuhre, der Corsa folgt intensiv dem Lenkeinschlag, ganz gleich, welche Geschwindigkeit gerade anliegt. Die Reifen verzahnen sich noch etwas mehr mit dem Straßenbelag und der mit dem Blitz powert durch jede Kurve. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das, auch weil die Einflüsse der Sperre sowohl bei Unebenheiten als auch bei der ambitionierten Einfahrt auf den Supermarktparkplatz spürbar sind. Doch wer damit nicht zurecht kommt, ist wirklich von XDS, EDC und sonstwelchen elektronischen „Sperren“ versaut worden. Auch dank der OPC-Sperre durchfährt man Kurven mit Geschwindigkeiten, die man sonst nur von gestandenen Sportwagen kennt, aber definitiv nicht von der Konkurrenz. Von der hat keiner eine so gut und kompromisslos funktionierende Vorderachse. Und bis die Haftgrenze der wunderbaren Michelin-Pneus erreicht ist, ist man ihr erst Recht auf und davon gefahren.

Schwachpunkte? Ja, ein bisschen kritteln müssen wir dann doch noch. Den angegebenen Verbrauch von 7,5 Litern auf 100 Kilometer erreichten wir beinahe – dann aber auch nur mit äußerster Disziplin, ohne Tempomat und mit sehr leichtem Gasfuß. Ansonsten waren die Werte gerne zweistellig, immerhin brauchten wir nie mehr als 12,6 Liter im Durchschnitt. Für den gebotenen Spaß – okay.

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Dafür verzögert die Performance-Bremsanlage zwar objektiv besser als die Standard-OPC-Bremse. Doch sie könnte etwas mehr Biss im Bremspedal und einen definierteren Druckpunkt vertragen – letzteres gilt auch für die Kupplung, die aber dafür einen ausreichend hohen Kraftaufwand erfordert. Die optionalen Assistenzsysteme sind verzichtbar, der Regensensor und der Fernlichtassistent arbeiten zu langsam, um eine echte Unterstützung zu bieten.

Der größte Nachteil des besten Corsas und wahrscheinlich auch des momentan besten Hot Hatches seiner Klasse dürfte jedoch immer noch das Image der Rüsselsheimer sein. Mehr noch: Während andere Hersteller sich auf ihre Geschichte besinnen und dies auch wirksam vermarkten, blickt Opel nur nach vorne. Image und die Verbindung in die Vergangenheit sind aber reine Kopfsache. GSi war halt vorvorgestern. Womit wir wieder beim Umparken wären. Dafür wird es höchste Zeit.

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Technische Daten*

Modell: Opel Corsa OPC
Motor: Vierzylinder Reihe, Turboaufladung, 1.598 ccm
Leistung: 207 PS (152 kW) bei 5.800 U/min
Drehmoment: 245 (280) Nm zwischen 1.900 und 5.800 U/min
Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch (ECE): 7,5 l SP/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 6,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 230 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,03 m/1,73 m/1,48 m
Gewicht: 1.293 Kg
Grundpreis: 24.650 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 15/25/23

*Herstellerangaben

Fotos: Felix Maurer für evocars

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