Nun also auch Seat. Wir stehen Nischenprodukten ja grundsätzlich immer etwas skeptisch gegenüber. Gerade höhergelegte Look-alike-Offroader – am besten noch ohne Allradantrieb, aber dafür mit „robusten“ unlackierten Plastikverkleidungen rund um – fanden wir immer etwas lächerlich. Doch wenn wir dann vor ihnen stehen, müssen wir konstatieren: es sieht verdammt nochmal nicht schlecht aus. Der Offroad-Look. Ob Audi Allroad, Volvo Cross Country, VW Alltrack oder Mercedes All Terrain – den Autos steht dieser kernigere Look meistens richtig gut.

seat-leon-x-perience-test-2

Und so erging es uns auch beim Seat Léon X-PERIENCE. Bereits der Léon ST ist – die richtigen Felgen und das richtige Fahrwerk vorausgesetzt, bevorzugt also als Cupra 290 – ein verdammt gut aussehendes Automobil. Doch der X-PERIENCE kann ebenfalls überzeugen. Wie er da steht mit seiner leichten Höherlegung (es sind rund drei Zentimeter im Vergleich zur Serienversion), macht er zumindest nicht den Eindruck, dass ihn irgendetwas da draußen auf der Welt beeindrucken könnte. Gut, wir wissen es besser, dass es da schon seine Grenzen gibt, aber der erste Eindruck zählt.

seat-leon-x-perience-test-7

Schön ist am Léon X-PERIENCE: er gibt nicht mehr vor, als er tatsächlich ist. Es gibt ihn ausschließlich mit Allradantrieb – die fünfte Generation der Haldexlösung 4Motion ist stets an Bord. Motorseitig stehen die üblichen Verdächtigen aus dem VAG-Regal zur Auswahl. Wir fuhren in unserem Test den 1.8 TSI mit 180 PS, der ausschließlich an das bekannte Sechsgang-DSG gekoppelt wird.

Das unterstreicht den komfortablen Anspruch, dem Seat mit dem X-PERIENCE entsprechen möchte. Schon auf den ersten Metern scheint sich die leichte Höherlegung in einem höheren Fahrkomfort bemerkbar zu machen. Sanft rollt der Mittelklassekombi ab, die bequemen Sitze tun ihr übriges dazu. Das DSG verrichtet so unauffällig seinen Dienst, wie man es von ihm gewohnt ist. Zusammen mit den absolut ausreichenden, wenn auch nicht ausschweifenden Platzverhältnissen (der Kofferraum fasst 445 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen mehr als 1.450 Liter) macht der X-PERIENCE vor allem als Reisekombi eine gute Figur.

seat-leon-x-perience-test-10

Dabei ist die minimale Höherlegung kein Dynamikhindernis. Flott lässt sich der Allradkombi durch enges Geläuf zirkeln, wenn auch nicht mit der Spontaneität und Direktheit eines Léon Cupra – der übrigens, so haben wir gehört, ab nächstem Jahr auch mit Allradantrieb zu haben sein wird. Doch dafür macht er, der X-PERIENCE, wenn man sich denn traut, die schicke Karosserie dreckig zu machen, auch vor unbefestigten Feldwegen und gröberen Unwegbarkeiten keinen Halt. Extremes Gelände wird man ihm zwar nicht zumuten können oder gar wollen, doch für den nicht asphaltierten Weg zum Ferienhaus oder die frisch beschneite Straße zur Skihütte ist man mit dem X-PERIENCE bestens gerüstet.

seat-leon-x-perience-test-4

Dass der Einsachter-TSI mit den 1,5 Tonnen Leergewicht des X-PERIENCE ganz gut zu tun hat, merkt man weniger beim Antritt als deutlicher beim Verbrauch. Die angegebenen 6,5 Liter pro 100 Kilometer sollte sich ein jeder Interessent direkt aus dem Kopf schlagen – auch ein Liter mehr im Durchschnitt gelangen uns nur mit viel Mühe und gutem Willen. Wer es auf der Autobahn zügiger angehen lässt, verballert gut und gerne zwischen neun und zehn Liter Super. Unsere Wahl fiele daher bevorzugt auf den zwar etwas teureren, aber dafür auch noch bulligeren Zweiliter-TDI mit 184 PS (ebenfalls nur mit Sechsgang-DSG), der bekanntermaßen im Golf GTD schon ordentlich Spaß bereiten kann.

Ebenfalls und endlich Spaß hat uns auch die Navi-Multimediaeinheit bereitet. War das Vorgängersystem doch mit einer ordentlichen Portion Trägheit gesegnet, spürt man davon beim mindestens 820 Euro teuren Navigationssystem samt 8-Zoll-Bildschirm nichts mehr. Eine flüssige, leicht verständliche Bedienung, schnelle Reaktion auf Eingabebefehle und ein ebenso schneller Rechner stehen auf der Habenseite. Genauso wie das klar strukturierte (und weniger als bei der großen Konzernmutter überfrachtete) Multifunktionslenkrad.

seat-leon-x-perience-test-21

Und der Preis? Mit mindestens 30.250 Euro bewegt sich der Léon X-PERIENCE in etwa auf dem Niveau eines – etwas größeren – Subaru Forester, der zwar etwas weniger Leistung, dafür aber eine umfangreichere Serienausstattung vorweisen kann. Den spanischen Chic des Léon kann er jedoch nicht bieten – und bei dieser Art Autos spielt der persönliche Geschmack schließlich auch eine wichtige Rolle.

Technische Daten*

Modell: Seat Léon X-PERIENCE 1.8 TSI
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1.798 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW) zwischen 4.500 und 6.200 U/min
Drehmoment: 280 Nm zwischen 1.350 und 4.500 U/min
Antrieb: Allradantrieb, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Verbrauch (ECE): 6,5 l Super/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 7,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 221 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,54 m/1,82 m/1,48 m
Gewicht: 1.486 Kg
Grundpreis: 30.250 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 15/20/21

*Herstellerangaben