Es hat ein wenig gedauert, doch noch haben wir 2016 und feiern damit das Jubiläumsjahr des BMW M3, dessen Rückschau auf dreißig Jahre Tradition wir mit dem letzten Modell vor der aktuellen Variante beschließen wollen. Die Rede ist vom ersten und gleichzeitig letzten M3 mit V8-Saugmotor, den BMW vom Werk aus in Limousine (E90), Coupé (E92) und Cabriolet (E93) verpflanzte.

Der Erste M3 mit Achtzylinder war der intern genannte E92, der im September 2007 und somit zweieinhalb Jahre nach der Markteinführung des neuen Dreier das Licht der automobilen Welt erblickte. Als Maschine vertraute man auf einen komplett neu entwickelten Vierliter-Achtzylinder-Sauger mit der internen Bezeichung S65B40, der gleich wie der S85B50-Zehnzylinder aus M5 und M6 aus Aluminium konstruiert wurde und insgesamt sogar leichter ist als der Vorgängermotor im E46 M3 – trotz zwei Zylindern mehr. Zwei obenliegende Nockenwellen, eine Crossplane-Kurbelwelle und acht einzeln anzusteuernde Drosselklappen ergeben 420 PS bei 8.300 Umdrehungen pro Minute. Maximal dreht der S65-Motor 8.400 Umdrehungen und stellt damit den am höchsten drehenden Serienmotor aus dem Hause BMW dar.

Ein weiteres Highlight stellte München ein knappes halbes Jahr später vor: erstmals seit 1999 sollte es den M3 auch wieder als Limousine geben und diese erfuhr eine solche Beliebtheit, dass ihr Nachfolger (erstmals mit M-eigenem Kürzel F80) als einziger auch wieder M3 heißen durfte. Sie wurde drei Jahre lang gebaut, bis der F30-Serien-Dreier bereits in den Startlöchern stand. Coupé und Cabrio durften noch zwei Jahre länger in den Preislisten verweilen. Apropos Cabrio: Passend zu einem heißen Sommer 2008 folgte auf die Limousine das Cabriolet E93, das jedoch vor allem mit seinem Übergewicht Schlagzeilen machte: ganze 1,9 Tonnen wog es (gut 200 Kilogramm mehr als Coupé und Limousine), dem ausgeklügelten, aber eben leider auch gewichtsintensiven versenkbarem Hardtop sei Dank.

Doch das Cabriolet war ohnehin stets der Cruiser der M3-Reihe, da sollte der V8-M3 keine Ausnahme machen. Einer der Gründe, weshalb die Mehrzahl der Kunden wohl das ebenfalls (ab 2008) erstmals für den M3 erhältliche Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aus dem Hause Getrag im Cabrio orderte. Außerdem war ein herkömmliches Sechsgang-Schaltgetriebe erhältlich – man verabschiedete sich somit für immer vom ruppigen SMG, das zuletzt in dritter Generation im M3 E46 seinen Dienst tat.

Aber was war mit den echten Racern? Hatte man die, die zuvor den M3 CSL gekauft hatten, bei BMW etwa vergessen? Keineswegs, wie man in München im November des Jahres 2009 bewies. Der M3 GTS trug eine Kriegsbemalung in Uni-Feuerorange und einen fetten Heckspoiler, war fünfzig Kilogramm leichter als das Serien-M3 Coupé und blies zum Kampf gegen Porsche 997 GT3 und Co. Dabei half ihm der erstarkte, auf 4,4 Liter Hubraum aufgebohrte V8 mit nunmehr 450 PS samt DKG sowie ein manuell einstellbares M-Gewindefahrwerk. Dank der Mehrleistung und des geringeren Gewichts ergab sich ein beachtliches Leistungsgewicht von 3,31 Kilogramm pro PS. Anstelle der Rücksitze wurde ein Clubsportbügel verbaut, der sich auf Wunsch auch zum vollwertigen Überrollkäfig ausbauen ließ. Ferner wurden leichtere Schalensitze montiert, die Heckscheiben waren aus Makrolon – stattdessen gab es keine Klimaanlage, kein Navi, kein Radio.

Anders als der GTS fand ein M3 allerdings keine freie Autobahn zum Endkunden – obwohl es tatsächlich Kaufangebote gab: der 2011 gebaute M3 Pickup, der auf einem E93 330i basierte und eine Reminiszenz an den damaligen E30 Pickup darstellen sollte. Wenn wir uns die Bilder anschauen, war das vielleicht auch ganz gut so. Wie bei seinem Vorbild lässt sich das Dachteil herausnehmen und somit den M3 Pickup zu einem M3 Targa werden. Ob der Pickup ebenso intensiv als Lastesel wie sein Vorbild genutzt wird, ist allerdings nicht bekannt, doch der Kilometerstand von über 7.000 lässt zumindest darauf schließen, dass er nicht nur in den heiligen Hallen der BMW-Welt herumsteht.

Da stehen dafür andere M3-Schätzchen herum, die wir bereits in den vorigen Teilen unseres M3-Spezials behandelt haben. Angefangen beim ersten M3 E30 über seinen Nachfolger mit Sechszylinder, den M3 E36. Wer etwas über den Vorgänger der M3 E9X erfahren möchte, findet hier unser Spezial zum M3 E46.