Gut, schon so ein „normaler“ Elfer der Baureihe 964 – idealerweise als Coupé und Handschalter – liegt ja preislich seit ein paar Jahren in mehr als ordentlichen Sphären. Und hat man es nicht auf die Standardware, sondern auf ein paar Sondermodelle abgesehen, muss der Kontostand ziemlich große sechsstellige Summen aufweisen, damit der klassische Sechszylinder-Boxer in die Garage rollen kann. Doch dieser 964, den wir hier vorstellen, ist weder Standardware, noch ein „einfaches“ Sondermodell. Es ist der Carrera RSR 3.8. Einer der Elfer schlechthin, die Essenz dessen, was den besten Sportwagen ausmacht.

RSR? 3.8? Man hat tatsächlich etwas verpasst, wenn man diese Kürzel nicht auf Anhieb mit dem 964 in Verbindung bringen kann. Dabei war es gar nicht so schwer, sich über die Jahre eben damit abzufinden, dass der stärkste 964 der sündhaft teure turbo S und der sportlichste eben der Carrera RS war. Doch in homöopathischen Dosen schüttete Porsche das gesamte Elfer Elixier in die tropfenförmige Karosse, tüftelte weiter, schuf auf Basis des RS einen Saug-911 mit 3,8 Litern Hubraum und 350 PS, packte diesen Motor in die Turbo-Karosse, entnahm Gewicht an allen Ecken und Enden. Heraus kam der 911 Carrera RSR 3.8.

Dank lediglich 1.120 Kilogramm Leergewicht und besagter Motorleistung erledigte der RSR den Sprint von 0 auf 100 Km/h in 3,8 Sekunden – und unterbot mit schlankem Fuß den Ferrari F40 in dieser Disziplin ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Zugegeben, für die Straße waren die lediglich 51 Exemplare des turbobreiten Carrera nie gedacht. Doch tauglich dafür waren sie allemal. Was offenbar der Erstbesitzer des 3.8 auf diesen Bildern etwas anders sah: denn nach seiner Auslieferung mit gerade einmal zehn Kilometern auf dem Tacho rollte der noch mit dem Werkswachs versehene Elfer auf direktem Wege in eine große Halle. Und fristete dort fast 25 Jahre sein trauriges Dasein. Doch nicht nur das Wachs konservierte die extravagante Ausstattung des Boliden. Denn anders als die meisten RSR wurde dieses Exemplar mit einigen Gimmicks versehen. Angefangen bei der Farbkombination: Polarsilber gepaart mit knallrotem Leder war bereits 1993 ganz schön ausgefallen. Darüber hinaus wurden die Felgen in Amethyst-Metallic lackiert, die Bremssättel gold. Hinzu kommen zahlreiche Optionen der Exclusive-Abteilung wie ein belederter Überrollbügel, ein farblich abweichend beledertes Armaturenbrett und in der Außenfarbe lackierte Instrumente und Sitzschalen.

Zusammen mit dem wohl einmaligen Zustand und der Historie schwingt sich dieser Elfer zu einem der teuersten Exemplare auf: das Estimate beträgt mindestens zwei Millionen Euro. Versteigert wird er an kommendem Samstag in der Villa Erba von RM Sotheby’s. Und wir hoffen, dass er dann auch endlich einmal raus auf die Straße darf.

Nachtrag: der Erlös vom 29. Mai 2017 für den Carrera RSR betrug 2.016.000 Euro.

Galerie

Bilder: RM Sotheby’s / Tim Scott
Quelle: RM Sotheby’s