Was haben wir über den Neuen, intern als „G30“ bezeichneten, 5er gelästert. Er sei zu dicht am Siebener haben wir geschrieben; ein Abklatsch in Design und Funktion. Nun, das war im Oktober 2016. Heute, im Juni 2017, sind wir – und vor allem der Redakteur von damals – etwas schlauer. Den Schlüssel für den neuen 5er auf dem Schreibtisch liegend müssen wir uns eingestehen: Münchens neue Businessklasse ist mehr als eine Kopie vom großen Bruder. Seit langem haben wir bei BMW wieder einen „Aha-Effekt“ erlebt. Den Effekt, den wir zuletzt in vielen M-Modellen vermisst haben.

Wir fahren die ewige Basismotorisierung, den 520d. Dessen Vierzylinder-Dieselmotor leistet ausreichende 190 PS und verteilt seine 400 Nm Drehmoment auf alle vier Räder – xDrive sei Dank. Ob man den Allrad beim kleinsten Diesel nun braucht sei einmal dahin gestellt. Wir zumindest könnten auf ihn verzichten. Was wir hingegen nicht mehr missen wollen, ist die hervorragend abgestufte 8-Gang-Automatik von ZF. Kein Rucken, kein Zucken, keine unnötigen Gangwechsel. Dieser Automat, in Verbindung mit der passenden BMW-Software, ist nahe an der Perfektion.

Zwar gibt es den 20d, ganz weit unten in der Preisliste, weiterhin als Handschalter. Wir müssen aber anerkennen: mit dem G30 sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen man ein solches Auto manuell schalten möchte. Zu groß sind die Komforteinbußen; zu gut ist die Automatik! Und auch der Rest der Technik kann überzeugen. Das optionale M-Fahrwerk bietet eine sehr gute Straßenlage, leistet aber gleichzeitig den nötigen Restkomfort, den man von dieser Fahrzeugklasse erwartet. Trotz über 1,7 Tonnen Lebendgewicht wirkt der 5er nur selten angestrengt. Leichtfüßig kann der Bayer durch enge Kehren gezirkelt werden. Die Serienbremsen sind standfest und lassen sich perfekt dosieren. Freude am Fahren – der neue 5er BMW kommt dem Leitspruch der Münchner wieder ganz nah.

Ja, wir sind voller Überschwang für den Neuen. Das Fahrkapitel kann er klar für sich entscheiden. Einzig der brummige 20d passt nicht so recht zum edlen Salon in dem wir sitzen. Zwar hat der kleine 2,0-Liter-Selbstzünder bessere Manieren antrainiert bekommen als vergleichbare Konkurrenzdiesel – so richtig angemessen ist er aber nicht. Das beweist auch der Blick unter die Motorhaube. Platz ist dort noch eine Menge. Für die laufruhigen Reihensechser und die stimmgewaltigen Vau-Achter, die viel besser zum Charakter des 5ers passen wollen.

Gelungen ist auch der neue Innenraum; zuletzt konnten wir uns mit der Verarbeitungsqualität bei BMW nicht wirklich anfreunden. Beim G30 hat BMW allerdings die Messlatte auf Audi-Niveau gehoben. Alles sitzt und passt – Leder sieht wie Leder aus (und fühlt sich auch so an), Kunststoffflächen sind größtenteils ausgeschäumt und die Innentaschen der seitlichen Ablagefächer sind mit Teppich ausgelegt. Ja, so mögen wir das. Ein weiterer Pluspunkt: die hervorragenden Sportsitze, die eigentlich ein Muss für jeden 5er-Käufer sind. Mit dem optionalen Ambiente-Lichtpaket hat man für jeden Anlass eine farbliche Untermalung parat und das dicke M-Lenkrad liegt bestens in der Hand.

Interessant für alle Firmenwagenberechtigten ist die Basisausstattung des neuen 5er BMW: u.a. LED-Schweinwerfer, teilelektrische Sitze, Business Navigation mit Connected-Drive-Paket, ein Sportlederlenkrad und ein Auffahrassistent sind mehr, als die Konkurrenz ab Werk zu bieten hat. Frech hingegen: im Jahr 2017 sollen eine Klimaautomatik und die Sitzheizung weiterhin Aufpreis kosten. Aber der Markt gibt es wohl her. So wie auch der Markt bestimmt, dass unsere Autos immer autonomer werden. Unser Testwagen hat von dieser Autonomie allerdings noch nichts erfahren. Einzig der (ebenfalls serienmäßige) Tempomat schafft Entlastung für den Fahrer. Wir finden: das ist auch gut so! Denn der 5er war und ist die Businesslimousine für den Selberfahrer.

Fazit

Der neue 5er BMW führt in unseren Augen zu Recht das Feld der gehobenen Mittelklasse an. Weder die Mercedes E-Klasse, noch der Audi A6 können dem Münchner derzeit das Wasser reichen. Zwar wird Audi in Kürze mit der Neuauflage des A6 nachlegen – dieser muss aber erst beweisen, dass er es mit dem G30 aufnehmen kann. Ein hochwertiges Interieur trifft beim 5er auf hervorragende Fahrwerte – selbst mit der Basismotorisierung. Das Außendesign ist eine Geschmacksfrage; die seitlichen Air Breather hinter den vorderen Kotflügeln, die auch bei uns auf optische Kritik gestoßen sind, muss man sich erst einmal erklären lassen. Dann sind sie zwar weiterhin unpassend, haben aber ihren technischen Sinn und Zweck. Negativpunkte müssen wir suchen. Die happige Aufpreisliste, ein zu hoher Verbrauch von knapp 7,5 Litern Diesel beim 20d (im normalen Alltag) und für unseren Geschmack ein wenig variables Kofferraumabteil sind die einzigen Kritikpunkte, die wir in unserem Fahrbericht anmerken können.

Hinweis der Redaktion: Bei dem getesteten Fahrzeug handelt es sich um ein Kundenfahrzeug, das nicht von der BMW AG gestellt wurde. Die Ausstattung variiert von den gezeigten Fotos.

Technische Daten*

Modell: BMW 520d xDrive Limousine
Motor: Vierzylinder Reihe, Turboaufladung, 1.995 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW) bei 4.000 U/min
Drehmoment: 400 Nm zwischen 1.750 und 2.500 U/min
Antrieb: Allradantrieb xDrive, 8-Gang-Automatik
Verbrauch (ECE): 4,5-4,9 l Diesel/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): ca. 7,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 232 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,94 m/1,87 m/1,47 m
Gewicht: ca. 1.750 Kg
Grundpreis: 50.900 Euro (Preis ab Juli 2017)

*Herstellerangaben